Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2015/53: Änderungen der Eigenmittelverordnung (ERV) und der Bankenverordnung (BankV) · 33 Seiten

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3 Überblick aktuelle Literatur

3.1 Nutzen und Kosten erhöhter Kapitalanforderungen

Nutzen

Der grösste Nutzen hoher Kapitalanforderungen ist eine verbesserte Widerstandskraft des Bankensektors und damit eine geringere Wahrscheinlichkeit von volkswirtschaftlich kostspieligen Bankenkrisen. Eine angemessene Widerstandskraft systemrelevanter Banken ist aufgrund ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung besonders wichtig.

Verschiedene empirische Studien zeigen, dass mit Bankenkrisen verbundene Wirtschaftskrisen generell mit hohen Wachstumseinbussen verbunden sind. Eine Studie des Basler Ausschusses (BCBS, 2010) schätzt die über die Jahre kumulierten Kosten einer solchen Krise je nach Annahme über deren Verlauf auf 19% bis 158% des Vorkrisen-Bruttoinlandsprodukts.8 Haldane (2010) veranschlagt die kumulierten Kosten der globalen Finanzkrise von 2007-2009 auf 90-350% des globalen Bruttoinlandprodukts (BIP). Kosten von Bankenkrisen können gerade für kleine, offene Volkswirtschaften mit einem grossen Bankensektor sehr hoch ausfallen. So haben aufgrund der jüngsten Wirtschaftskrise die Staatsverschuldungen von Irland und Island um über 70% des BIP zugenommen. Auch in der Schweiz sind die Kosten von mit Bankenkrisen verbundenen Wirtschaftskrisen typischerweise hoch. Dies bestätigt die auf einer langen historischen Zeitreihe basierende Studie von Junge und Kugler (2013). Gemäss dieser betragen die kumulierten Kosten einer solchen Krise für die Schweiz etwa 360% des BIP.

Die hier zitierten Studien kommen somit alle zum Schluss, dass die volkswirtschaftlichen Kosten einer Bankenkrise hoch sind und der volkswirtschaftliche Nutzen eines widerstandsfähigen Bankensektors damit gross ist. Die Spannweite der geschätzten Kosten ist jedoch beträchtlich. Eine wichtige Modellierungsannahme betrifft den Verlauf der Krise, insbesondere ob Bankenkrisen langanhaltende Auswirkungen (das BIP kehrt nicht wieder auf den Vorkrisen-Pfad zurück) oder vorübergehende Auswirkungen (das BIP kehrt nach einer gewissen Zeit auf den Vorkrisen-Pfad zurück) haben.

Die jüngste Bankenkrise zeigt eindrücklich langanhaltende Auswirkungen. Abbildung 3 beschreibt die Entwicklung des BIP von Spanien, welches von der Finanzkrise stark betroffen war und über einen bedeutenden Bankensektor verfügt. Sieben Jahre nach Beginn der Krise liegt das BIP hier immer noch deutlich unter dem Vorkrisen-Höchststand (ca. -5% des Q2 2008 BIP) und noch deutlicher unter dem Vorkrisen-Wachstumspfad9 (ca. -25% des Q2 2008 BIP). In den USA und der Schweiz sind die Konsequenzen weniger gravierend, doch auch hier ist eine deutliche Lücke zum Vorkrisen-Wachstumspfad feststellbar (ca. -8% des Q2 2008 BIP).10

Höhere Kapitalanforderungen korrigieren auch gewisse Fehlanreize (z.B. aufgrund von impliziten Staatsgarantien) und können dadurch die Vergabe von übermässig riskanten Krediten unterbinden, welche in der langen Frist das Wirtschaftswachstum beeinträchtigen. Dies hat positive Auswirkungen auf das Wachstumspotenzial einer Volkswirtschaft.11

8 Ähnlich wie bei einer Barwertberechnung für eine Investition werden bei der Kumulierung die Wachstumseinbussen diskontiert (Diskontfaktor 5%). Weit in der Zukunft liegende Wachstumseinbussen erhalten damit ein geringeres Gewicht als jene in der nahen Zukunft.

9 Der Vorkrisen-Wachstumspfad basiert auf den durchschnittlichen Wachstumsraten zwischen 1998- 2008.

10 Unter der Annahme, dass diese Lücke permanent bestehen bleibt, ergeben sich nach Methode des Basler Ausschusses (Diskontfaktor 5%) über die Jahre kumulierte Verluste von 500% des BIP für Spanien und 160% für die Schweiz und USA.

11 Vgl. Admati & Hellwig (2013).