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Vernehmlassung 2015/18: Nationale Strategie Sucht · 31 Seiten
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3.4 Soziale und gesellschaftliche Folgen
Abhängigkeit hat für die Betroffenen neben den gesundheitlichen Auswirkungen auch markante soziale Folgen wie Arbeitslosigkeit, Fürsorgeabhängigkeit, Verschuldung oder – insbesondere im Fall der illegalen Drogen – instabile Wohnsituationen. Das gesundheitspolitische Problem Sucht ist eine sozialpolitische Herausforderung, welche die Akteure der öffentlichen Gesundheit und aus vielen weiteren Politikbereichen in die Verantwortung nimmt.
Weitere negative Folgen für die Gesellschaft entstehen durch Gewalttaten und Kriminalität im Zusammenhang mit psychoaktiven Substanzen, allen voran Alkohol, aber auch Gesetzes-
überschreitungen zur Finanzierung einer Sucht (Drogen, Geldspiel). Die direkten und indirekten Kosten von mehreren Milliarden Franken machen deutlich, wie hoch der gesellschaftliche Preis ist, der im Zusammenhang mit Abhängigkeit und Risikoverhalten für die Einzelnen und ihr Umfeld, das Gesundheitswesen, für die Wirtschaft und die Gesellschaft als Ganzes entsteht.
Die wichtigsten Zahlen im Überblick
Gemessen an der Gesamtbevölkerung sind abhängige Menschen eher arbeitslos oder fürsorgeabhängig, verschuldet oder verfügen – insbesondere im Fall der illegalen Drogen – über eine instabile Wohnsituation, wobei sich diese Faktoren gegenseitig bedingen und verstärken können. So sind bspw. 6.9% der Menschen, die wegen Alkohol Rat suchen und 5.4% wegen Opiaten, arbeitslos, im Vergleich zu einer Arbeitslosenrate in der Allgemeinbevölkerung von 3.1%. Dies zeigt, dass die Behandlung von Abhängigkeit, aber auch die Suchtprävention, nicht nur eine Sache der Betroffenen ist, sondern eine sozialpolitische Herausforderung darstellt. Weitere Problemkreise erschliessen sich mit Blick auf die Anzahl an Gewalttaten und die Kriminalitätsrate im Zusammenhang mit
psychoaktiven Substanzen, allen voran Alkohol, aber auch Drogen oder Geldspiel. So zeigt eine Studie zu Gewalt in der Partnerschaft und Alkohol, dass bei nahezu einer von zwei gewaltbetroffenen Frauen ein problematischer Alkoholkonsum in der Beziehung vorliegt.16
Die Behandlungsstatistiken zeigen deutlich, dass Abhängigkeit soziale Folgen mit sich bringt und bspw. mit einer erhöhten Gefahr einhergeht, arbeitslos oder sozialhilfeabhängig zu werden. Mehr als ein Fünftel der Menschen in Behandlung wegen Alkohol und gar mehr als ein Drittel jener mit
Opiatproblemen sind nicht auf dem Arbeitsmarkt aktiv, nur 41% (Alkohol) bzw. gar nur 23% (Opiate) gehen einer Vollzeitarbeit nach. Ebenso ist die Quote der Sozialhilfebezüger im Vergleich zur
Gesamtbevölkerung deutlich höher (16% bei Alkohol, 40% bei Opiaten, im Vergleich zu 3.1%). Bei illegalen Drogen zeigt sich zudem besonders häufig eine instabile Wohnsituation. Es gibt dabei je nach Substanz oder Verhalten Unterschiede. So sind Menschen, die in erster Linie Probleme mit Alkohol haben, in der Regel sozial besser integriert als Opiat- und Kokainabhängige, insbesondere in Bezug auf die Wohnsituation, die Einkommenssituation und den Erwerbsstatus. Ein weiterer
Unterschied besteht zu den Cannabis-Konsumierenden, die insbesondere auf Grund ihrer Jugend häufig zu Hause wohnen, in Ausbildung sind und von den Eltern finanziert werden.17 Ein zusätzliches Problem zeigt sich akzentuiert bei Geldspielabhängigen: Diese sind oftmals stark verschuldet. Vor einer Sperre für Casinos verspielten diese Menschen zwischen 2‘500 und 34‘000 Franken
monatlich.18
16 Gloor/Meier (2013): Gewalt in der Partnerschaft und Alkohol. i.A. BAG, Schinznach-Dorf.
17 act-info-Statistiken des BAG
18 Büro BASS 2004
17 I Nationale Strategie Sucht 2017–2024 Entwurf, Version vom 07.05.2015