Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2015/53: Änderungen der Eigenmittelverordnung (ERV) und der Bankenverordnung (BankV) · 33 Seiten
Fedlex · Erläuternder Bericht · Seite 16Fedlex · Erläuternder Bericht
3.3 Schätzungen zum Wert der impliziten Staatsgarantie
Verschiedene Studien kommen zum Schluss, dass eine implizite Staatsgarantie für systemrelevante Banken und damit verbundene Subventionen nach wie vor bestehen. Bei der Bezifferung des exakten Wertes der Staatsgarantie bestehen allerdings erhebliche Unterschiede.
Der Wert der TBTF-Subvention variiert über die Zeit und ist in Zeiten grosser Unsicherheit am höchsten, da die Unterstützung dann am wahrscheinlichsten ist. Der IWF gelangt in seiner 2014 erschienen Studie zum Schluss, dass der Wert der Staatsgarantie je nach Schätzmethode für G-SIBs in normalen Zeiten in der Schweiz zwischen 5-18 Mrd. CHF pro Jahr (Ratingbasierter Ansatz) betragen. Im Nachgang der Finanzkrise 2007/2008 stieg der Wert der Staatsgarantie gar auf bis zu 45 Mrd. CHF pro Jahr (nach Eventualforderungsansatz oder contingent claims analysis approach). Eine Studie des Swiss Finance Institute (Haefeli und Jüttner, 2010) kommt unter Verwendung eines Optionspreismodells zum Schluss, dass der Wert der Staatsgarantie im Krisenjahr für die beiden Grossbanken insgesamt 34 Mrd. CHF betragen hat. Eine neue Studie der OECD24 schätzt, dass der Wert der impliziten Staatsgarantie für die Schweizer Grossbanken in den letzten Jahren insgesamt etwa 3.5 - 6.5 Mrd. CHF pro Jahr betragen hat. Schliesslich kommt ein IWF-Arbeitspapier (Arslanalp und Liao, 2015) zum Schluss, dass in der Schweiz das Niveau der Eventualverpflichtungen des Staates (contigent liabilities) gegenüber Banken im Vergleich zur Wirtschaftskraft im internationalen Vergleich hoch ist.
Kreditratings von Moody’s und Standard & Poor’s (S&P) zeigen ebenfalls, dass das TBTF-Problem noch nicht gelöst ist. Diese Ratings beinhalten nach wie vor die Erwartung staatlicher Unterstützung. Die Anstrengungen zur Lösung der „Too-big-to-fail“-Problematik zeigen jedoch bereits Wirkung: Alle grossen Ratingagenturen haben den aus staatlicher Unterstützung resultierenden Ratingvorteil von global tätigen Grossbanken gesenkt oder sind dabei, ihn zu senken.25 Diese Entwicklung widerspiegelt insbesondere die strengeren Auflagen für Behörden bezüglich der Verwendung öffentlicher Mittel für die Rettung von Banken sowie die verbesserte Abwicklungsfähigkeit (resolvability) der Banken.26
24 Vgl. Schich, Bijlsma & Mocking (2014)
25 So senkte z.B. Moody’s kürzlich diesen Ratingvorteil für die meisten international tätigen Banken. Siehe Moody’s Investor Service, «Moody’s concludes reviews on 13 global investment banks’ ratings», 28. Mai 2015. Für S&P siehe z.B. «S&P Takes Various Rating Actions On Certain U.K., German, Austrian, And Swiss Banks Following Government Support Review», 3. Februar 2015.
26 In den USA geschieht dies im Rahmen der Dodd-Frank-Regulierung, in der EU im Rahmen der Bankenabwicklungsrichtlinie (BRRD).