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Vernehmlassung 2015/18: Nationale Strategie Sucht · 31 Seiten
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Handlungsfeld 3 – Schadensminderung und Risikominimierung
Massnahmen im Bereich der Schadensminderung sollen den Gesundheitszustand abhängiger Personen stabilisieren und deren soziale Desintegration verhindern bzw. die Reintegration erleichtern. Die
Schadensminderung umfasst auch die unmittelbare Überlebenshilfe an Schwerstabhängige, unmittelbare negative Folgen ihrer Abhängigkeit sollen verhindert werden. Hier steht also nicht die unmittelbare Abstinenz im Vordergrund, sondern eine Stärkung der abhängigen Menschen, um ihnen auch mit aktuellem Suchtverhalten ein möglichst beschwerdefreies Leben zu ermöglichen, bleibende Schäden zu vermeiden und ihnen den Übergang in die Therapie zu erleichtern. Auf gesellschaftlicher Ebene streben die Schadensminderung und Risikominimierung eine Verringerung schädlicher Auswirkungen auf die Gesellschaft an, etwa durch die Vermeidung von Unfällen oder Gewalt im Zusammenhang mit Sucht.
Ziel Negative Auswirkungen von Suchtverhalten sind für Individuum und Gesellschaft
verringert.
Strategische Ziele
Der niederschwellige Zugang zu den bestehenden Angeboten wird sichergestellt und gefördert.
Im Bereich des Nachtlebens richten sich spezialisierte Institutionen mit schadensmindernden Angeboten direkt an die Zielgruppe der Partygänger/innen: Das Projekt bemyangel.ch beispielsweise fördert die Sicherheit im Strassenverkehr, indem es Junglenker in Bars und im Ausgang anspricht und dazu auffordert, auf den Konsum von Alkohol und Drogen zu verzichten. Dabei soll jeweils eine Person bestimmt werden, die an diesem Abend nüchtern bleibt und die Peers sicher nach Hause fährt.
Angebote im Nachtleben wie nuitblanche.ch, eve-rave.ch, raveitsafe.ch, danno.ch und saferparty.ch fokussieren auf die Konsumierenden von Partydrogen, die von Peers in Clubs, Festivals und im öffentlichen Raum angesprochen werden. Das ambulante Drug Checking ermöglicht neben der Warnung vor gefährlichen Substanzen vor allem auch den Zugang zu der Zielgruppe und die Durchführung von längeren Beratungsgesprächen.
Das Angebot der Schadensminderung wird im Zusammenhang mit neuen
Konsummustern und Risikoverhalten fachlich angepasst und nach Möglichkeit auf alle Suchtformen ausgeweitet.
Eine grosse Zahl jener Personen, die intravenös Drogen konsumieren, sind Hepatitis-Cpositiv. Die Hepatitis C-Kampagne in Kontakt- und Anlaufstellen richtet sich an Fachleute und an die Konsumierenden. Sie verfolgt das Ziel, die Zahl der Neuansteckungen bei Drogenkonsumierenden zu verringern und den Zugang zu Behandlung zu verbessern.
Vorzeitige Todesfälle, Unfälle und Gewalt im Zusammenhang mit Sucht sowie
Überdosierungen und Intoxikationen werden verringert.
Rund die Hälfte der Schweizer Bevölkerung fühlt sich mindestens einmal pro Jahr von einer alkoholisierten Person belästigt oder wurde gar angegriffen. Das BAG engagiert sich mit seinen Partnern die negativen sozialen Folgen des Alkoholmissbrauchs zu senken. Dies unter anderem durch die zielführende und optimierte Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Häusliche Gewalt beim Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann – ist doch bei Gewalt im familiären Rahmen in jedem vierten Fall Alkohol im Spiel.
24 I Nationale Strategie Sucht 2017–2024 Entwurf, Version vom 07.05.2015