Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2023/47: Änderung des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung IVG (Intensive Frühintervention bei frühkindlichem Autismus, IFI) · 21 Seiten

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60 Prozent der betreuten Kinder im Anschluss an eine IFI in die Regelschule integriert werden können. Meist braucht es eine integrative Förderung, doch diese Massnahme ist wesentlich kostengünstiger als der Besuch einer Sonderschule oder die Nichtein- schulung.23 Schätzungen zufolge schlagen die Betreuungskosten für eine erwachsene Person mit ASS in einem Heim über die gesamte Lebensspanne aktuell mit durch- schnittlich rund 15 Millionen Franken zu Buche. Somit sind erhebliche Einsparungen möglich, wenn ein Teil der Betroffenen dank IFI selbstständiger leben kann.24

Auf internationaler Ebene haben Studien gezeigt, dass durch intensive Frühinterven- tionen langfristig erhebliche Einsparungen erzielt werden können.25 Larsson26 schätzt, dass bei einem Kind, das eine intensive Frühintervention nach ABA (Applied Behavior Analysis) erhält, auf die gesamte Lebensdauer bezogen durchschnittliche Einsparungen von 1,6 Millionen Dollar möglich sind. Auch Peters-Scheffer & al.27 gehen von ähnlichen Zahlen aus: Demnach dürfte in den Niederlanden dank der in- tensiven Frühintervention ein Einsparpotenzial von 1,1 Millionen Euro pro Person zwischen 3 und 65 Jahren bestehen. In Australien ergab eine Kosten-Nutzen-Analyse der autismusspezifischen Frühförderung, dass für jeden in die intensive Frühförde- rung investierten Dollar ein Gegenwert von 6.16 Dollar und eine direkte Einsparung von 4.58 Dollar für das nationale Invaliditätsversicherungssystem erzielt wird28.

Es ist daher ökonomisch und ausgabenpolitisch sinnvoll, dass die IV die Kosten für die medizinischen Massnahmen im Rahmen der IFI übernimmt. Eine genaue Quanti- fizierung der Nettoentlastung für Kantone und IV ist indessen (noch) nicht möglich. Längerfristig dürfte die Evaluation der IFI eine solche Quantifizierung vereinfachen. Eine erste Evaluation wird 6 Jahre nach Inkrafttreten der vorliegenden Änderung er- folgen.

Finanziert wird die Evaluation von Kantonen und IV. Für den Aufbau der geplanten neuen Datenerhebung durch das BFS werden nach aktuellen Schätzungen Kosten in der Höhe von höchstens 60 000 Franken entstehen. Die Kosten für die jährliche Da- tenauswertung werden sich auf 15 000 bis 30 000 Franken belaufen. Sämtliche Kosten

23 Idem, S. 2, 14 und 15.

24 Bundesrat, Bericht Autismus-Spektrum-Störungen Massnahmen für die Verbesserung der Diagnostik, Behandlung und Begleitung von Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen in der Schweiz, Bern, 17. Oktober 2018, S. 45; Ch. Liesen, B. Krieger, H. Becker (2018), Evaluation der Wirksamkeit der intensiven Frühinterventionsmethoden bei frühkindlichem Autismus, Bericht im Rahmen des dritten mehrjährigen Forschungsprogramms zu Invalidität und Behinderung (FoP3-IV), Forschungsbericht Nr. 9/18, Zürich, ZHAW, März 2018, S. 77.

25 Ch. Liesen, B. Krieger, H. Becker (2018), Evaluation der Wirksamkeit der intensiven Frühinterventionsmethoden bei frühkindlichem Autismus, Bericht im Rahmen des dritten mehrjährigen Forschungsprogramms zu Invalidität und Behinderung (FoP3-IV), Forschungsbericht Nr. 9/18, Zürich, ZHAW, März 2018, S. 70.

26 T. Kopelman, S. Lindgren, Early autism intervention is cost effective (16312.pdf (iowa.gov)).

27 N. Peters-Scheffer, R. Didden, H. Korzilius, & J. Matson (2012), Cost comparison of early intensive behavioral intervention and treatment as usual for children with autism spectrum disorder in the Netherlands, Research in Developmental Disabilities, 33(6), 1763–1772.

28 L. Freya (2023), Autism specific interventions yield high long term returns: AEIOU, The Sector (thesector.com.au), 31. März 2023.