Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2007/49: Parlamentarische Initiative. Verbot von Pitbulls in der Schweiz (Vernehmlassung der Kommissionen für Wissenschaft, Bildung und Kultur WBK) · 21 Seiten

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2.6 Handlungsbedarf

2.6.1 Bissverletzungen

In der Schweiz leben rund eine halbe Million Hunde. Wie oft Menschen von ihnen gebissen werden, beruhte bisher auf Schätzungen. Seit dem 2. Mai 2006 ist eine obligatorische Meldepflicht von Beissunfällen in Kraft. Im März 2007 nahm das Bundesamt für Veterinärwesen eine erste Auswertung der von den Kantonen gesammelten Meldungen vor. In einem Zeitraum von vier Monaten (1. September bis 31. Dezember 2006) wurden 1 003 Bissverletzungen bei Menschen gemeldet. Hochgerechnet auf ein Jahr ergeben sich über 3'000 Vorfälle. Weil eine gewisse Dunkelziffer anzunehmen ist, muss tatsächlich von einer höheren Anzahl von Vorfällen ausgegangen werden. Zudem wurden in den vier Monaten 526 gebissene Tiere und 77 verhaltensauffällige Hunde gemeldet.

In zwei von drei Fällen kennt das Opfer den Hund, teilweise ist es gar sein eigener. Kinder sind besonders betroffen: Sie werden vergleichsweise häufiger gebissen als Erwachsene und dies oft am Hals oder am Kopf. Erwachsene dagegen werden in erster Linie an den Händen, den Armen und Beinen gebissen.

In die Beissvorfälle waren über 200 Hundetypen involviert. Mit den Schäfern und Sennenhunden sind jene Hundetypen am häufigsten vertreten, die auch in der gesamten Hundepopulation die häufigsten sind. Ob einige Hundetypen überdurchschnittlich oft beissen, lässt sich anhand der Daten des Bundesamts für Veterinärwesen nicht sagen.

Eine bereits im Jahr 2002 veröffentlichte Studie zu medizinisch versorgten Hundebissverletzungen in der Schweiz12 kam im Wesentlichen zu den gleichen Ergebnissen, zog jedoch zusätzlich den Schluss, dass Hunde vom Typ Schäfer und Rottweiler verglichen mit ihrer Häufigkeit in der Hundepopulation überdurchschnittlich oft beissen.

Auch im Kanton Neuenburg, wo seit dem 1. September 2001 eine Meldepflicht für Bissverletzungen herrscht, beissen Schäfer und Rottweiler gemessen an ihrer Vertretung in der Hundepopulation überdurchschnittlich häufig. Insgesamt waren im Kanton Neuenburg in den Jahren 2005 und 2006 nur 12 bzw. 11 Prozent der Bissverletzungen auf so genannte Kampfhunde (inklusive Rottweiler) zurückzuführen. 88 bzw. 89 Prozent der Hundebisse stammen von Tieren anderer Rassen oder Mischlingen.13

2.6.2 Vielfalt der kantonalen Regelungen

In den meisten Kantonen bestehen Vorschriften zur Verhütung von Verletzungen durch Hunde. Die angeordneten Massnahmen sind jedoch recht unterschiedlich (vgl. Ziff. 2.5). In Anbetracht der hohen Mobilität der Bevölkerung und damit auch der Hunde und der grossen Zahl ausländischer Touristen, die mit Hunden in die Schweiz

12 Horisberger Ursula: Medizinisch versorgte Hundebissverletzungen in der Schweiz; Opfer – Hunde – Unfallsituationen; Diss. med vet., Bern 2002.

13 Statistique 2006 des morsures de chiens dans le canton de Neuchâtel, Service vétérinaire cantonal, mars 2007.