Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2017/32: Änderung der Eigenmittelverordnung (Leverage Ratio und Risikoverteilung) · 22 Seiten

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zur Änderung der Eigenmittelverordnung – Leverage Ratio und Risikoverteilung

Eine bessere Widerstandsfähigkeit von Banken reduziert die Gefahr von Bankenkrisen, die typischerweise mit hohen volkswirtschaftlichen Kosten verbundenen sind.48 Je höher die Eigenmittelausstattung einer Bank, desto grösser ist deren Verlusttragfähigkeit.49 Während der Nutzen in Form einer tieferen Wahrscheinlichkeit von Finanzkrisen für die Gesellschaft insgesamt anfällt, kann eine allfällige Erhöhung der Eigenmittel für eine Bank auch mit Kosten verbunden sein.

Einer Bank stehen grundsätzlich zwei Strategien zu einer allfälligen Erhöhung ihrer Leverage Ratio zur Verfügung, wobei auch Kombinationen dieser Strategien möglich sind: 1) Erhöhung des Eigenkapitals durch den Verzicht auf Gewinnausschüttungen oder eine Aktienkapitalerhöhung sowie 2) eine Reduktion des Gesamtengagements. Die genaue Strategie hängt von der Geschäftsstrategie der Bank insgesamt ab:

 Erhöhte Risikobereitschaft: Da die Anforderungen aus der Leverage Ratio auf die Begren-

zung der gesamthaft eingegangenen Risiken abgestimmt sind und deshalb keine Gewichtungen bezüglich einzelnen Risiken vorsehen, kann für Banken, deren risikogewichtete Kapitalanforderungen unter derjenigen der Leverage Ratio liegen, der Anreiz bestehen, risikoarme in risikobehaftetere Bilanzpositionen umzuschichten.50 Diese Reaktion würde zwar die Risiken in der Bilanz sowie die risikogewichteten Kapitalanforderungen der Bank erhöhen, hätte jedoch für die Bank keinen Einfluss auf die Höhe der Eigenmittel auf Basis der Leverage Ratio. Die Bank könnte hingegen ihre Rendite erhöhen, was aber bei zu exzessiver Risikonahme letztlich die Stabilität des Finanzsystems gefährden könnte, wenn dies bei einer systemrelevanten oder vielen übrigen Banken der Fall ist. Mehrere Studien haben sich mit dieser Kritik befasst, kommen jedoch zum Schluss, dass die erhöhte Verlustabsorptionsfähigkeit den Effekt der erhöhten Risikobereitschaft insgesamt stark überwiegt.51 Die Studie der Europäischen Zentralbank EZB zeigt, dass Banken, für die die Leverage Ratio bindend ist, ihre risikogewichteten Anlagen im Verhältnis zu den Gesamtaktiven um 1,5 bis 2 Prozentpunkte mehr erhöhen als sie dies ohne Vorgaben bezüglich Leverage Ratio tun würden. Dieser Erhöhung der Risikobereitschaft steht jedoch eine Erhöhung der Leverage Ratio um 0,5 bis 1 Prozentpunkte gegenüber, die vielfach bereits zum Zeitpunkt der Ankündigung der neuen Vorgaben erfolgt ist und die ohne die Einführung einer Leverage Ratio nicht erfolgt wäre. Diese Erhöhung des Eigenkapitals ist bedeutend grösser als die Erhöhung, die unter risikogewichteten Kapitalanforderungen nötig gewesen wäre, um den Anstieg der risikogewichteten Aktiven zu decken. Zudem ist zu beachten, dass eine höhere Risikobereitschaft wiederum die risikogewichteten Aktiven erhöht, so dass bald einmal wieder die risikogewichteten Kapitalanforderungen bindend werden.52,53

48 Vgl. Regulierungsfolgenabschätzung zu den Änderungen der Eigenmittelverordnung und der Bankenverordnung (Eigenmittelanforderungen Banken – Rekalibrierung TBTF und Kategorisierung) vom 11. Mai 2016, abrufbar unter https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/43952.pdf

49 Admati und Hellwig (2013) kritisieren die Basler Mindestvorgaben als zu tief und sprechen sich für eine um ein Mehrfaches höhere Leverage Ratio aus.

50 Da KMU-Krediten höhere Risikogewichte zugewiesen werden, würde dadurch der Anreiz steigen, Kredite an KMUs zu vergeben.

51 Die Studie der Bank of England (BoE) schätzt, dass eine permanente Reduktion der Krisenwahrscheinlichkeit um einen Prozentpunkt zu einer Erhöhung des Nettobarwerts des BIP im Rahmen von 4,5 Mrd. Britischen Pfund pro Jahr führt.

52 Eine zusätzliche Erkenntnis der European Banking Authority (EBA) ist, dass die Anwendung von unterschiedlichen Rechnungslegungsstandards keinen materiellen Einfluss auf die Berechnung der Leverage Ratio und die Vergleichbarkeit zwischen Ländern hat. Ein Level Playing Field sollte also trotz unterschiedlicher Rechnungslegungsstandards gewährleistet sein.

53 Da geliehenes Bargeld zwar die Leverage Ratio, nicht aber die risikogewichteten Kapitalanforderungen erhöht, hat die Leverage Ratio gemäss der BoE das Potenzial, das Volumen und die Liquidität des Geldmarktes zu reduzieren. Die BoE identifiziert diese auch als potenziellen Einflussfaktor des angestiegenen Spread zwischen dem Diskontsatz und den kurzfristigen Geldmarktzinsen. Zudem könne die geringere Liquidität am Geldmarkt die Liquidität der Anleihenmärkte reduzieren und somit die Aufnahme von Fremdkapital verteuern.