Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2015/53: Änderungen der Eigenmittelverordnung (ERV) und der Bankenverordnung (BankV) · 33 Seiten
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fluss auf die von Investoren verlangten Risikoprämien hat. Damit wird der Anstieg der Refinanzierungskosten für Banken überschätzt.14 Zweitens wird angenommen, dass die unterstellten höheren Refinanzierungskosten zu hundert Prozent über eine Ausweitung der Zinsmarge an die Kreditnehmer weitergegeben werden. Damit wird die Konkurrenz von anderen Banken und anderen Finanzierungsformen für Unternehmen (z.B. Eigenfinanzierung und Kapitalmarkt) nicht berücksichtigt.
Länderspezifische Studien – unter anderem auch zur Schweiz – gelangen ebenfalls zum Schluss, dass die Auswirkungen von erhöhten Kapitalanforderungen auf die Kreditvergabe und die wirtschaftliche Gesamtleistung gering sind.15 Bezüglich der gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen der neuen TLAC-Anforderungen schätzt eine 2015 von BIZ und FSB verfasste Studie, dass deren Auswirkungen gering ausfallen dürften.16
Eine der wenigen Studien, welche vor erheblichen Kosten erhöhter Kapitalanforderungen warnt, ist jene des von international tätigen Banken betriebenen Institute of International Finance (IIF, 2011). Die gemäss IIF-Studie berechneten negativen Effekte auf das Wirtschaftswachstum sind etwa zwanzigmal grösser als jene der oben erwähnten MAG-Studie.17 Auch eine neue, von der UBS in Auftrag gegebene Studie warnt vor erheblichen Kosten erhöhter Kapitalanforderungen.18 Die geschätzten Auswirkungen auf die Kreditzinsen der Banken liegen dabei in einem ähnlichen Bereich wie bei der IIF-Studie.19
Die jüngsten Erfahrungen mit erhöhten Kapitalanforderungen stützen Befürchtungen über erhebliche Kosten nicht. Im Gegenteil, der ehemalige BIZ-Chefökonom und Leiter der MAG- Studien Stephen Cecchetti gelangt in einem kürzlich erschienen Papier selbstkritisch zum Schluss, dass selbst die MAG-Studien die Kosten erhöhter Kapitalanforderungen überschätzt haben und damit zu pessimistisch waren.20 Als mögliche Gründe nennt er sowohl die expansive Geldpolitik als auch, dass die sozialen Kosten erhöhter Kapitalanforderungen geringer
14Gemäss Modigliani und Miller (1958) hat die Kapitalstruktur einer Unternehmung unter bestimmten
Annahmen keinen Einfluss auf die Refinanzierungskosten einer Unternehmung. Bei einer geringeren Verschuldung fällt zudem das Risiko für Aktionäre. Damit vermindert sich auch die von Aktionären geforderte Eigenmittelrendite entsprechend, so dass die Refinanzierungskosten konstant bleiben. Kashyap et al. (2010) finden bei US-Banken empirische Unterstützung für das Modigliani-Miller-Theorem. Gemäss Kugler und Junge (2013) gibt es auch für Schweizer Banken Evidenz für einen starken (wenn auch nicht vollständigen) Modigliani-Miller-Effekt. Baker und Wurgler (2015) kommen hingegen zum Schluss, dass das Modigliani-Miller-Theorem in den USA verletzt wird. Auch hier ist der geschätzte Effekt auf die Refinanzierungskosten (6-9 Basispunkte für um einen Prozentpunkt höhere Kapitalanforderungen) jedoch deutlich geringer als in den Studien von MAG und BCBS (siehe auch Rochet, 2014 oder Martynova, 2015 für einen Vergleich). Wird durch höhere Kapitalanforderungen der Wert der implizite Staatsgarantie reduziert, steigen dadurch die privaten Kosten der Banken. Es entstehen jedoch keine volkswirtschaftlichen Kosten.
15Siehe Junge und Kugler (2013) für die Schweiz oder Miles et al. (2011) für das Vereinigte Königreich.
Junge & Kugler (2013) untersuchen die Auswirkungen einer Verdoppelung der Kapitalquoten der Grossbanken (in Bezug auf die Durchschnittswerte von 2006-10). Die Kapitalkosten für Firmen steigen dabei um 0.6-1.6 Basispunkte an und das jährliche BIP reduziert sich um ca. 0.05 %.
16Gemäss Schätzung fällt das jährliche BIP um 0.02%-0.07%.
17Gemäss der IIF-Studie ist das BIP in fortgeschrittenen Volkswirtschaften als Folge der Basel III-
Anforderungen zwischen 2011 und 2020 2% tiefer als ohne Anforderungen (Schweiz -2.9%), mit einem zwischenzeitlichen Tiefpunkt von -3.2% (Schweiz -3.7%). Die Kreditzinsen steigen dabei um 281 Basispunkte (Schweiz 40 Basispunkte). Die MAG-Studie (MAG, 2010b) geht bei einer achtjährigen Übergangsperiode davon aus, dass das BIP an deren Ende als Folge der Regulierung 0.1% tiefer ist, mit einem temporären Tiefpunkt von -0.15 % (ungewichteter Median). Die Kreditzinsen steigen dabei um ca. 15 Basispunkte an.
18Vgl. Bernardi, Perraudin & Yang (2015).
19Die Studien lassen sich aufgrund unterschiedlicher Methoden und Fragestellungen nicht genau ver-
gleichen. In Bernardi et al. (2015) wird jedoch auch ein Szenario untersucht, bei dem sich (wie in der IIF-Studie) die Kapitalanforderungen für Banken im Durchschnitt etwa verdoppeln. Der Anstieg der Kreditzinsen ist vergleichbar mit den IIF-Resultaten für die Schweiz.
20Vgl. Cecchetti (2014).