Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2018/89: Multimodale Mobilitätsdienstleistungen · 26 Seiten
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Die EU und verschiedene europäische Länder passen ihre Rahmenbedingungen an
Auf internationaler Ebene geniesst die Nutzung des Potentials von multimodalen Mobilitätslösungen Priorität Die EU verfolgt das Ziel einer multimodalen, nahtlosen Tür-zu-Tür-Mobilität. Dazu soll ein intelligentes Verkehrssystem mit multimodalen Informatio nen und Qnline-Buchungsmöglichkeiten aufgebaut werden.1 Grundlage ist eine Richtlinie zur Einführung intelligenter Verkehrssys teme im Strassenverkehr und deren Schnittstellen zu anderen Verkehrsträgern aus dem Jahr 20102. Darin werden als vorrangige Massnahmen ua. EU-weite Reise-Informationsdienste sowie EU-weite Echtzeit-Verkehrsinformationsdienste definiert Die Richtli nie wurde im Jahre 2017 mit der delegierten Verordnung «Multimodale Reiseinfonnationsdienste»3 erweitert Diese sieht den schrittweisen Zugang zu den Reiseinformationen für öV, MIV und alle weiteren Mobilitätsanbieter vor. Statische und dynamische Daten sollen schrittweise und in standardisierter Form Über nationale Zugangspunkte (National Access Points, NAP) zugänglich gemacht werden Die Richtlinie verpflichtet die Staaten nicht solche Systeme einzufllhrem Tun sie dies aber, müssen sie den vorge gebenen Standards folgen. Für die Umsetzung hat die EU einen Leitfaden entwickelt. Ab 2023 soll jedes Land insbesondere für Strassen- und öV-Informationen einen NAP bereitstellen Die Europäische Kommission hat u.a. für die Eisenbahnuntemehmen Mindestvorschriften und einen Zeitplan festgelegt Erzielen die Unternehmen bis 2022 keine wesentlichen Fortschritte, soll reguliert werden
Finnland verfolgt mit seinen Bestrebungen bezüglich «Mobility as a Service» (MaaS) einen liberaleren Ansatz, hn Juli 2018 ist eine entsprechende Revision der Transportgesetzgebung in Kraft getreten.4 Ihr Fokus hegt auf der Bereitstellung von Mobilitätsdaten und offenen Vertriebssystemen, um gute Rahmenbedingungen für neue Mobilitätsdienstleistungen zu schaffen. Zugleich ist der Personen transport inkl. öV- und Taxidienstleistungen liberalisiert worden.
In Frankreich hat die Regierung im Juni 2018 das Vorhaben «libérer l’innovation au service des mobilités»5 lanciert, das auch An passungen der gesetzlichen Grundlagen beinhaltet. Das Programm soll Rahmenbedingungen schaffen, damit die Daten aller Mobili tätsanbieter zugänglich gemacht werden und die Vertriebssysteme jener Anbieter öffnen, die öffentliche Gelder erhalten.
Weitere Länder wie z.B. Österreich fördern multimodale Mobilität primär über den Weg da- Sensibilisierung, da- Koordination und der aktiven Unterstützung bei der Entwicklung von Anwendungen. Das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BVIT) finanziert aa die AustriaTech, ein gemeinwirtschaftiich orientiertes Unternehmen im Eigentum des Bundes, das seit Jahren öffentliche und private Anspruchsgruppen beim Transformationsprozess inhaltlich, technisch und organisatorisch unterstützt.
In Deutschland werden Massnahmor zur Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme ergriffen: Das Bundesministerium für Ver kehr und digitale Infrastruktur fördert die digitale Vernetzung von Verkehrsträgern mit 500 Mio. EUR. Städte, Gemeinden und Institutionen sollen dadurch ihre Verkehrssysteme effizienter und nachhaltiger gestalten körmen Die Förderung ist Teil des «Sofort programms Saubere Luft 2017-20».6
Diese Beispiele reflektieren die aktuelle Situation im Jahr 2018. Angesichts des raschen Fortschritts ist davon auszugehen, dass in dar nächsten Jahren in diesem Bereich weitere Entwicklungsschritte folgen werden
Alle Länder haben dabei ähnliche Grundsatzfragen wie z.B. die Rolle des Staats bei der Begleitung dieser Entwicklung zu beantwor ten Die Antworten fallen aber sehr unterschiedlich aus. Auch die Schweiz ist gefordert, Lösungen zu finden, die ihre spezifischen Anforderungen berücksichtigen. Ein blosses Übertragen von Lösungen aus anderen Ländern würde zu kurz greifen. Dennoch ist es wichtig, die Entwicklung auf internationaler Ebene aktiv zu verfolgen und daraus Erkenntnisse für die Schweiz abzuleiten.
In der Schweiz gibt es eine lange Tradition Verkehrsmittelübergreifender Zusammenarbeit
In der Schweiz wird bei der Bereitstellung aktueller Informationen zur Verkehrslage schon lange verkehrsmittelübergreifend zusammengeafbeitet. ViaSuisse stützt sich - mit Beteiligung von SRG, SBB und TCS - als etabhertes Kompetenzzentrum für Verkehrsinformationen stark auf Daten des Bundesamtes für Strassen (ASTRA) und der Kantone.
Im öV profitieren die Kunden vom Direkten Verkehr, einem Zusammenschluss von rund 250 öV-Untemehmen. Zug, Bus, Seilbah nen, Tram oder Schiffe bilden ein integriertes, nahtloses System. Egal, wie viele verschiedene öV-Untemehmen die Reisenden be fördern: Ein einziges Billett genügt Auch Abonnemente wie das General- oder Halbtax-Abo decken, ausser wenigen touristischai Linien, praktisch das gesamte Schweizer öV-Netz ab. Davon profitieren nicht nur die Kunden, sondern auch die öV-Untemehmen als Teil eines nationalen Vertriebssystems. Mit dieser gesetzlich vorgeschriebenen Zusammaiafbeit der öV-Untemehmen verfügt die Schweiz über eine einzigartige und wichtige Grundlage zur Umsetzung der multimodalen Mobilität Auch beim gegenseitigen Aus tausch von Mobilitätsinformationen hat die öV-Branche langjährige Erfahrung, beispielsweise bei Kundeninformationssystemen. Mit Park&Ride-Anlagen oder Taxi- und Mobility-Standplätzen an Bahnhöfen bestehen heute zudem bereits verschiedene Elemente für multimodale Angebote.
Heute ist der Zugang zu Daten und Vertriebssystemen eingeschränkt, was muftimodale Mobilität erschwert
Die Entwicklung von multimodalen Mobilitätsdienstleistungen mit digitalen Informations-, Réservations- oder Buchungssystemen über verschiedene Verkehrsmittel und Verkehrsmodi hinweg wird heute durch mangelnde Datenverfügbarkeit und isolierte Ver triebssysteme der verschiedenen Mobilitätsanbieter gehemmt.
Daten sind die Basis von multimodalen Mobilitätsdienstleistungen. Um sie anzubieten braucht es eine minimale Datenbasis - ein sog. Kemdaten-Set Es umfasst Geodäten, Betriebsdaten und Votriebsdaten der Mobilitätsanbieter. Geodäten sind räumliche Daten für Routeninformationen und Standortangaben wie z.B. Schienen- und Strassennetz, Haltestellen oder Standplätze von Sharing Fahrzeu gen. Unto- Betriebsdatoi werden zeitliche Daten für die Auskunft über die zu erwartende Reisezeit und Verfügbarkeit von Mobilitätsangeboten verstanden, z.B. Fahrpläne und Echtzeitdaten, Daten zur Strassenverkehrslage oder zu Baustellen, zur Verfügbarkeit
1 Entschliessung des Europäischen Parlaments vom 7. Juli 2015 zur Bereitstellung multimodaler integrierter Fahr- und Flugscheinsysteme in Europa (2014/2244(INI)).
2 Richtlinie 2010/40/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 7. Juli 2010 zum Rahmen für die Einführung intelligenter Verkehrssysteme im Straßenverkehr und für deren Schnittstellen zu anderen Verkehrsträgern, ABI L 207 vom 6.8.2010, S. 1.
3 Delegierte Verordnung (EU) 2017/1926 der Kommission vom 31. Mai 2017 zur Ergänzung der Richtlinie 2010/40/EU des Europäischen Parlaments und des Rates hinsichtlich der Bereitstellung EU-weiter multimodaler Reiseinfonnationsdienste; ABI. L 272 vom 21.10.2017, S. 1.
4 www.lvm.fi /act-on-transport-services.
5 www.ecologique-solidaire.gouv.fi-/fi-ench-mobility.
6 www.bmvi.de/ > Themen > Digitales > Sofortprogramm Saubere Luft.