Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2026/73: Pa.Iv. 18.434 Cybergrooming mit Minderjährigen endlich unter Strafe stellen · 29 Seiten

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Eine Expertenstudie von 2022 im Auftrag des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV) kam ebenfalls zum Schluss, dass Cyber-Sexualdelikte an Minderjährigen zunehmen. In dieser Studie wurde auch aufgezeigt, dass die Allgegenwart digitaler Tools zusätzliche Mittel und Möglichkeiten für böswillige Handlungen schafft und dass Kinder, die schon sehr früh (vor dem 10. Lebensjahr) Zugang zu digitalen Geräten und zum Internet haben, die Gefahren im Internet häufig nicht erkennen.29 Das Bundessstrafgericht hat festgehalten, dass das Internet pädokriminelle Aktivitäten vereinfacht und dass sich die Kontaktanbahnung und der Vertrauensaufbau durch die neuen Technologien wesentlich einfacher gestalten.30

Mit der seit 2010 durchgeführten Studie JAMES (Jugend, Aktivitäten, Medien – Erhebung Schweiz) werden alle zwei Jahre Daten von mehr als tausend in der Schweiz lebenden 12- bis 19-jährigen Jugendlichen zum Thema Nutzung audiovisueller Medien und Online-Erfahrung gesammelt.31 Gemäss dem Ergebnisbericht zur Studie von 2022 gab damals bereits die Hälfte der befragten Jugendlichen an, schon einmal von einer fremden Person online mit unerwünschten sexuellen Absichten angesprochen worden zu sein, und ein Drittel war schon mindestens einmal von einer fremden Person aufgefordert worden, erotische Fotos von sich zu verschicken.32 Im Jahr 2024 berichteten 36 % der Jugendlichen, dass sie mindestens einmal nach dem Aussehen ihres Körpers gefragt wurden, 33 % gaben an, dass Fremde über Sex reden wollten, 32 % wurden mit sexuellen Absichten angesprochen und 26 % wurden ermuntert, erotische Fotos zu schicken.33

Diese Zahlen zeigen einen deutlichen, kontinuierlichen Anstieg von Fällen sexueller Belästigung im Internet im Vergleich zur JAMES-Studie aus dem Jahr 2014, als 19 % der befragten Jugendlichen angaben, im Internet sexuelle Belästigung erlebt zu haben.34

Der Jahresbericht 2025 der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) bestätigt diesen Trend: Die polizeilich registrierten Fälle von Cybergrooming in der Schweiz haben 2025 gegenüber dem Vorjahr um 18 % zugenommen.35

Die parlamentarische Initiative 18.434 (Amherd) Bregy sowie die daraus folgenden Arbeiten der Kommission entsprechen somit dem Anliegen, den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor den zunehmenden Cyber-Sexualdelikten in einer immer digitaler geprägten Gesellschaft zu verstärken.

29 Caneppele et al., S. 65–66.

30 Beschluss des Bundesstrafgerichts BG.2017.34 vom 29. Dezember 2017, E. 4.2.

31 JAMES-Studie 2022, S. 5; JAMES-Studie 2024, S. 2.

32 JAMES-Studie 2022, S. 60.

33 JAMES-Studie 2024, S. 67.

34 JAMES-Studie 2022, S. 67; JAMES-Studie 2024, S. 67.

35 PKS, Jahresbericht 2025, S. 52.