Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2015/53: Änderungen der Eigenmittelverordnung (ERV) und der Bankenverordnung (BankV) · 33 Seiten
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Anforderungen von insgesamt 5% zu erfüllen, müssen die Grossbanken zusätzlich 1.5% AT1- Kapital in Form von High Trigger-CoCos oder CET1 ausweisen. Dazu müssen sie weiteres CET1-Kapital aufbauen (beispielsweise durch eine zurückhaltende Dividendenpolitik) oder High-Trigger-CoCos ausgeben. Hier beträgt der Kapitalbedarf der CS schätzungsweise 3.1 Mrd. Franken, bei der UBS 8.7 Mrd. Franken.40
Grossbanken müssen zusätzlich zu den erwähnten Kapitalanforderungen im Going-Concern auch Bail-in-Instrumente ausgeben, um die Gone-Concern-Anforderungen zu erfüllen. Die Menge des benötigten Gone-Concern-Kapitals kann nicht genau quantifiziert werden, da diese von den Rabatten sowie den angerechneten Low-Trigger-Cocos abhängt. Bei einem Gesamtengagement von gegen 1‘000 Mrd. CHF und einer 5% LR-Anforderung impliziert dies in einer Brutto-Sicht maximal gegen 50 Mrd. CHF Gone-Concern-Kapitalanforderungen vor allfälligen Rabatten. Ein Grossteil hiervon wird über die Jahre durch Ersatz von bestehenden Instrumenten wie insbesondere Senior Bonds durch Bail-in-Bonds erfüllt werden, wie etwa die UBS darstellte41. Bail-in Bonds dürften mit rund 35-50 Basispunkten relativ geringe Renditedifferenzen und damit Mehrkosten gegenüber Senior Bonds aufweisen. Bei Low-Trigger-Cocos liegt dieser Aufpreis bei rund 150-200 Basispunkten. Die verhältnismässig geringen Mehrkosten von Bail-in-Bonds sind auf verschiedene Faktoren zurückzuführen. So trägt zum Beispiel ein Bailin-Bond erst in einem Sanierungsverfahren Verluste und muss auch nicht zu 100% in Eigenkapital umgewandelt werden. Ausserdem beträgt die Mindestlaufzeit nur ein Jahr (gegenüber 5 Jahren bei Low-Trigger-Cocos).
Die internationale und nationale Wettbewerbsfähigkeit der Grossbanken sollte durch die erhöhten Kapitalanforderungen nicht negativ beeinträchtigt werden (vgl. Kapitel 4.1). Im Schweizer Geschäft sind die inlandorientierten Banken die Hauptkonkurrenten der Grossbanken. Diese operieren häufig mit Leverage-Ratios von über 6%. Die durchschnittliche Leverage-Ratio der inlandorientierten Banken betrug 6.7% per Ende 2014. Mit Bezug auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit zeigt der Vergleich in Kapitel 2, dass die Schweizer Anforderungen mit denjenigen relevanter Finanzplätze vergleichbar sind. So ist z.B. die Bilanzstruktur grosser amerikanischer Universalbanken (z.B. Bank of America, Citigroup oder JP Morgan) mit derjenigen der Schweizer Grossbanken insofern vergleichbar, als der Kreditanteil in der Bilanzsumme bei all diesen G-SIBs rund 30% beträgt. Die amerikanischen Grossbanken weisen jedoch bereits heute Leverage-Ratios von über 6% aus.
Auf die Kapitalkosten der Grossbanken können zwei gegenläufige Effekte der neuen Anforderungen festgestellt werden. Zum einen ist bei den Grossbanken mit einem gewissen Anstieg der gesamten Refinanzierungskosten (Fremd- und Eigenkapital) zu rechnen. Die TBTF-Regulierung trägt zu einer Reduktion der impliziten Staatsgarantie des Bundes bei. Damit wird eine implizite Subvention reduziert, wodurch den Banken private (also betriebswirtschaftliche) Kosten entstehen. Diese Kosten können sich beispielsweise in höheren Risikoprämien auf Schulden äussern, was durchaus volkswirtschaftlich erwünscht ist. Es werden so externe Kosten internalisiert und vom Steuerzahler zu Banken und Obligationären verschoben. Zum anderen sinkt mit der verbesserten Kapitalisierung der Grossbanken das Risiko für Aktionäre bzw. Eigentümer. Aufgrund des geringeren Risikos ist daher zu erwarten, dass die von den Aktionären verlangte Eigenkapitalrendite und damit die Eigenkapitalkosten sinken.
Ankündigungseffekte auf die Aktienpreise von UBS und CS
Die kurzfristigen Effekte auf die Aktienpreise von UBS und CS der nach Börsenschluss erfolgten Ankündigung des Bundesratsbeschlusses vom 21. Oktober 2015 können insgesamt als
40 In den Schätzungen berücksichtigt sind die Grandfathering Lösungen für Tier 1 LT-Cocos sowie Tier
2 HT Cocos.
41 Vgl. UBS Q3 2015 Präsentation “Third quarter 2015 results“, 3. November 2015 https://www.ubs.com/global/de/about_ubs/investor_relations/presentations/2015/_jcr_content/par/table.764038501.file/dGFibGVUZXh0PS9jb250ZW50L2RhbS9zdGF0aWMvcXVhcnRlcmx pZXMvMjAxNS8zcTE1LzNxMTUtcmVzdWx0cy1wcmVzZW50YXRpb24ucGRm/3q15-resultspresentation.pdf (23. November 2015)