Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2015/53: Änderungen der Eigenmittelverordnung (ERV) und der Bankenverordnung (BankV) · 33 Seiten

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ausfallen als in den Studien angenommen. So stellt er fest, dass im Allgemeinen kein Anstieg der Zinsmargen und Kredit-Spreads oder eine restriktive Kreditvergabe zu beobachten war. Eine Ausnahme bildet in gewissen Aspekten die Eurozone, was der Autor auf die Staatsschuldenkrise und einen Schuldenüberhang („debt overhang“) im Bankensektor zurückführt.

Kosten-Nutzen-Bilanz

Aus der zitierten Literatur lässt sich insgesamt der Schluss ziehen, dass der Nutzen erhöhter Kapitalanforderungen die allfälligen Kosten klar übersteigt. Bankenkrisen verursachen grosse volkswirtschaftliche Schäden, wogegen bei einer angemessenen Übergangsphase die negativen Auswirkungen erhöhter Kapitalanforderungen auf das Wirtschaftswachstum sehr gering sind.

Verschiedene Studien ziehen auch eine explizite Kosten-Nutzen Bilanz. Diese ergibt sich aus Schätzungen der volkswirtschaftlichen Kosten von Bankenkrisen und der Auswirkungen höherer Kapitalanforderungen auf das Wirtschaftswachstum und der Wahrscheinlichkeit einer Bankenkrise. Gemäss BCBS (2010) ist der Nettonutzen erhöhter Kapitalanforderungen unter vorsichtigen Annahmen in einem breiten Bereich klar positiv.21 Junge & Kugler (2013) finden auch für die Schweiz, dass die Nettobilanz klar positiv ist.22 In Bezug auf die neuen TLAC-Anforderungen ist die Economic Impact Assessment Group der BIZ in einer Studie ebenfalls zum Schluss gekommen, dass der Nutzen dieser Anforderungen die Kosten klar übersteigt.

3.2 Historische Verlusterfahrungen und Abwicklungskosten

Verschiedene Studien haben historische Verluste von Banken in Krisen sowie die Abwicklungskosten bei einem Konkurs untersucht.

Bezüglich historischer Verlusterfahrungen zeigt eine Studie der Bank of England für eine Auswahl internationaler Grossbanken, dass die während der Finanzkrise erlittenen Verluste für einen Viertel der Banken 3% der Bilanzsumme überstiegen (Bank of England, 2014).

Eine 2015 erstellte Studie des FSB untersucht die historischen Verlusterfahrungen von 13 internationalen Grossbanken, die in der globalen Finanzkrise oder in der japanischen Bankenkrise der 1990er Jahre staatliche Unterstützung erhielten oder in Konkurs gingen. Die Going-Concern-Verluste (ohne staatliche Rekapitalisierungsmassnahmen) beliefen sich auf bis zu 5% der Gesamtbilanz bzw. auf bis zu 13% der RWA. Die Verlustspannweite zwischen dem

25. und dem 75. Perzentil beträgt dabei 1.7-4% der Gesamtbilanz bzw. 3.9-7.6% der RWA. Die Ermittlung der konkreten Verluste nach einer Krise ist mit Unsicherheit behaftet und hängt stark von der Methode, der betrachteten Auswahl, der betrachten Stichprobe und Zeitraum etc. ab. Die FSB-Studie betont, dass ihre Schätzungen die Verluste eher unterschätzen. So sind staatliche Garantien und Liquiditätshilfen nicht berücksichtigt, welche zu einer Begrenzung der Verluste beigetragen haben. Ausserdem veröffentlichten einige Institute ab einem gewissen Punkt keine Verluste mehr, da sie übernommen wurden oder in Konkurs gingen.

Bezüglich der Abwicklungskosten zeigt eine Studie mit Beteiligung der amerikanischen Einlagensicherung (Federal Deposit Insurance Corporation, FDIC) (Bennett and Unal, 2014), dass bereits die Abwicklung von kleineren und wenig komplexen Instituten sehr kostspielig sein kann. Bei mehr als tausend untersuchten Bankinsolvenzen belaufen sich die durchschnittlichen Kosten auf 21% der Bilanzsumme. Für grosse und komplexe internationale Banken dürften die Abwicklungskosten ebenfalls hoch ausfallen.23

21 Kumuliert man den Nettonutzen über die Jahre (Diskontfaktor 5%) liegt der Nettonutzen bei 2-6% des BIP.

22 Kumulierter Nettonutzen 12% des BIP.

23 Das einzige Beispiel für eine G-SIB, die abgewickelt werden musste ist Lehman Brothers. Gemäss FSB-Studie beliefen sich die Verluste im Konkurs auf etwa 33% der Gesamtbilanz bzw. 218 Mrd. USD.