Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2022/10: 16.504 n Pa. Iv. Giezendanner. Sicherstellung der Blutversorgung und Unentgeltlichkeit der Blutspende · 26 Seiten
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Seither ist in Europa, Nordamerika und Australien, basierend auf nationalen Risikobeurteilungen anhand des aktuellen medizinisch-technischen Standes und der konkreten epidemiologischen Situation, ein allgemeiner Trend zu erkennen hin zu einer schrittweisen Reduktion oder Abschaffung der spezifischen Rückweisungsfristen für MSM. Im internationalen Vergleich präsentieren sich die Regeln betreffend Rückweisung von MSM wie folgt (in Klammern das Jahr der Einführung, sofern verfügbar):21
- Keine Rückweisung22: Albanien, Bulgarien, Island, Israel (2021), Italien (2000),
Lettland, Litauen (ab Mai 2022), Polen (2005), Portugal (2010), Russland, Spanien (2001), Ukraine, Ungarn (2020); ebenso eine Reihe lateinamerikanischer Länder (u.a. Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Costa Rica, Kolumbien, Mexiko, Peru) sowie Südafrika
- 3 Monate nach letztem MSM-Kontakt: Vereinigtes Königreich (2017-2021), Ka-
nada (2019), USA (2020), Nordirland (2020), Australien (2021)
- 4 Monate nach letztem MSM-Kontakt: Dänemark und Grönland, Finnland,
Frankreich (alle 2020), Irland (ab März 2022), Niederlande (2020-2021), Österreich (2021)
- 6 Monate nach letztem MSM-Kontakt: Tschechien (2007), Schweden (2021),
Serbien
- 12 Monate nach letztem MSM-Kontakt: Irland (2017-2022), Schweiz (2017), Slo-
wakei (2020), Slowenien (2020)
In den letzten Jahren sind in verschiedenen Ländern Erfahrungen mit den geänderten Spenderauswahlkriterien veröffentlicht worden. Demnach zeigten sich in Ländern, in denen der Ausschluss von MSM in eine zeitlich befristete Rückweisung von 12 Monaten geändert wurde, keine Zunahme der HIV-Infektionen unter Spendern. Kürzere
21 Siehe hierzu und im Weiteren die Publikationen «Blutspende von Personen mit sexuellem Risikoverhalten – Darstellung des aktuellen Standes der medizinischen Wissenschaft», Stand 26.05.2021 (Beratungsergebnis der gemeinsamen Arbeitsgruppe von Bundesärztekammer, Bundesgesundheitsministerium und zuständigen Bundesoberbehörden Deutschlands), S. 8 ff., abrufbar unter www.bundesaerztekammer.de > in Suche Titel eingeben; Wissenschaftlicher Dienst des Deutschen Bundestages, Blutspende von homo-, bi- und transsexuellen Männern (MSM) in ausgewählten Ländern, 27.05.2020, abrufbar unter www.bundestag.de > Dokumente > Gutachten und Ausarbeitungen; vgl. auch «Blood donation restrictions on men who have sex with men», abrufbar unter www.en.wikipedia.org
22 Im Rahmen einer sog. «individuellen Risikobewertung» wird das Sexualverhalten im Sinne einer Risikostratifizierung mitunter zwar nach Gruppen kategorisiert (z.B. in Italien und Spanien). Allgemein wird dennoch von einer «individuellen Risikobewertung» gesprochen, da im konkreten Einzelfall jeweils mehrere gruppenbezogene Parameter betrachtet werden.