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Vernehmlassung 2015/18: Nationale Strategie Sucht · 31 Seiten
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3. Handlungsbedarf
3.1 Prävalenzen von Konsum und Verhalten
Viele Menschen konsumieren in der Schweiz psychoaktive Substanzen. Die meisten tun dies
risikoarm. Neun von zehn Personen trinken Alkohol, jede vierte raucht und eine halbe Million hat 2014 Cannabis konsumiert.
Risikoverhalten und Abhängigkeit können in allen Lebensphasen und Bevölkerungsgruppen
auftreten. Heute fallen bei jungen Menschen vor allem das Rauschtrinken, die Nutzung von Online-Games und der Tabakkonsum ins Gewicht. Mit zunehmendem Alter akzentuiert sich die
Problematik beim Alkohol in Richtung chronischer Konsum sowie beim Medikamentenmissbrauch. Die Zahlen der Heroinabhängigen und Kokainkonsumierenden sind hingegen stabil.
Die Vielfalt von unterschiedlichen Konsummustern und -trends, betroffenen Gruppen und
Entwicklungen auf den legalen und illegalen Märkten müssen kontinuierlich beobachtet werden, um bei Bedarf frühzeitig mögliche Handlungsoptionen mit den betroffenen Akteuren im Feld
besprechen und entwickeln zu können. Besonderes Augenmerk gilt dem Mischkonsum und den Entwicklungen bei den illegalen Drogen, wo neue psychoaktive Substanzen zu Problemen führen könnten sowie den Verhaltensabhängigkeiten (Geldspiel, Internet).
Die wichtigsten Zahlen im Überblick
Die mit Abstand am häufigsten konsumierte psychoaktive Substanz in der Schweiz ist Alkohol. Dabei ist der Konsum von Alkohol bei der grossen Mehrheit unproblematisch. Neun von zehn Personen trinken zumindest manchmal Alkohol, eine Person von zehn trinkt täglich Alkohol, wobei Männer und ältere Menschen dies vergleichsweise häufiger tun als Frauen und jüngere Menschen. Rund 100'000 Menschen zwischen 55 und 75 konsumieren chronisch zu viel Alkohol und fast 500'000 Menschen konsumieren zweimal wöchentlich oder häufiger mehr als 4 respektive 5 Einheiten. Die Zahl der Alkoholabhängigen wird auf ca. 250‘000 Personen geschätzt. Tabak wird von rund 25% der
Schweizer Bevölkerung, davon 18% täglich, konsumiert, wobei dies je nach soziokulturellem
Hintergrund stark variiert. Mehr als die Hälfte der täglich Rauchenden möchte damit aufhören.
Rauchende, die vor dem Alter von 15 Jahren mit dem täglichen Konsum beginnen, weisen in der Folge einen höheren Grad der Nikotinabhängigkeit auf als Rauchende, die in einem höheren Alter mit dem täglichen Konsum anfangen.
Cannabiskonsum ist insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 15 und 24 Jahren verbreitet. Fast eine halbe Million Menschen konsumierten 2014 mindestens einmal Cannabis. Für Heroin und Kokain sind die Werte über die vergangene Jahre bei weniger als 1% jährlich
Konsumierender stabil geblieben. Substanzen wie LSD, Speed und andere Amphetamine, Ecstasy und Ketamin werden vor allem von Menschen zwischen 15 und 35 Jahren konsumiert2. Jüngste Erhebungen schätzen die Zahl der 20-34-jährigen Konsumierenden auf circa 1% bis 1.5% für
Amphetamine, Ecstasy und Kokain. Die sogenannten neuen psychoaktiven Substanzen (NPS)
finden in der Schweiz bislang nur wenig Verbreitung. Bei Prävalenzangaben zu illegalen Drogen ist aus zweierlei Hinsicht Vorsicht geboten. Bei Telefonbefragungen werden Konsumierende illegaler Substanzen oftmals nicht erreicht, und es kommt zu Fehlauskünften. Zudem deuten die Hoch-
rechnungen von Zoll und Polizei auf Grund der sichergestellten Mengen von illegalen Substanzen auf deutlich mehr Konsumierende hin.
Leistungssteigernde oder stimmungsaufhellende Medikamente wurden von rund 4% der Bevölkerung mindestens einmal im Leben eingenommen. Der Medikamentenkonsum steigt mit zunehmendem
2 Gesamte Übersicht siehe Suchtmonitoring Schweiz, S. 84 ff. Gerade bei illegalen Substanzen sind die vorhandenen Datenerhebungsinstrumente begrenzt in ihrer Aussagekraft
13 I Nationale Strategie Sucht 2017–2024 Entwurf, Version vom 07.05.2015