Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2017/1: Änderung der Liquiditätsverordnung (LiqV) · 32 Seiten
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Erläuternder Bericht zur
Änderung der Liquiditätsverordnung
Verschiedene, auf internationalen Daten basierende Studien zeigen, dass eine höhere Finanzierungsquote (NSFR) zur Reduktion von Finanzierungsschwierigkeiten und der Konkurswahrscheinlichkeit von Banken geeignet sein kann. In ihrer Analyse der Entwicklung der Finanzierungsstrukturen von 11 000 amerikanischen und europäischen Banken zwischen 2001 und 2009 zeigen Vasquez und Federico auf, dass eine tiefe NSFR die Konkurswahrscheinlichkeit einer Bank erhöhen kann.31 Eine Erhöhung der NSFR sollte demnach ceteris paribus zu einer Reduktion der Konkurswahrscheinlichkeit einer Bank führen.
3.2.2 Gesamtwirtschaftliche Kosten
Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht sind dem Nutzen der langfristigen Finanzierungsquote die mit deren Einführung verbundenen volkswirtschaftlichen Kosten gegenüberzustellen. Neben den möglichen Auswirkungen auf das gesamtwirtschaftliche Wachstum sind auch die Effekte auf die Profitabilität der Banken (insbesondere die Nettozinsmargen) sowie die Kreditvergabe von Interesse.
Verschiedentlich wurde in Stellungnahmen im Zusammenhang mit Umfragen des Basler Ausschusses darauf hingewiesen, dass sich die Finanzierungsquoten bereits deutlich verbessert hätten. Zudem wurden die Befürchtungen geäussert, dass Inkonsistenzen im Regelwerk bestünden32 und die NSFR zu einer zusätzlichen Kontraktion der Finanzmarktaktivitäten sowie zu einer erhöhten Volatilität an den Finanzmärkten führen könnte.33 Insbesondere im Fall eines Zinsanstiegs und in einem Liquiditätsstressszenario wurde eine Gefahr darin gesehen, dass die NSFR die Geschäftstätigkeit zu stark einschränken könnte.34 Um weiterhin die regulatorischen Vorgaben zu erfüllen, könnten sich die Banken gezwungen sehen, die Kreditvergabe einzuschränken, mit entsprechend negativen Implikationen für die Realwirtschaft. Insbesondere die Australian Bankers‘ Association (ABA) weist darauf hin, dass die Grenzen der Ausweitung langfristiger Finanzierung von der NSFR kaum berücksichtigt würden und dies die Kreditvergabe und letztlich das Wachstum beeinträchtigen könnte.35
3.2.2.1 Effekt auf das gesamtwirtschaftliche Wachstum
Im Gegensatz zu den erwähnten Bedenken, kommt die Literatur mehrheitlich zum Schluss, dass die neuen Finanzierungsvorschriften das Wirtschaftswachstum sowohl in der Übergangsphase als auch im Endzustand nur geringfügig reduzieren.36 Die Macroeconomic Assessment Group (MAG) der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) konzentrierte sich auf die gesamtwirtschaftlichen Kosten der Übergangsphase und evaluierte den Effekt einer 25-prozentigen Erhöhung der liquiden Aktiva an den Gesamtaktiva und einer Erhöhung der Laufzeit von ausgegebenen Obligationen (Wholesale-Verbindlichkeiten).37 Isoliert von den Eigenmittelanforderungen betrachtet, schätzte die MAG eine Erhöhung der Zinsdifferenz um 14 Basispunkte und eine Reduktion des Kreditvolumens um 3.2 Prozent. Daraus resultierte eine einmalige Reduktion des BIPs um 0.08 Prozent relativ zum Basisszenario.
Demgegenüber analysierte die Studie des Basler Ausschusses die Auswirkungen der neuen Liquiditätsvorschriften auf den Endzustand, nachdem die Banken die aus der Regulierung resultierenden Mehrkosten auf die Kunden in Form von höheren Zinsen überwälzt haben. Die Kreditvergabe wird aus dieser Perspektive lediglich indirekt durch eine reduzierte Kreditnachfrage beeinträchtigt. Der BCBS schätzte die Erhöhung der Zinsspanne auf 25 Basispunkte
31 Vazquez, F. und Federico, P. (2012), S. 1.
32 The Clearing House (2016), S. 2.
33 IIF (2016), S. 2.
34 The Clearing House 2016, S. 14.
35 Australian Bankers‘ Association 2016, S. 1.
36 Beide Studien treffen konservative Annahmen und könnten damit die volkswirtschaftlichen Kosten der NSFR tendenziell überschätzen.
37 Macroeconomic Assessment Group (2010), S. 9.