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Vernehmlassung 2020/66: Strategie Nachhaltige Entwicklung 2030 · 38 Seiten

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4.3.1 Die Selbstbestimmung jeder und jedes Einzelnen fördern

In der Schweiz waren im Jahr 2018 rund 7,9 % der ständigen Wohnbevölkerung in Privathaushalten von Einkommensarmut betroffen.66 Prekär ist insbesondere die Situation von Kindern und Jugendlichen, die in Familien aufwachsen, die von Armut betroffen oder gefährdet sind. Hinsichtlich der Bildungschancen können Benachteiligungen aufgrund der sozioökonomischen Herkunft oder des Migrationshintergrunds festgestellt werden.67 Herausforderungen stellen sich beim Zugang zu familienergänzender Betreuung und Frühförderung sowie bei der Förderung von spät zugewanderten Jugendlichen und jungen Erwachsenen ohne fundierte Grundbildung und ohne Kenntnis der Landessprachen. Die Mehrzahl der armutsbetroffenen Haushalte und der Haushalte in schwierigen Lebenslagen weisen zudem keine angemessene Wohnversorgung68 auf.69

Die Schweiz verfügt über ein qualitativ hochwertiges Gesundheitssystem und der Gesundheitszustand der Bevölkerung ist im internationalen Vergleich sehr gut. Dennoch hat der Umgang mit Pandemien gezeigt, dass die Fähigkeit des Systems, solche Gesundheitsschocks von globaler Bedeutung zu verhindern und auf sie zu reagieren, verbessert werden muss. Die Gesundheitsrisiken sind weiterhin vielfältig und es bestehen sozial bedingte Unterschiede sowohl im Gesundheitszustand als auch im Gesundheitsverhalten und bei der Nutzung von Angeboten im Gesundheitsbereich. Die steigenden Gesundheitskosten führen zu einem kontinuierlichen Anstieg der Krankenkassenprämien, der für viele Haushalte sowie die öffentliche Hand eine steigende finanzielle Belastung bedeutet und sich negativ auf die Inanspruchnahme von Leistungen auswirken kann. Es bleibt eine Herausforderung, langfristig den Zugang zu einer belastbaren, qualitativ hochstehenden und bezahlbaren Gesundheitsversorgung für die gesamte Bevölkerung zu gewährleisten.

Die Digitalisierung verändert als Treiber des strukturellen Wandels die Arbeitswelt und die nachgefragten Profile auf dem Arbeitsmarkt.70 Es ist darauf zu achten, dass sich die Qualifikationen und Kompetenzen der Beschäftigten schnell genug an die veränderten Bedürfnisse des Arbeitsmarkts anpassen können. Trotzdem ist nicht auszuschliessen, dass im Rahmen dieses Wandels gewisse Personen den Anschluss verpassen könnten. Die Entwicklung der sozialen Sicherheit muss deshalb aufmerksam verfolgt werden. Die Voraussetzungen, damit die Schweiz die Chancen der Digitalisierung für die Beschäftigung nutzen kann, sind weiter zu verbessern. Dabei ist einerseits zentral, die Bildung im Bereich der Digitalisierung auf die in der Wirtschaft benötigten Kompetenzen und Kenntnisse auszurichten. Andererseits muss der Schweizer Arbeitsmarkt weiterhin die für die Nutzung der digitalen Transformation notwendige Flexibilität aufweisen. Die hohe Erwerbsbeteiligung und gute Qualität der Arbeitsverhältnisse sind dabei zu bewahren.

Ziele

- Der Anteil der Bevölkerung in der Schweiz, die unter der nationalen Armutsgrenze lebt, wird reduziert.71 (1.2)

- Der Bevölkerung steht eine qualitativ hochstehende und bezahlbare Gesundheitsversorgung zur Verfügung. Die Lebensbedingungen in der Schweiz sind gesundheitsfördernd. Der Anteil der Personen, die aus finanziellen Gründen auf eine notwendige medizinische Untersuchung oder Behandlung verzichten, geht zurück.72 (3.8)

- Der Anteil des preisgünstigen Wohnraums bleibt erhalten und wird in Gebieten mit hohem Bedarf erhöht. Benachteiligte Bevölkerungsgruppen haben Zugang zu günstigem und angemessenem Wohnraum.73 (11.1)

- Der Zugang zu einer hochwertigen allgemeinen und beruflichen Bildung – auch auf Tertiärstufe – eröffnet ökonomische und soziale Chancen unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder sozialem Status.74 (4.3)

Nationale strategische Stossrichtungen (a) Armut verhindern und bekämpfen sowie die soziale und berufliche Integration fördern