Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2019/53: Bundesgesetz über Überbrückungsleistung für ältere Arbeitslose · 30 Seiten

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Während für die ersten sechs Massnahmen, die auf die Erschliessung des inländischen Arbeitskräftepotenzials ausgerichtet sind, die bestehenden gesetzlichen Grundlagen ausreichen, muss für die Überbrückungsleistung eine solche erst geschaffen werden.

1.1.4 Situation der älteren Arbeitnehmenden auf dem Arbeitsmarkt

1.1.4.1 Arbeitsmarktbeteiligung

Anhand der Daten der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) und der Bevölkerungsszenarien kann die Entwicklung des Arbeitsangebots nach Altersgruppen beobachtet und extrapoliert werden. Infolge der demografischen Alterung ist festzustellen, dass die Erwerbsbevölkerung ab 55 Jahren in der Schweiz kontinuierlich zunimmt, insbesondere seit Anfang der 2010er-Jahre. Tabelle 1 und Tabelle 2 zeigen die bis 2035 erwartete Entwicklung der Erwerbsbevölkerung nach Altersgruppe, gestützt auf die 2018 verfügbaren Daten und die Entwicklungsdynamik der Bevölkerungsszenarien zur Erwerbsbevölkerung. Demnach wird das Arbeitsangebot der älteren Arbeitnehmenden bis 2025 stark ansteigen und danach bis 2035 leicht zurückgehen. Um das Jahr 2025 wird der Anteil der über 55-jährigen Erwerbstätigen gemessen an der gesamten Erwerbsbevölkerung seinen Höchststand erreichen, sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen. Somit wird diese Altersgruppe auf dem Arbeitsmarkt schrittweise immer stärker vertreten sein. Basierend auf der Annahme einer gleichbleibenden Arbeitslosenrate pro Altersklasse könnten bis 2025/30 in absoluten Zahlen gesehen mehr Personen ab 55 Jahren von einem vorübergehenden oder dauerhaften Arbeitsplatzverlust betroffen sein, einzig aufgrund eines demografischen Phänomens.

Tabelle 1 Weibliche Erwerbsbevölkerung nach Altersklasse, beobachtete und erwartete Entwicklung (2025, 2035)

in Tausend, in %

Jahr Szenario Veränderung Anteil

∆ 2010–2018 ∆ 2010–2035

2010 2015 2018 2025 2035 2010 2015 2018 2025 2035

Altersklasse pro Jahr pro Jahr

15–24 Jahre 306 310 295 289 316 -0,4% 0,1% 15% 14% 13% 12% 13%

25–39 Jahre 651 719 752 767 744 1,8% 0,5% 32% 32% 33% 32% 31%

40–54 Jahre 741 785 794 800 869 0,9% 0,6% 37% 35% 35% 34% 36%

55–64 Jahre 278 335 374 421 397 3,7% 1,4% 14% 15% 16% 18% 16%

65 Jahre und älter 47 68 74 86 98 5,8% 3,0% 2% 3% 3% 4% 4%

Total 2024 2217 2290 2362 2420 1,6% 0,7% 100% 100% 100% 100% 100%

Quelle: BFS

Tabelle 2 Männliche Erwerbsbevölkerung nach Altersklasse, beobachtete und erwartete Entwicklung (2025, 2035)

in Tausend, in %

Jahr Szenario Veränderung Anteil

∆ 2010–2018 ∆ 2010–2035

2010 2015 2018 2025 2035 2010 2015 2018 2025 2035

pro Jahr pro Jahr

Altersklasse

15–24 Jahre 324 315 313 306 337 -0,4% 0,2% 14% 12% 12% 11% 12%

25–39 Jahre 762 815 844 861 844 1,3% 0,4% 32% 32% 32% 32% 30%

40–54 Jahre 871 912 896 898 983 0,4% 0,5% 36% 36% 34% 33% 35%

55–64 Jahre 365 406 451 507 477 2,7% 1,1% 15% 16% 17% 19% 17%

65 Jahre und älter 74 103 113 132 158 5,4% 3,1% 3% 4% 4% 5% 6%

Total 2396 2550 2616 2705 2797 1,1% 0,6% 100% 100% 100% 100% 100%

Quelle: BFS

Im internationalen Vergleich ist und bleibt die Erwerbsbevölkerung in der Schweiz gut in den Arbeitsmarkt integriert. Mit zunehmendem Alter geht die Erwerbsquote (Anteil der Erwerbspersonen an der Referenzbevölkerung) zurück, insbesondere ab 50 bis 55 Jahren. Im internationalen und historischen Vergleich weist die Schweiz bei den über 55-Jährigen jedoch seit vielen Jahren eine hohe, seit einiger Zeit sogar leicht wachsende Erwerbsquote auf.

Im Alter von 57 Jahren (und damit ein Jahr vor dem Mindestalter für den Bezug einer Rente der 2. Säule) sind auf dem Schweizer Arbeitsmarkt rund 90 Prozent der Männer und 80 Prozent der Frauen noch erwerbstätig. Umgerechnet in Vollzeitäquivalente (VZÄ) ergibt sich für die Frauen eine niedrigere Erwerbsquote als für die Männer: Sie arbeiten häufiger Teilzeit, und dies bis zum Erreichen des gesetzlichen Rentenalters. In den letzten 20 Jahren ist die Erwerbsquote insbesondere bei den älteren erwerbstätigen Frauen angestiegen. Vor allem bei den Frauen zwischen 62 und 63 Jahren war in diesem Zeitraum ein starker Anstieg zu verzeichnen, was unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass das ordentliche (gesetzliche) Rentenalter 2001 und 2005 angehoben wurde. Auch bei