Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2010/144: Parlamentarische Initiative 07.419. Verfassungsbasis für eine umfassende Familienpolitik · 24 Seiten
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Elternteile einer Erwerbsarbeit nachkommen. Sie sind deshalb besonders auf Massnahmen zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit angewiesen.
Die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit hängt von zahlreichen Faktoren wie flexible Arbeitszeitgestaltung, einheitliche Stundenpläne etc. ab. Die vordringlichste Massnahme in der Schweiz ist jedoch die Bereitstellung eines bedarfsgerechten Angebots an familien- und schulergänzenden Tagesstrukturen.
4.2 Bedarf an familien- und schulergänzenden Tagesstrukturen
Die Anzahl der Kindertagesstätten wurde in den letzten Jahren stark ausgebaut und stieg von 478 im Jahr 1985 auf 1337 im Jahr 2005. Die Anstossfinanzierung des Bundes half, seit 2003 10 478 Plätze in Kindertagesstätten und 9 154 Plätze in der schulergänzenden Betreuung zu schaffen.38 Dennoch ist die Nachfrage bei weitem grösser als das Angebot. Eine Studie im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms 52 aus dem Jahr 2005 geht davon aus, dass im Schweizerischen Durchschnitt rund 13% der 0-4 jährigen Kinder institutionell betreut sind. Gemäss Schätzungen der Studie würden jedoch rund 47% der Schweizer Kinder im Vorschulalter eine institutionelle familienergänzende Betreuung nachfragen. Dies bedeutet, dass in der Schweiz für rund 120 000 Kinder Betreuungsangebote fehlen.39
Die EKFF hält 2008 fest, dass rund drei Viertel aller Eltern mit Kindern unter 12 Jahren in der Betreuung ihrer Kinder auf die private Unterstützung durch Grosseltern, Verwandte oder Nachbarn und Nachbarinnen angewiesen sind. Gemäss Schätzungen nutzen nur gerade 26% aller Haushalte mit mindestens einem Kind unter 15 Jahren Krippen und Horte; weitere 15% nehmen Tagesmütter oder -familien in Anspruch. 6,5% der Haushalte, in denen das jüngste Kind jünger als sechs Jahre alt ist, verfügen über keine organisierte Betreuung. Rund 40% der Kinder zwischen sieben und 14 Jahre sind zu Hause unbeaufsichtigt.40
Die Schweiz schneidet damit im internationalen Vergleich schlecht ab. Gemäss einer OECD-Studie aus dem Jahr 2004 gehört die Schweiz bezüglich der Betreuung von Kindern bis zum Alter von vier Jahren zu den schwächsten OECD-Ländern. Lediglich 0,2% des Bruttoinlandproduktes werden für Kinderbetreuungseinrichtungen ausgegeben. In Österreich sind es dreimal soviel, in Dänemark sogar zehnmal.41
Massnahmen zur Verbesserung des Angebots an familien- und schulergänzenden Tagesstrukturen werden deshalb seit Jahren von verschiedensten politischen Akteuren gefordert: Die Diskussion von fünf parlamentarischen Initiativen in der WBK-NR ergab, dass für eine grosse Mehrheit der Kommission ein Bedarf nach
38 Familien in der Schweiz. Statistischer Bericht 2008. Bundesamt für Statistik, 2008.
39 Familienergänzende Kinderbetreuung in der Schweiz: aktuelle und zukünftige Nachfragepotenziale. Wissenschaftlicher Bericht, Zürich 28. April 2005
40 Familien- und schulergänzende Kinderbetreuung. Eine Bestandesaufnahme der Eidgenössischen Koordinationskommission für Familienfragen EKFF, 2008, S. 33 ff.
41 OECD: Babies and Bosses. Reconciling Work and Family Life: New Zealand, Portugal and Switzerland, Volume 3, Paris 2004.