Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2024/21: Änderung des Berufsbildungsgesetzes (BBG) sowie der Berufsbildungsverordnung (BBV). Massnahmenpaket zur Stärkung der höheren Berufsbildung · 36 Seiten
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Ziel der Gesetzesvorlage ist, die höheren Fachschulen als Institution besser sichtbar zu machen, die Markttransparenz zu verbessern und die Abgrenzung zu anderen Bildungsanbietern zu stärken. Nur wer einen anerkannten Bildungsgang HF anbietet, soll sich künftig «Höhere Fachschule» nennen dürfen. Hingegen soll die Steuerungslogik der höheren Fachschulen nicht verändert werden: Die Steuerung soll weiterhin über die Bildungsgänge erfolgen und so die Arbeitsmarktorientierung der Abschlüsse sicherstellen. Entsprechend soll die Gesetzesvorlage den Anbietern nicht mehr Autonomie bei der Angebotsgestaltung gewähren.
Stärkung der Abschlüsse: Titelzusätze für die höhere Berufsbildung
Die Diskussionen in den vergangenen Jahren haben klar gezeigt, dass die Akteure der Berufsbildung die Titel der Abschlüsse der höheren Berufsbildung sowie die englischen Titelübersetzungen, insbesondere im Ausland, als schwer verständlich erachten. Die Tatsache, dass die höhere Berufsbildung eine Eigenheit der Schweiz ist und im Ausland häufig wenig bekannt ist, macht die Abschlüsse gegenüber ausländischen Arbeitgebern schwer kommunizierbar. Im schweizerischen Arbeitsmarkt sind die Abschlüsse grundsätzlich gut verankert. Jedoch fehlt es an Anerkennung und Bekanntheit der Abschlüsse und ihrer Titel in der Gesellschaft. Die Zuordnung der Abschlüsse zur Tertiärstufe wird zu wenig wahrgenommen. Grund ist, dass die Arbeitsmarkorientierung der höheren Berufsbildung zu einer grossen Anzahl an Abschlüssen mit unterschiedlichen Ausrichtungen und Kompetenzniveaus führt. Diese Eigenheit der höheren Berufsbildung ist für die einzelnen Branchen mit grossen Vorteilen verbunden, da sie dadurch passgenaue Abschlüsse erhalten, macht die Abschlüsse aber für Aussenstehende wenig fassbar.
Die Titel «Professional Bachelor» und «Professional Master» sind seit geraumer Zeit Gegenstand politischer Diskussionen. Bereits im Rahmen des 2013 lancierten Strategieprojekts «Höhere Berufsbildung» hat das SBFI die Titelbezeichnungen bzw. -übersetzungen der höheren Berufsbildung umfassend geprüft und in einem breit abgestützten Prozess neue englische Titelbezeichnungen verabschiedet. Diese konnten sich aus Sicht der Akteure jedoch nie etablieren. Hinzu kommt, dass die Einführung des «Bachelor Professional» und «Master Professional» in Deutschland und Österreich neue Dynamik in die Debatte in der Schweiz gebracht haben.25 Mit Verweis auf diese Entwicklungen wurden die Titel in der Motion 20.3050 «Titeläquivalenz für die höhere Berufsbildung»26 von Nationalrat Matthias Aebischer erneut auf politischer Ebene gefordert. Die Ablehnung der Motion durch den Ständerat im März 2023 hat bestätigt, dass die Abgrenzung zu den Titeln im Hochschulbereich zentral ist. Im Gegenzug zeigen die daraufhin im Frühjahr 2023 umgehend eingereichten sechs Vorstösse über alle Fraktionen des Nationalrates hinweg zum selben Thema, dass eine Klärung der Titelfrage für die höhere Berufsbildung nun erwartet wird und eine politische Auseinandersetzung angezeigt ist.27
Ziel der Gesetzesvorlage ist die Einführung von attraktiven Titelzusätzen, namentlich «Professional Bachelor» und «Professional Master», die insbesondere mit Blick auf die (potentiellen) Absolvierenden die Verortung der Abschlüsse auf Tertiärstufe betonen und die Sichtbarkeit der Abschlüsse stärken. Die Abgrenzung zu den Hochschulabschlüssen ist sicherzustellen, damit die Differenzierung der Bildungsgefässe und die Transparenz über die Bildungswege gewährleistet bleiben. Die Titelzusätze dürfen deshalb nicht ohne den jeweiligen Titel verwendet werden. Im Interesse der Lauterkeit sind Sanktionen vorgesehen.
25 In Deutschland werden die Titel für die zweite und dritte Stufe der höherqualifizierenden Berufsbildungsabschlüsse vergeben. In Österreich werden die Titel von Hochschulen für hochschulische Weiterbildungsabschlüsse in Kooperation mit ausserhochschulischen Bildungseinrichtungen verliehen.
26 20.3050 | Titeläquivalenz für die höhere Berufsbildung | Geschäft | Das Schweizer Parlament
27 Siehe Stand der Motion: 23.3296 | Titeläquivalenz für die höhere Berufsbildung | Geschäft | Das Schweizer Parlament