Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2012/90: Änderung des Bundesgesetzes über den Strassentransitverkehr im Alpengebiet · 29 Seiten

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Erläuternder Bericht

1 Ausgangslage

1.1 Gotthard-Strassentunnel

Die Gotthardachse ist die wichtigste alpenquerende Strassenverbindung der Schweiz. Der GST ist der längste Strassentunnel der Alpen und der drittlängste Strassentunnel der Welt. Er verbindet Göschenen im Kanton Uri mit Airolo im Kanton Tessin.

Der 16,9 Kilometer lange GST wurde am 5. September 1980 eröffnet und ist seit über 30 Jahren in Betrieb. Seither haben über 170 Mio. Fahrzeuge den GST durchquert. Mit der Inbetriebnahme des GST wurde der zuvor betriebene Bahnverlad für Personenwagen (PW) durch den Gotthard-Scheiteltunnel eingestellt.

2011 betrug das Verkehrsaufkommen im GST rund 6,3 Mio. Fahrzeuge (Güterverkehr, Personenverkehr). Davon waren knapp 1 Mio. LKW. Auf den anderen Alpenübergängen der Schweiz verkehrten im 2011 insgesamt rund 4 Mio. Fahrzeuge. Davon waren rund 0,3 Mio. LKW. Diese verteilten sich wie folgt: knapp 194 000 LKW verkehrten auf der San Bernardino-Achse, knapp 80 000 LKW wählten den Simplon und knapp 60 000 LKW fuhren durch den Grossen St-Bernard.

Der GST besteht aus einer Tunnelröhre, welche im Gegenverkehr betrieben wird. Im GST sind keine Pannenstreifen vorhanden. Parallel zur Tunnelröhre verläuft ein Sicherheitsstollen. Die nördlichen und südlichen Anschlussstrecken zum GST sind als vierspurige Autobahnen gebaut. Aus Sicherheitsgründen wird der Schwerverkehr im Norden und Süden in Erstfeld bzw. Bodio vordosiert und vor den Tunnelportalen mittels Lichtsignalanlagen dosiert (Tropfenzähler). Diese Dosierung ist eine unmittelbare Folge des bisher folgenschwersten Unfalls, der sich am 24. Oktober 2001 ereignete. Beim frontalen Zusammenstoss zweier LKW kam es zu einer Brandkatastrophe im Tunnel. Elf Menschen starben bei dem Unglück. Jeder Brand im Tunnel ist ein erhebliches Risiko für Mensch und Infrastruktur. Gerät ein LKW in Brand, ist das Risiko wegen der massiv höheren Brandlast (Energie, welche bei einem Brand freigesetzt wird) entsprechend grösser als beim Brand eines PW. Bei einer Kollision zweier LKW mit gleichzeitigem Fahrzeugbrand führt die Kumulierung der beiden Brandlasten zu einem exponentiell höheren Schaden. Ziel der sicherheitsbedingten Verkehrsmassnahmen (Tropfenzähler, Mindestabstand) ist es deshalb, das Kollisionsrisiko von zwei LKW zu verringern.

Nach dannzumal rund 40 Betriebsjahren muss der GST in den nächsten 8 bis 13 Jahren – zwischen 2020 und 2025 – umfassend saniert und erneuert werden. Ohne diese Massnahmen kann die Funktionstüchtigkeit und somit die Sicherheit im GST ab 2025 nicht mehr vollumfänglich gewährleistet werden. Soll der GST dennoch für eine bestimmte Zeit weiterbetrieben werden, sind Überbrückungsmassnahmen notwendig. Trotz der Überbrückungsmassnahmen muss der GST auf jeden Fall umfassend saniert und erneuert werden.