Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2009/48: Änderung des Strafgesetzbuches und des Militärstrafgesetzes betreffend die organisierte Suizidhilfe · 31 Seiten

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• Die Entgiftung des Kochgases hat dazu geführt, dass seit den 1970er-Jahren keine

Kochgas-Intoxikationen in der schweizerischen Todesursachenstatistik mehr registriert werden.

• Mit baulichen Massnahmen können beispielsweise Gebäude und Brücken wirksam vor

Sprüngen aus der Höhe gesichert werden. Eine neuere Studie konnte nachweisen, dass die gesamte Zahl der Suizidraten in der entsprechenden Region gesenkt werden konnte51. Die Umsetzung baulicher Massnahmen liegt allerdings in der Kompetenz der Kantone.

• Eine Arbeitsgruppe hat im November 2008 dem Vorsteher des Departementes für Ver-

teidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) einen Bericht unterbreitet, in welchem verschiedene Möglichkeiten zur Vorbeugung und Vehinderung von Selbst- und Drittgefährdung mit Ordonnanzwaffen geprüft wurden. Der Bundesrat hat das VBS im Februar 2009 beauftragt, gewisse Massnahmen umzusetzen. Dabei handelt es sich namentlich um eine bessere Abklärung des Gefahrenpotenzials der Stellungspflichtigen bei der Rekrutierung, die Einführung von Meldepflichten bei Bekanntwerden von Gewalt- oder Suizidpotenzial bei Armeeangehörigen sowie eine Erweiterung der Hinterlegungsmöglichkeiten der persönlichen Waffe. Das VBS wird dem Bundesrat noch in diesem Jahr die entsprechenden Verordnungsänderungen zur Genehmigung unterbreiten.

4.1.1.3. Krankheitsprävention und gesundheitsfördernde Massnahmen

Das Bundesamt für Gesundheit BAG wird im Zusammenhang mit den laufenden nationalen Präventionsprogrammen insbesondere für Jugendliche einen Beitrag leisten. Massnahmen der öffentlichen Gesundheit zur Verhütung und Früherkennung von psychischen Krankheiten und Suizid liegen in der Kompetenz der Kantone. Im Dialog der nationalen Gesundheitspolitik zwischen dem Bund und den Kantonen findet ein regelmässiger Austausch darüber statt. Jedoch fehlt ein eigentliches Fördergremium auf nationaler Ebene, das auf wirksame Weise die Krankheitsbelastungen von Depression und Suizidalität reduzieren könnte.

Zur Früherkennung und Behandlungsoptimierung von Depression und Suizid führen immer mehr Kantone die erprobten Bündnisse gegen Depression ein. Dieses Programm richtet sich mit gezielten Fortbildungsaktivitäten an Hausärztinnen und Hausärzte und an weitere Berufsangehörige, die mit Menschen in Notlagen zusammen arbeiten. Mit einer einheitlichen Kampagne wird die Öffentlichkeit über die Krankheit und ihre Folgen informiert. In der Pilotregion Nürnberg (D) konnte nachgewiesen werden, dass die suizidalen Handlungen gegenüber der Kontrollregion ohne gezielte Interventionen um 25 % reduziert werden konnten52. Das BAG bietet den Kantonen Unterstützung für ein einheitliches Vorgehen zur Einführung dieses Programms an. Weiter werden im Rahmen der bundesrätlichen Strategie „Migration und Gesundheit“ migrationsspezifische Informationen zur Krankheit erarbeitet. In Zusammenarbeit mit den Fachorganisationen aktualisiert das BAG die Schulungsmaterialien für Fortbildungen. Menschen in einer Krise benötigen Hilfe, Verständnis und Einfühlung von verschiedenen Fachpersonen, die psychisch Kranke in Notlagen befähigen, schwierige Lebenssituationen zu bewältigen. Diese Unterstützung muss in den Gemeinden gesichert sein.

Studien belegen zudem, dass die Art der Berichterstattung in den Medien Nachahmungssuizide auslösen können. Zur Vermeidung dieses so genannten „Werther-Effekts“ wurden 1994 erste Richtlinien für Medienschaffende herausgegeben, die in der Schweiz teilweise befolgt werden. Diese Massnahmen liegen allerdings ausserhalb der staatlichen Zuständigkeit.

51 T. Reisch, U. Schuster, K. Michel. Suicide by jumping and accessibility of bridges: results from a national survey in Switzerland. Suicide Life Threat Behav. 2007 Dec; 37(6):681-7.

52 U. Hegerl et. al. The European Alliance Against Depression (EAAD): A multifaceted, communitybased action programme against depression and suicidality. World J Biol Psychiatry. 2008; (2):51-8.