Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2012/129: Änderung des Gentechnikgesetzes (Berücksichtigung der Ergebnisse des NFP 59 und GVO-freie Gebiete) und Koexistenzverordnung · 21 Seiten

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wusst verzichtet, weil die heute existierenden gentechnisch veränderten Rapssorten unter Berücksichtigung der schweizerischen landwirtschaftlichen Verhältnissen und Umweltgegebenheiten nicht bewilligungsfähig sind. Es wurde auch berücksichtigt, dass es in der Schweiz wilde Pflanzen gibt, welche mit Raps auskreuzen können. Dies gilt weder für Mais, Kartoffeln noch für Zuckerrüben. Im Fall von Weizen wurde die Möglichkeit von Auskreuzungen mit Walchgräsern (Aegilops spp.) im Rahmen des NFP 59 untersucht (Arrigo et al., 2011)10. Die Möglichkeit einer Auskreuzung besteht. Allerdings gibt es nur sehr wenige Aegilops Populationen in der Schweiz, nämlich in den Kantonen Tessin, Wallis und Basel-Stadt. Der Bewilligungsinhaber soll dies für die Erstellung der Anweisungen berücksichtigen.

Mais

Mais ist die einzige Art in dieser Liste, für welche der Pollenflug berücksichtigt werden muss. Aus diesem Grund ist der wissenschaftlich ermittelte Abstand grösser als für die anderen vier Kulturarten. Eine Studie (Riesgo et al., 2010)11 belegt, dass 50 Meter Abstand in 98.5 % aller Fälle eine so tiefe Auskreuzungsrate gewährleistet, dass das Erntegut unter dem Kennzeichnungsschwellenwert bleibt. Dieselbe Studie kommt zum Schluss, dass ein Abstand von 100 Meter in 99.96 % aller Fälle garantiert, dass eventuelle Vermischungen im Erntegut unterhalb des Kennzeichnungsschwellenwert bleiben. Ein Isolationsabstand von 50 Metern für Mais wird auch von Sanvido und Kollegen (2008)12 vorgeschlagen sowie vom europäischen Koexistenzbüro (ECoB) im „best practice document“ von 2010 empfohlen13.

Soja, Kartoffeln und Weizen sind in der Regel selbstbestäubend, aus diesem Grund sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Fremdbestäubung schon bei einem Isolationsabstand von nur 6 Metern massiv. Das Risiko von Vermischungen auf benachbarten Parzellen geht für Soja, Kartoffeln, Weizen und Zuckerrüben eher von Verlusten während der Aussaat oder der Ernte aus als vom Pollenflug.

Zuckerrüben

Wenn sie zur Blüte kommen, werden Zuckerrüben durch den Wind oder von Insekten bestäubt. Sie sollten jedoch auf dem Feld gar nie zur Blüte kommen. Das ist bereits heute so in der guten landwirtschaftlichen Praxis etabliert, ohne, dass gentechnisch veränderte Zuckerrüben angebaut werden. Zuckerrübenschosser, die ausnahmsweise schon im ersten Jahr auftreten können, müssen entfernt werden (siehe Änderungen im Anhang der Vermehrungsmaterial-Verordnung). Werden Schosser nicht entfernt, können diese zur Blüte kommen. Rübenpollen können - vorzugsweise durch den Wind - zu Fremdbestäubungen führen. Dadurch kann die Produktion von Rüben ohne Gentechnologie auf benachbarten Flächen gefährdet werden.

Kartoffeln

Wie bei der Zuckerrübe wird auch bei den Kartoffeln ein Pflanzenorgan geerntet, welches nicht aus einer Bestäubung resultiert. Somit ist ausgeschlossen, dass Kartoffeln zwischen benachbarten Feldern auskreuzen und „hybride“ Kartoffeln geerntet werden. Dennoch können Pollen ausnahmsweise über Wind oder Insekten transportiert werden und eine andere Blüte befruchten. Aus dieser Befruchtung entstehen beerenartige Früchte. Die Früchte der Kartoffeln enthalten Samen, die mehrere Jahre keimfähig sind. Um zu verhindern, dass aus einer solchen Frucht im Folgejahr eine Hybridkartoffelpflanze wächst, müssen zusätzlich zum Isolationsabstand noch zwei weitere Grundregeln, die bereits für den Anbau von konventionellen Kartoffeln gelten, eingehalten werden: der Anbau von konventionellen oder gentechnisch veränderten Kartoffeln ist in den beiden Folgejahren untersagt und die Fläche muss in den Folgejahren auf möglichen Durchwuchs, der fachgerecht beseitigt werden muss,

10 Arrigo, N., Guadagnuolo, R., Lappe, S., Pasche, S., Parisod, C., Felber, F., 2011, Gene flow between wheat and wild relatives: empirical evidence from Aegilops geniculata, Ae. neglecta and Ae. triuncialis, Evolutionary Applications, 4: 685-695

11 Riesgo, L., Areal, F. J. , Sanvido O. , Rodriguez-Cerezo, E., 2010, Distances needed to limit cross-fertilization between GM and conventional maize in Europe, Nat. Biotechnol., 28: 780-782

12 Sanvido, O., Widmer, F., Winzeler, M., Streit, B., Szerecsits, E., Bigler, F., 2008, Definition and feasibility of isolation distances for transgenic maize cultivation,Transgenic Res., 17: 317-335

13 http://ecob.jrc.ec.europa.eu/documents/Maize.pdf 14/21 Aktenzeichen / Referenz: bud / 2012-12-21/232