Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2021/67: Änderung der Liquiditätsverordnung (Besondere Bestimmungen für systemrelevante Banken – «Too-big-to-fail») · 29 Seiten
Fedlex · Erläuternder Bericht · Seite 7Fedlex · Erläuternder Bericht
Änderung der Liquiditätsverordnung (Besondere Bestimmungen für systemrelevante Banken – «Too-big-to-fail»)
Zur Einordnung der Strenge des Schweizer Ansatzes wird ein Vergleich entlang der wesentlichsten vergleichbaren Komponenten17 gegenüber dem strengsten Szenario gemacht, das für die Aufsicht im EZB-Liquiditätsstresstest 201918 relevant ist. Das EZB-Szenario unterstellt einen kontinuierlichen Abfluss, wonach jeden Tag über die gesamte Dauer von 180 Tagen der gleiche Anteil des Restbestands der Position abfliesst. Im Vergleich dazu beschränkt sich das Schweizer Szenario auf einen Horizont von 90 Tagen.
Um die Anforderungen des Schweizer Szenarios mit denjenigen des EZB-Szenarios vergleichen zu können, wurden in der Übersicht gemäss Tabelle 1 für das EZB-Szenario bei den Ab- und Zuflussraten lediglich die Abflüsse der ersten 90 Tage herangezogen. Es gilt somit zu berücksichtigen, dass das EZB-Szenario effektiv strenger ausfällt als dies in Tabelle 1 dargestellt wird, weil insgesamt ein längerer Zeithorizont des Stressszenarios von 180 Tagen gerechnet werden muss.
Am Beispiel von nicht-gesicherten Privatkundeneinlagen zeigt Tabelle 1, dass aufgrund der schwierigen Lage, in der sich die in Abwicklung stehende hypothetische Bank befindet, gemäss Schweizer Szenario die Privatkunden während 90 Tagen nicht-gesicherte Einlagen im Umfang von 17% des anfänglichen Volumens abziehen. Gemäss EZB-Szenario ist der Abfluss über die gleiche Periode mit 23% höher. Gemäss Tabelle 1 fällt das Schweizer Szenario auch aufgrund der höheren Zuflüsse bei den Privatkunden- und Firmenkrediten weniger streng als das EZB-Szenario aus. Umgekehrt fallen im Geschäftsbereich der gesicherten und grossvolumigen Privatkundeneinlagen sowie der Firmenkundeneinlagen die Abflüsse im Schweizer Szenario höher als im EZB-Szenario aus. Das Schweizer Szenario ist in diesem Bereich folglich strenger. Insgesamt ist das Schweizer Szenario mit den unterstellten Zu- und Abflüssen in der Strenge somit international vergleichbar.
Tabelle 1: Szenario – Internationaler Vergleich (Parameter auf einen Zeithorizont von 90 Tagen kalibriert)
Parameter für auf täglicher Basis fällige Po-
sitionen CH/LCR EZB Szenario Abflüsse
gesicherte Privatkundeneinlagen 12% 9%
nicht-gesicherte Privatkundeneinlagen 17% 23%
grossvolumige Privatkundeneinlagen 27% 23%
operative Firmenkundeneinlagen 42% 36%
nicht operative Firmenkundeneinlagen 57% 48%
Einlagen von Finanzinstituten 100% 100%
Zuflüsse
Kredite an Privatkunden 25% 0%
Kredite an Firmenkunden 25% 0%
Kredite an Finanzinstitute 100% 100%
2.1.4 Erfasste Risikokomponenten
Neben den vorstehend dargestellten Zu- und Abflüssen, die wie erwähnt auch in anderen Jurisdiktionen Berücksichtigung finden und dementsprechend in der LCR-Grundanforderung
16 Ein Vergleich mit den Liquiditätsabflüssen bei der UBS im 2008 ist nicht zielführend. Zum einen sind nur vereinzelt Daten vorhanden. Zum anderen würden solche Daten kein repräsentatives Bild für Stressabflüsse vermitteln, da die Behörden früh und umfassend eingeschritten sind. Die getroffenen Massnahmen der Behörden haben ihr Ziel erreicht und hohe, destabilisierende Abflüsse verhindert.
17 Diese Komponenten bestehen aus 100% LCR, erweitertem Zeithorizont des Stressszenarios und sog. Franchise-Zuschlag.
18 European Central Bank (2019), ECB Sensitivity analysis of Liquidity Risk – Stress Test 2019, Methodological note, Februar, Seite 26; abrufbar unter: https://www.bankingsupervision.europa.eu/ecb/pub/pdf/ssm.ECB_sensitivity_analysis_of_liquidity_riskstress_test_2019-methodological_note_20190206~6771e88926.en.pdf.