Ergebnisbericht

Vernehmlassung 2014/129: Strafgesetzbuch und Militärstrafgesetz (Umsetzung von Art. 123<i>c</i> BV) · 29 Seiten

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Die Bestimmungen dürften die Rechtsanwendung vor grosse Schwierigkeiten setzen.15 Auch die Gliederung und Systematik wird vereinzelt als zu kompliziert und unübersichtlich beurteilt.16

3. Ausnahmebestimmung bei der Anordnung (Variante 1)

Eine deutlich überwiegende Mehrheit der Teilnehmenden spricht sich für die generelle Ausnahmebestimmung gemäss Variante 1 aus. Diese erlaubt es dem Gericht, in leichten Fällen bestimmter Sexualstraftaten von einem zwingend lebenslänglichen Tätigkeitsverbot abzusehen (zur inhaltlichen Kritik der Bestimmung vgl. unten, IV. Ziff. 2.7).17

Der Gesetzgeber solle sich mit verfassungsrechtlichen Normwidersprüchen auseinandersetzen und diese Aufgabe nicht einfach den Gerichten überlassen.18 Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit sei die Grundlage für die Rechtfertigung jedes staatlichen Handelns. Er sei die tragende Säule für jeden Rechtsstaat und müsse bei der Einführung neuer Gesetze dadurch berücksichtigt werden, dass den Gerichten ein Ermessensspielraum eingeräumt werde, in welchem eine Einzelfallbetrachtung möglich sei.19

Die Ausnahmebestimmung ermögliche es dem Gericht, den Umständen des Einzelfalles Rechnung zu tragen,20 wodurch die Widersprüche der Volksinitiative zu rechtstaatlichen Grundprinzipien und dem Völkerrecht gemildert würden.21 Laut ICJ genüge allerdings auch die Ausnahmebestimmung den geltenden Strafzumessungsgrundsätzen nicht.

Es sei nicht gerechtfertigt, Sexualstraftaten mit vergleichsweise geringem Unrechtsgehalt in Bezug auf das zwingend lebenslange Tätigkeitsverbot mit schweren Sexualstraftaten gleichzusetzen.22

Die Ausnahmebestimmung trage auch der Intention der Initiantinnen und Initianten Rechnung, wonach leichte Fälle23 respektive Fälle von Jugendliebe nicht von der Volksinitiative erfasst würden;24 diese ziele auf pädophile Straftäter.25

Die Ausnahmebestimmung solle nur unter strengen Voraussetzungen zur Anwendung kommen.26 Damit werde sie laut KKJPD auf ein Mass beschränkt, die sicherstelle, dass den Grundanliegen von Artikel 123c BV Rechnung getragen werde.27 Bei schweren Sexualdelikten dürfe es jedoch keine Ausnahmen geben.28

SP weist darauf hin, dass auch die Ausnahmebestimmung gemäss Variante 1 nicht in allen Teilen grundrechtskonform sei und tendenziell Völkerrecht verletze. Sie fordert deshalb eine

15 BS, SBK.

16 SBK, ZH.

17 AI, AG, AR, AS, BS, BL, BE, CP, CURAVIVA, DJS, FDP, FR, GE, GL, GR, ICJ, INSOS, JS, JU, JUBLA, KS, KKJPD, KKPKS, LU, NE, NW, OW, PFADI, PBS, SAJV, SATUS, SAV, SBK, SFV, SG, SGB, SGFP, SH, SKG, SKI, SKLB, SO, SOA, SKJP, SSK, SSV, STV, SVBB, SVG, SVR, SWK, TG, TI, UNIGE, UNILS, UR, VD, VFG, VSP, ZG, ZH.

18 SG; ähnlich CURAVIVA, LU, SVBB, UNILS.

19 DJS; ähnlich FDP, UNIGE, UNILS.

20 BE, FDP, UR; ähnlich CP, DJS, JS, JUBLA, LU, OW, PFADI, SAJV, SATUS, SGV, SVBB.

21 BE, KS, JU, SG, SO, SFV, VD; ähnlich AS, BS, CP, CURAVIVA, FR, JUBLA, KKJPD, KKPKS, NE, NW, PBS, PFADI, SAJV, SATUS, SAV, SBK, SFV, SGB, SGV, SSK, SSV, STV, SVBB, SVR, TG, TI, UNILS, VSP, ZG.

22 ZG; ähnlich FR (bezüglich der Sanktionierung von schweren Straftaten in anderen Bereichen), SGV.

23 AG, FR.

24 OW, VD, SO; ähnlich JUBLA, KKJPD, KKPKS, PFADI, SAJV, SATUS, SFV, SGFP, STV, UNILS, UR.

25 OW.

26 SKI, SOA, TI.

27 Ähnlich AG.

28 FDP, KKPKS.