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Vernehmlassung 2015/18: Nationale Strategie Sucht · 31 Seiten
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Risikoarmes Verhalten umschreibt den Umgang mit psychoaktiven Substanzen oder
Verhaltensweisen, welches nicht schädlich ist für die Gesundheit und für das Umfeld,
gesellschaftlich toleriert oder gar kulturell erwünscht ist.
Risikoverhalten umschreibt den Substanzkonsum oder ein Verhalten, welches zu körperlichen, psychischen oder sozialen Problemen oder Schäden für die einzelne Person oder das Umfeld führen kann. Es werden drei Verhaltensmuster mit Schadenspotenzial für das Individuum und sein Umfeld unterschieden:
• Das exzessive Verhalten meint das übermässige, häufig episodische Wiederholen einer potentiell schädlichen Tätigkeit oder das Konsumieren grosser Mengen
psychoaktiver Substanzen innerhalb einer kurzen Zeitperiode (z. B. Rauschtrinken oder exzessives Geldspielen).
• Als chronisches Verhalten wird ein regelmässig auftretender, inadäquater Konsum oder ein sich regelmässig wiederholendes Verhalten bezeichnet. Über einen längeren Zeitraum betrieben verursacht dies „kumulativ“ Schäden (z.B. die dauerhafte Einnahme von (nichtverschriebenen) Medikamenten oder chronischer Alkoholkonsum).
• Situationsunangepasstem Verhalten meint den Konsum von psychoaktiven
Substanzen in Situationen, in denen man sich oder andere gefährden oder ihnen
Schaden zufügen kann (beispielsweise Fahren in angetrunkenem Zustand, den Fötus schädigender Konsum psychoaktiver Substanzen während der Schwangerschaft oder Geldspiel trotz bestehender Verschuldung).
Abhängigkeit ist ein bio-psycho-soziales Phänomen. Die Neurowissenschaften beschreiben Abhängigkeit als einen Prozess, bei dem biologische, psychische und soziale Faktoren
zusammenwirken und bei dem sich das Gehirn dem Konsumverhalten biologisch anpasst.
Medizinisch gesehen ist Abhängigkeit eine Krankheit. Sie wird im Diagnosemanual der
Weltgesundheitsorganisation WHO (ICD-10) beschrieben (F1-Diagnosen). Im Manual der
American Psychiatric Association [DSM-5] wird von „Sucht und zugehörigen Störungen“
gesprochen, die Begriffe „Missbrauch“ und „Abhängigkeit“ werden durch „Gebrauchsstörung“
ersetzt und als Störung mit unterschiedlichen Ausprägungsgraden beschrieben. In Europa
orientiert sich die Fachwelt am ICD-10.
Abhängigkeit hat Auswirkungen auf die Physis und die Psyche der Menschen, ihr soziales Umfeld und ihre soziale Integration. Sie entsteht aus individuellen Veranlagungen, aber auch durch Umweltbedingungen (persönliches Umfeld, berufliche und finanzielle Situation, kultureller
Umgang mit Substanzen, Erhältlichkeit etc.). Sie ist ein bei Menschen aller Altersklassen und unabhängig von ihrem sozialen und kulturellen Hintergrund beobachtetes Phänomen, das sich auszeichnet durch unkontrollierbare Verhaltensweisen, welche auch dann weitergeführt werden, wenn sich schwerwiegende negative gesundheitliche und soziale Folgen entstehen.
Der ICD-10 beschreibt folgende typischen Symptome für eine Abhängigkeit: zwanghafter Drang zum Konsum, verminderte oder fehlende Kontrollfähigkeit des Konsums, Entzugssymptome,
Toleranzbildung (um die angestrebte Wirkung zu erreichen, braucht es immer mehr von einer bestimmten Substanz), Vernachlässigung anderer Interessen und Weiterführen des Konsums trotz bekannter schädlicher Folgen. Der DSM-5 zieht zudem Verhaltensabhängigkeiten mit ein: so beschreibt er Geldspielsucht als Abhängigkeit.
6 I Nationale Strategie Sucht 2017–2024 Entwurf, Version vom 07.05.2015