Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2017/1: Änderung der Liquiditätsverordnung (LiqV) · 32 Seiten

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Erläuternder Bericht zur

Änderung der Liquiditätsverordnung

Funktionsfähigkeit des Geldmarkts – ein für die Umsetzung der Geldpolitik traditionell wichtiger Transmissionskanal – beeinträchtigt wird. Liquiditätsabschöpfende geldpolitische Massnahmen der SNB (etwa mittels Schuldverschreibungen wie SNB Bills, Repo- oder Termingeschäften) können gemäss der vom internationalen Standard vorgegeben Gewichtung einen negativen Einfluss auf die NSFR der Banken haben.50 Der Basler Standard sieht jedoch keinen Spielraum für eine länderspezifische Ausgestaltung der Gewichtungsfaktoren für entsprechende Bilanzpositionen vor, da ansonsten Banken den Anreiz erhalten könnten, Zentralbankguthaben und andere hochrangige Sicherheiten gegen eine Gebühr sowie tieferrangige Sicherheiten zu tauschen. Falls infolgedessen in einem Krisenfall Schweizer Banken schlechter monetarisierbare Sicherheiten halten, könnte dies einen destabilisierenden Einfluss auf das Finanzsystem ausüben.

3.3.1.3 Wettbewerb

Aufgrund der bestehenden NSFR-Übererfüllung sollte sich die Wettbewerbsintensität derzeit kaum erhöhen. Ein verändertes makroökonomisches Umfeld mit höheren Zinsen könnte die Wettbewerbsintensität hingegen hinsichtlich der verfügbaren Kundeneinlagen intensivieren. Jedem Finanzinstitut bleibt es überlassen, die für sich optimale Strategie herauszufinden, um jederzeit die NSFR-Anforderungen zu erfüllen. Zudem sind die Wettbewerbsbedingungen für alle Institute gleich.

3.3.2 Auswirkungen auf die betroffenen Gruppen

3.3.2.1 Einzelne Gruppen von Banken

Die Aufsichtsbehörde FINMA hat bei Banken der Kategorien 1 bis 3 seit 2015 quartalsweise Testerhebungen durchgeführt. Für Banken der Kategorien 4 und 5 wurde per Ende zweites Quartal 2016 erstmals eine Testerhebung durchgeführt. Aufgrund der erstmaligen Erhebung der NSFR können jedoch gewisse Erhebungsfehler nicht ausgeschlossen werden. Die Ergebnisse dieser neusten Erhebung sind in Abbildung 2 gegliedert nach den Bankkategorien dargestellt. Insgesamt haben die Banken eine NSFR-Überdeckung von rund CHF 370 Mia. ausgewiesen. Bei den allermeisten Banken wären somit per Juni 2016 keine zusätzlichen Anstrengungen mehr notwendig gewesen, um die NSFR einzuhalten. Dies ist auch mit dem gegenwärtigen makroökonomischen Umfeld zu erklären, in dem viele Marktteilnehmer überschüssige Liquidität halten und das Eingehen zusätzlicher Risiken vermeiden. Kleine Banken hatten in den meisten Fällen gar eine überdurchschnittlich hohe NSFR ausgewiesen.51 Sie weisen jedoch die grössere Streuung auf. Lediglich 15 Institute hatten zu diesem Zeitpunkt eine NSFR-Unterdeckung ausgewiesen. Bis zur Inkraftsetzung Anfang 2018, besteht für diese noch ausreichend Zeit, um sich an die neuen Anforderungen anzupassen. Mit der von diesen 15 Banken insgesamt ausgewiesenen NSFR-Unterdeckung von CHF 4.5 Mia dürften sich diese Anstrengungen zudem im Rahmen halten. Die möglichen Strategien, wie die NSFR-Quote erhöht werden kann, sind in Abbildung 1 dargestellt.

An systemrelevante Banken werden, was die Häufigkeit der Berichterstattung über die NSFR an die FINMA betrifft, höhere Anforderungen gestellt (12 Mal statt nur 4 Mal pro Jahr). Die dadurch für diese Banken anfallenden Zusatzkosten sind jedoch gering. Abgesehen davon haben systemrelevante Banken in der Schweiz keine über den internationalen Standard hinausgehenden Anforderungen. Demgegenüber werden im Sinne der Verhältnismässigkeit den kleineren Banken Erleichterungen bei der Erhebung der Finanzierungsquote gewährt.

50 Forderungen gegenüber der Zentralbank führen ab einer Restlaufzeit von mehr als sechs Monaten zu einer Erhöhung der erforderlichen stabilen Finanzierung (RSF) einer Bank, was ohne Anpassungen der Passivseite zu einer Reduktion der NSFR führt.

51 Dies entspricht auch der internationalen Erfahrung. Gemäss Gobat et. al (2014) hatten grosse Finanzinstitute per Ende 2012 in einem Sample von 2000 Banken aus 128 Ländern im Schnitt tiefere NSFR-Werte als kleinere Institute.