Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2014/122: Direkter Gegenentwurf zur Volksinitiative «Für Ernährungssicherheit» · 25 Seiten

Fedlex · Erläuternder Bericht · Seite 14Fedlex · Erläuternder Bericht

ein Viertel des internationalen Durchschnitts. Rund zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche können aus topografischen oder klimatischen Gründen nur als Grünland genutzt werden.

3.3 Zukünftige Herausforderungen

Internationale Dimension

Das weitere Wachstum der Weltbevölkerung auf voraussichtlich 9,6 Milliarden Menschen im Jahr 2050 und der zunehmende Wohlstand, insbesondere in Schwellenländern, verbunden mit einem höheren durchschnittlichen Kalorienkonsum pro Kopf, verursacht unter anderem durch eine erhöhte Nachfrage nach Fleisch und Milchprodukten, bewirken eine starke Ausdehnung der Nachfrage.

Mit dem technischen Fortschritt (Zucht, effizientere Technologien und Produktionssysteme) und der Verbesserung des Knowhows wird die globale Produktion ebenfalls zunehmen. Das Angebot im Gleichschritt mit der wachsenden Nachfrage zu steigern, ist jedoch eine grosse Herausforderung. Landwirtschaftlich wichtige Produktionsmittel (z.B. Treibstoffe, mineralische Dünger) basieren auf nicht erneuerbaren Rohstoffen wie fossilen Energieträgern oder mineralischem Phosphor. Deren Abbau wird aufwendiger, was zu steigenden Preisen und einer Verteuerung landwirtschaftlicher Produktionsmittel führen könnte. Der für die Nahrungsmittelproduktion verfügbare Boden steht aufgrund der Bodendegradation, der Ausdehnung der Produktion von nachwachsenden Rohstoffen zur energetischen Nutzung sowie der Siedlungsentwicklung weiter unter Druck. Da eine Ausdehnung der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche fast nur durch die Abholzung von Wäldern möglich ist, muss die höhere Nachfrage nach Nahrungsmitteln primär durch höhere Erträge erreicht werden. Das grösste Potenzial für Produktivitätsverbesserungen haben Entwicklungs- und Schwellenländer, die ihr Ertragspotenzial zurzeit nur teilweise ausnutzen21. Eine nachhaltige Steigerung der Erträge ist aber eine grosse Herausforderung, da durch den Klimawandel in weiten Teilen der Welt die Verfügbarkeit von Wasser für die landwirtschaftliche Produktion sinkt und zudem der Druck von Schadorganismen steigt. Entsprechend sind erhöhte Anstrengungen im Bereich der Züchtung sowie der Entwicklung und Umsetzung angepasster Produktionssysteme (Fütterung, Düngung, Pflanzenschutz) nötig.

Die globale Versorgung mit Lebensmitteln wird aufgrund der steigenden Nachfrage und der begrenzten Möglichkeiten zur Ausdehnung des Angebots langfristig voraussichtlich schwieriger. Ausdruck der sich verstärkenden Knappheit an Lebensmitteln ist, dass seit der Jahrtausendwende der globale Lebensmittelpreisindex der FAO um rund 125 Prozent gestiegen ist. Zudem hat die Volatilität der Preise auf den Agrarmärkten in den letzten 20 Jahren zugenommen22. Das Preisniveau und die Preisvolatilität wirken sich unterschiedlich auf die Ernährungssicherheit aus. Hohe Preise wirken sich primär auf die Konsumentinnen und Konsumenten aus, da dadurch ihre Kaufkraft sinkt. Am stärksten betroffen davon sind insbesondere die ärmeren Bevölkerungsschichten in den urbanen Zentren. Im Gegenzug wirken sich hohe Preisvolatilitäten primär produktionsseitig aus, da aufgrund der hohen Unsicherheiten weniger in die landwirtschaftliche Produktion investiert wird und so das Produktionspotenzial nicht ausgeschöpft wird. Gemäss aktueller Prognose bleiben

21 Bruinsma, J. (2009): The resource outlook to 2050: by how much do land, water and crop yields need to increase by 2050? Rome, FAO.

22 FAO (2010): Food Outlook, November 2010