Ergebnisbericht
Vernehmlassung 2024/21: Änderung des Berufsbildungsgesetzes (BBG) sowie der Berufsbildungsverordnung (BBV). Massnahmenpaket zur Stärkung der höheren Berufsbildung · 34 Seiten
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1 Ausgangslage
Seit Inkrafttreten des Berufsbildungsgesetzes1 (BBG) im Jahr 2004 zählt die höhere Berufsbildung (HBB) zusammen mit den Hochschulen zur Tertiärstufe des Bildungssystems. Die höhere Berufsbildung umfasst die eidgenössisch anerkannten Bildungsgänge an höheren Fachschulen (HF) sowie die eidgenössischen Berufsprüfungen (BP) und höheren Fachprüfungen (HFP). Mit der HBB verfügt die Schweiz über ein besonderes Instrument der beruflichen Weiterqualifizierung auf Tertiärstufe. Sie bietet Personen mit Berufsabschluss und Berufserfahrung die Möglichkeit, ihre praktischen Fähigkeiten mit theoretischen Fachkenntnissen zu verbinden. Mit insgesamt über 500 Abschlüssen können die Absolventinnen und Absolventen von der Wirtschaft nachgefragte Kompetenzen erwerben. HBB-Absolvierende sind entsprechend gefragte Fach- und Führungskräfte, insbesondere bei den KMU.
Der Bundesrat wurde im Jahr 2018 vom Parlament mit den beiden Motionen «Höhere Fachschulen. Profil stärken, Qualität sichern, Attraktivität steigern» (18.3392) der WBK-N sowie «Höhere Fachschulen stärken» (18.3240) von alt Ständerätin Fetz beauftragt, die Positionierung der HF und ihrer Abschlüsse zu verbessern.2 Der Bundesrat hat die Positionierung der höheren Fachschulen umfassend geprüft. In diese Arbeiten sind auch die Motion 20.3050 «Titeläquivalenz für die höhere Berufsbildung»3 von Nationalrat Matthias Aebischer sowie die vorausgehenden langjährigen Diskussionen zur Titelthematik aufgenommen worden. Mit Verweis auf die Entwicklungen in Deutschland und Österreich wurden die Titel «Professional Bachelor» und «Professional Master» gefordert. Die Ablehnung der Motion Aebischer durch den Ständerat im Frühjahr 2023 hat dabei bestätigt, dass die Abgrenzung zu den Titeln im Hochschulbereich zentral bleibt. Die daraufhin umgehend eingereichten sechs Vorstösse4 aus allen Fraktionen des Nationalrates zeigten indes erneut, dass eine Klärung der Titelfrage erwartet und eine politische Auseinandersetzung angezeigt ist.
Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) hat 2019 die Arbeiten zur Positionierung der HF lanciert und verschiedene Analysen durchgeführt.5 Basierend auf der breiten Auslegeordnung wurden zusammen mit den Verbundpartnern der Berufsbildung sowie weiteren Akteuren (u.a. aus dem Hochschulbereich) grundsätzliche Fragen und mögliche Massnahmen im Projekt «Positionierung Höhere Fachschulen» vertieft geprüft. Am nationalen Spitzentreffen der Berufsbildung im November 2023 wurde unter Leitung des WBF-Vorstehers von den Vertretungen der EDK sowie den Sozialpartnern (SAV, SGV, SGB und Travail.Suisse) die Ausarbeitung einer Gesetzesvorlage gutgeheissen. Die Schweizerische Hochschulkonferenz wurde ebenfalls über die Arbeiten und die vorgeschlagenen Massnahmen informiert. Anfang 2024 wurden weitere von Teilen der Verbundpartner geforderte Massnahmen zur Stärkung der HBB geprüft und in die geplante Gesetzesänderung integriert (siehe Kapitel 2).
Weitere im Rahmen des Projekts «Positionierung Höhere Fachschulen» definierte Massnahmen benötigen keine Anpassung der rechtlichen Grundlagen auf Bundesebene (u.a. Verbesserung der Governance durch stärkeren Einbezug der Bildungsanbieter HF, Optimierung der kantonalen Finanzierung der Bildungsgänge HF, Stärkung der Zusammenarbeit zwischen den Akteuren der HBB und der Fachhochschulen (FH) sowie Lancierung von weiteren Kommunikations- und Marketingmassnahmen).
1 Bundesgesetz vom 13. Dezember 2002 über die Berufsbildung (SR 412.10)
2 Abrufbar unter: www.parlament.ch > Ratsbetrieb > Suche Curia Vista.
3 Abrufbar unter: www.parlament.ch > Ratsbetrieb > Suche Curia Vista.
4 23.3259 (abgeschrieben); 23.3295; 23.3296; 23.3297; 23.3298; 23.3389.
5 Vgl. erläuternder Bericht zur Vernehmlassung.