Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2020/6: Änderung der Verordnung über die Krankenversicherung (KVV), der Verordnung über die Kostenermittlung und die Leistungserfassung durch Spitäler, Geburtshäuser und Pflegeheime in der Krankenversicherung (VKL) sowie die Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) · 26 Seiten
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Vorausplanung (Advance Care Planning; ACP)16 angewendet wird. Die Einführung von institutionsinternen Massnahmen zur Reduktion von behandlungsbedingten Infektionen ist häufig auch eine Frage der personellen Ressourcen. Da diese Infektionen die dritte Gruppe der unerwünschten Ereignisse bilden, muss geprüft werden, ob die Personaldotation (Fachexperten für Infektionsprävention und – bekämpfung) den nationalen und internationalen Referenznormen zu entsprechenden Personalschlüsseln entspricht.
Flächendeckende nationale Qualitätsmessungen sind wichtig, denn damit wird die gesamtschweizerische Vergleichbarkeit der Indikatoren gewährleistet. Die Teilnahme an den Messungen wird nach Absatz 3 Buchstabe b geprüft.
Eine Sicherheitskultur, in welcher nicht die einzelne Person für Fehler getadelt wird, sondern die Organisation für die Sicherheit verantwortlich ist17, stellt eine der Voraussetzungen für nachhaltige Verbesserungen bei der Patientensicherheit dar. Daher beurteilt der Kanton nach Absatz 3 Buchstabe c die Resultate von standardisierten Messungen der Sicherheitskultur. Ein entsprechendes Instrument wurde bereits am Universitätsspital Zürich eingesetzt. Dort wurden die eingeführten Standards zur Optimierung der Patientensicherheit durch Vermeidung von Seiten-, Patienten- und Prozedurenverwechslungen mit einer Befragung zur Sicherheitskultur überprüft18. Fehler- und Schadensmeldesysteme unterstützen die Spitäler bei der Verbesserung der Qualität der Leistungserbringung. Nach Absatz 3 Buchstabe c wird beurteilt, ob das Spital ein Fehler- und Schadensmeldesystem nutzt, ob es an systematischen Auswertungen teilnimmt und ob es an einem gesamtschweizerisch einheitlichen Reporting-Netzwerk angeschlossen ist. Erkenntnisse aus den Analysen der Fehler- und Schadensmeldungen (Quick-Alerts) können für die Umsetzung von Verbesserungsmassnahmen zur Verhinderung von Fehlern oder nach dem Auftreten von Fehlern genutzt werden. Verbesserungsmassnahmen können zudem auf den Resultaten der schweizweiten Messungen aufgebaut werden. Die besten Resultate (vorzugsweise das oberste Quartil) aus den Messungen dienen als Ausgangswerte (Minimalstandards) für die Qualitätsverbesserung.
Nach Absatz 3 Buchstabe d prüft der Kanton, ob ein zweckmässiges Qualitätsmanagementsystem betrieben wird. Zweckmässig soll das System insbesondere dahingehend sein, dass es der Grösse des Leistungserbringers und der Komplexität der Leistungserbringung angepasst ist. Dieses System soll einen verbindlichen, strukturierten und nachhaltigen Verbesserungsprozess sicherstellen. Es soll sich an einem Regelkreissystem wie z.B. dem Plan-Do-Check-Act-Zyklus (PDCA-Zyklus) orientieren und damit folgende Prozessschritte in einen sich wiederholenden Managementkreislauf bringen: Qualitätsmessungen, Vergleich mittels Benchmarking, verbindliche Umsetzung von Verbesserungsmassnahmen, Publikation und Berichterstattung. Das Qualitätsmanagementsystem stellt mindestens sicher, dass die für die Gesundheitsergebnisse relevanten Aufgaben in einem Kreislauf erfasst und systematisch geplant, durchgeführt, auf Einhaltung und Wirkung überprüft und bei Notwendigkeit angepasst werden. Die wiederholte Anwendung (Iteration) erlaubt Massnahmen zur Qualitätsentwicklung als neue Minimalstandards zu definieren.
Messresultate, die diesen Ansprüchen genügen, sind die Qualitätsindikatoren der Schweizer Akutspitäler (Swiss Inpatient Quality Indicators, CH-IQI).19 Sie können als Grundlage genutzt werden.
Nach Absatz 3 Buchstabe e prüft der Kanton, ob die Spitäler diejenigen Standards erfüllen, die nationale und internationale Fachgremien (wie die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften,
16 Koordinierte Versorgung für (hoch-)betagte, multimorbide Patientinnen und Patienten, BAG-Bulletin – Informationsmagazin für medizinische Fachpersonen und Medienschaffende, 18/2018. Abrufbar unter: https://www.bag.admin.ch > Das BAG > Publikationen > Periodika > BAG-Bulletin (Stand: 31. Juli 2019).
17 Leape, Lucian / Berwick, Donald / Clancy, Carolyn / Conway, James / Gluck, Paul / Guest, James / Lawrence, David / Morath, Julianne / O’Leary, Dennis / O’Neill, Paul / Pinakiewicz, Diane / Isaac, Thomas: Transforming healthcare: a safety imperative, Journal of Quality and Safety in Health Care (2009) 18: S. 424–428.
18 Van Vegten, Amanda / Pfeiffer, Yvonne / Giuliani, Francesca / Manser, Tanja: Patientensicherheitsklima im Spital: Erfahrungen mit der Planung, Organisation und Durchführung einer Mitarbeitervollbefragung; Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen (ZEFQ) (2011) 105: S. 734–742.
19 Qualitätsindikatoren Dokumentation: Bundesamt für Gesundheit, 2019. Abrufbar unter: https://www.bag.admin.ch > Zahlen & Statistiken > Spitäler: Zahlen & Fakten > Qualitätsindikatoren der Schweizer Akutspitäler > Qualitätsindikatoren Dokumentation (Stand: 31. Juli 2019).