Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2024/21: Änderung des Berufsbildungsgesetzes (BBG) sowie der Berufsbildungsverordnung (BBV). Massnahmenpaket zur Stärkung der höheren Berufsbildung · 36 Seiten

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1 Ausgangslage

Die Berufsbildung geniesst in der Schweiz einen hohen Stellenwert. Grund dafür ist zum einen die enge Abstimmung der Bildungsangebote auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarkts. Die Bildungsangebote orientieren sich an tatsächlich nachgefragten beruflichen Qualifikationen und an den von den Unternehmen zur Verfügung gestellten Arbeitsplätzen. Zum andern ist die Berufsbildung vollständig in das Bildungssystem integriert. Zwei von drei Jugendlichen entscheiden sich für eine berufliche Grundbildung. Die Berufsbildung bietet ihnen und Erwachsenen verschiedene Karrierewege und ist von einer hohen Durchlässigkeit geprägt. Die höhere Berufsbildung (HBB) nimmt dabei eine bedeutende Funktion ein: Sie versorgt die Wirtschaft mit ausgewiesenen Fach- und Führungskräften und ermöglicht Absolventinnen und Absolventen einer beruflichen Grundbildung eine staatlich anerkannte Höherqualifizierung auf der Tertiärstufe.

Die Entwicklung auf dem Schweizer Arbeitsmarkt zeigt, dass in den vergangenen Jahren das Bildungsniveau der Erwerbstätigen sukzessive zugenommen hat. Heute verfügen in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen bereits rund 51 Prozent der Personen über einen Abschluss auf Tertiärstufe, davon 13,5 Prozent über einen Abschluss der höheren Berufsbildung.1 Dank der höheren Berufsbildung ist es der Schweiz möglich, ihr Potenzial an gut ausgebildeten Personen bestmöglich auszuschöpfen. Auch können sich unter Berücksichtigung der Chancengerechtigkeit breite Kreise auf der Tertiärstufe höherqualifizieren, Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt bewältigen und am Wohlstand partizipieren. Um im internationalen Wettbewerb zu bestehen, spielt neben dem Bildungsniveau auch der Fachkräfte-Mix entlang der gesamten Innovationskette eine entscheidende Rolle. Im Gegensatz zu anderen Ländern zeichnet sich die Schweiz dadurch aus, dass mitunter aufgrund der höheren Berufsbildung ein Teil der Fach- und Führungskräfte berufspraktische Kenntnisse mit theoretischem Wissen verbinden können. Diesen Wettbewerbsvorteil gilt es weiterhin zu bewahren.

Bund und Kantone setzen sich auf der Basis ihrer gemeinsamen bildungspolitischen Ziele2 für eine klare Profilierung der Abschlüsse auf Tertiärstufe ein. Mit der Gründung der Fachhochschulen (FH) in den 1990-er Jahren musste deren Abgrenzung zur höheren Berufsbildung klar definiert werden. Die Fachhochschulen wurden aus bereits bestehenden höheren Fachschulen (HF) gegründet und im Bereich der Hochschulen neu aufgestellt. Diejenigen höheren Fachschulen, die nicht zu Fachhochschulen umgewandelt wurden, sowie die eidgenössischen Berufs- und höheren Fachprüfungen bilden seit der Totalrevision des Berufsbildungsgesetzes (BBG)3 2002 die berufsbildungsspezifische Tertiärstufe, die «höhere Berufsbildung». Bis heute gilt es, die charakteristischen Merkmale der einzelnen Bildungsgefässe zu bewahren und gleichzeitig auf die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und bildungssystematischen Trends auszurichten. Es braucht für alle Abschlüsse auf Tertiärstufe vergleichbare Voraussetzungen hinsichtlich Finanzierung und gesellschaftlicher Anerkennung.

Insbesondere Kreise aus den höheren Fachschulen machen seit längerer Zeit geltend, dass der Status quo der höheren Fachschulen bezüglich Bekanntheit und Ansehen unbefriedigend sei. Auch gehe es darum, das Profil der höheren Fachschulen und deren Bildungsangebote zu schärfen. Dabei sei die höhere Berufsbildung insgesamt mitzudenken. Weiter stellen sich Abgrenzungsfragen zu den Hochschulen, insbesondere zu den Fachhochschulen und deren Aus- und Weiterbildungsangebote. Es gelte, ungleiche Voraussetzungen auf Tertiärstufe sowie eine Abwertung der höheren Fachschulen zu vermeiden. Schliesslich würden HF-Absolventinnen und Absolventen in der globalisierten Wirtschaft Nachteile erleiden. Die Abschlüsse seien international zu wenig bekannt, was gegenüber Akademikerinnen und Akademikern mit den allgemein bekannten Bachelor- und Masterabschlüssen zu Lohn- und Karriereeinbussen führen könne.

Mit den Motionen «Höhere Fachschulen. Profil stärken, Qualität sichern, Attraktivität steigern» (18.3392) der nationalrätlichen Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK-N) sowie «Höhere Fach-

1 Bildungsstand | Bundesamt für Statistik (admin.ch)

2 Gemeinsame Grundlagen (admin.ch)

3 Bundegesetz vom 13. Dezember 2002 über die Berufsbildung (SR 412.10).