Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2012/129: Änderung des Gentechnikgesetzes (Berücksichtigung der Ergebnisse des NFP 59 und GVO-freie Gebiete) und Koexistenzverordnung · 21 Seiten

Fedlex · Erläuternder Bericht · Seite 5Fedlex · Erläuternder Bericht

4.3 Volkswirtschaftliche Auswirkungen

Damit beim gleichzeitigen Anbau von gentechnisch verändertem und konventionellem Vermehrungsmaterial keine Vermischungen auftreten, wird eine strenge Warenflusstrennung verlangt. Wie diese auf der ganzen Handelskette bewerkstelligt werden kann, muss die jeweilige Branche entscheiden. Können die Vorschriften nur mit einer vollständigen Trennung der Warenflüsse eingehalten werden, werden nur spezialisierte Betriebe, beispielsweise Sammelstellen, welche nicht mit konventionellen Erntegütern handeln, gentechnisch veränderte Produkte verarbeiten können. Für kleine Mengen dürfte dies kaum lohnend sein. Die Warenflusstrennung wird strukturelle Anpassungen und Kosten verursachen. Dieser Aufwand wird nur in Kauf genommen werden, wenn das gentechnisch veränderte Vermehrungsmaterial einen Vorteil gegenüber konventionellen Sorten bringt. Dieser Vorteil (z.B. Mehrertrag, Minderverbrauch an Pflanzenschutzmitteln, weniger Zeitaufwand für die Pflege der Kultur) dürfte sich kostensenkend auswirken, so dass die Konsumentinnen und Konsumenten nicht mit einem erhöhten Preis für GVO-Produkte im Vergleich zu konventionellen Produkten zu rechnen haben.

Es soll jedoch beachtet werden, dass die Warenflusskette sehr kurz sein kann. Beispielsweise wenn ein Landwirte gentechnisch veränderten Mais anbaut, diesen auf seinem Hof direkt verfüttert, und keine Geräte benutzt, die auch von nicht GVO Produzenten verwendet werden. Wenn die Warenflusskette so kurz ist, führt dies weder zu Maßnahmen zur Warenflusstrennung noch zu Mehrkosten in der Produktionskette.

Die ökonomischen Konsequenzen für Landwirte, die gentechnisch veränderte Kulturarten anbauen, hängen sehr stark mit den vorgeschriebenen Koexistenzmassnahmen zusammen. Eine Studie von Schlatter und Oehen (2004)2 hat gezeigt, dass sehr grosse Isolationsabstände (im Rahmen 1 bis 4 km) die Machbarkeit der Koexistenz gefährden. Eine NFP 59-Studie von Albisser und Kollegen (Albisser Vögeli et al., 2011)3 zeigte auf, dass Sicherheitsabstände von 50 m einen geringen Mehraufwand für einen Mais-Anbauer mit sich bringen. Isolationsabstände von 150 m führen bereits zu Mehrkosten im Bereich von ca. 9 CHF/ha. Diese Mehrkosten ergeben sich aus dem zeitlichen Aufwand, der benötigt wird, um sich mit seinem Nachbarn abzusprechen. Diese Studie setzt kooperative Verhältnisse unter benachbarten Landwirte voraus. Wie eine frühere Studie von ART (Kohler, 2005)4 kommt sie zum Schluss, dass Koexistenz machbar ist und keine signifikante ökonomische Hürde darstellt. Die jüngste Studie zur Nachhaltigkeit von gentechnisch veränderten Nutzpflanzen im Kontext der Schweizer Landwirtschaft (Speiser et al., 2012)5 untersuchte ebenfalls ökonomische Aspekte. Die Studie kommt zum Schluss, dass es von der jeweiligen Nutzpflanze (z.B. Mais oder Obstbaum), deren Eigenschaft (z.B. Herbizidtoleranz oder Schädlingsresistenz) und dem Anbaumodus (z.B. Bio oder IP) abhängt, ob ein Mehrgewinn durch den Einsatz von Gentechnologie erzielt wird oder nicht. Der Unterschied zum Einsatz konventioneller Nutzpflanzen ist aber nie beträchtlich: es wird weder mit beträchtlichen Verlusten noch mit beträchtlichen Gewinnen gerechnet.

5. Grundzüge der Vorlage

Die Koexistenz-Verordnung soll ein Nebeneinander des Anbaus mit und ohne GVO ermöglichen und verfolgt zwei Schutzziele: einerseits den Schutz der GVO-freien Produktion (wie der Anbau von konventionellen Ackerbauflächen, Saatgutproduktions-Standorte und nicht kultivierte Flächen) und anderseits die Gewährleistung der Wahlfreiheit der Konsumentinnen und Konsumenten und der Landwirtin-

2 Schlatter, C., Oehen, B., 2004, Gentechnik in der Landwirtschat? Räumliche Aspekte der Koexistenz in der Schweiz, Publikation des FiBL

3 Albisser Vögeli. G., Burose, F., Wolf, D., Lips, M., 2011, Wirtschaftlichkeit gentechnisch-veränderter Ackerkulturen in der Schweiz, Publikation der ART

4 Kohler, R., 2005, Kosten der Koexistenz landwirtschaftlicher Anbausysteme mit und ohne Gentechnik- eine Literaturanalyse, Publikation der Agroscope FAT Tänikon

5 Speiser, B., Stolze, M., Oehen, B., Gessler, C., Weibel, F. P., Bravin, E., Kilchenmann, A., Widmer, A., Charles, R., Lang, A., Stamm, C., Triloff, P., Tamm, L., 2012, Sustainability assessement of GM crops in a swiss agricultural context, 32: 1-41 5/21 Aktenzeichen / Referenz: bud / 2012-12-21/232