Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2005/30: Ausführungserlasse zum Transplantationsgesetz · 29 Seiten
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2.2.7.2 Art. 34 Medizinische Dringlichkeit
Auch beim Dünndarm ist die medizinische Dringlichkeit nur ausnahmsweise gegeben. Mit der parenteralen Ernährung steht eine Ersatztherapie zur Verfügung, die es erlaubt, die Zeit bis zur Transplantation einigermassen gut zu überbrücken. Es ist allerdings nicht ausgeschlossen, dass die parenterale Ernährung bei bestimmten Patientinnen und Patienten nicht oder nicht mehr möglich ist. In solchen Fällen liegt eine Dringlichkeit vor, weshalb diese Patientinnen und Patienten vordringlich transplantiert werden sollen.
2.2.7.3 Art. 35 Weitere Prioritäten
Die Ursachen für Darminsuffizienz und die Transplantationskriterien sind vielfältig. Aus diesem Grund kann die Dünndarmtransplantation gemäss einer der drei folgenden Modalitäten erfolgen:
1. Transplantation des Dünndarms allein: bei Nichtvorhandensein einer schwerwiegenden
Hepatopathie, gastrointestinalen Dysmotilität oder Invasion des Gefässstiels der Arteria mesentrica superior anderer intraabdominaler Organe.
2. Kombinierte Transplantation Leber-Bauchspeicheldrüse: bei Darminsuffizienz in Be-
gleitung mit einer schwerwiegenden, im Allgemeinen mit der parenteralen Ernährung assoziierten Hepatopathie. Diese Transplantation erfolgt in einem Mal und beinhaltet den Zwölffingerdarm und den Pankreaskopf. Eine Entnahme für die Transplantation der ganzen Bauchspeicheldrüse ohne Langerhans-Inseln ist daher unmöglich.
3. Multiviszerale Transplantation: Transplantation, die in einem Mal erfolgt und folgende
Organe beinhalten kann: Dünndarm, Zwölffingerdarm, Bauchspeicheldrüse, Leber, Magen, Niere. Alle Kombinationen sind möglich, erforderlich sein kann die Transplantation der Leber bei schwerwiegender, im Allgemeinen mit der parenteralen Ernährung assoziierten Hepatopathie oder bei Invasion des Truncus coeliacus durch einen Desmoid, des Magens bei gastrointestinaler Dysmotilität, der Niere bei Niereninsuffizienz, bei Invasion des Gefässstiels der Arteria mesentrica superior oder bei einem Desmoid. Da die Entnahme in einem Mal erfolgt und den Zwölffingerdarm und den Pankreaskopf beinhaltet, ist eine Entnahme für die Transplantation der ganzen Bauchspeicheldrüse ohne Langerhans-Inseln unmöglich.
Patientinnen und Patienten, die eine kombinierte Transplantation oder eine Mehrfachtransplantation des Dünndarms zusammen mit einem oder mehreren anderen Organen benötigen (Abs. 1 Bst. a - c), werden Patientinnen und Patienten vorgezogen, die nur den Dünndarm benötigen (Abs. 1 Bst. d). Die vier Prioritäten reflektieren die medizinische Dringlichkeit. Eine kombinierte Transplantation oder eine Mehrfachtransplantation Dünndarm-Leber ist immer dringlicher als eine isolierte Dünndarm-Transplantation, denn bei der Dünndarm-Transplantation ist die mit parenteraler Ernährung assoziierte hepatozelluläre Insuffizienz der kritische Punkt und der Hauptgrund für das Versterben auf der Warteliste.
Auch innerhalb der drei ersten Prioritäten werden die Patientinnen und Patienten entsprechend ihrer medizinischen Dringlichkeit behandelt. Eine kombinierte Transplantation oder eine Mehrfachtransplantation Dünndarm-Leber ist dringlicher als eine Transplantation Dünndarm-Niere, besteht doch für die Niere eine Ersatztherapie.
Abs. 1 Bst. c: Eine Transplantation Dünndarm-anderes Organ wird in der Regel im Rahmen einer Mehrfachtransplantation vorgenommen; die anderen Organe können die Bauchspeicheldrüse (ganz oder Segment), die Inselzellen oder der Magen sein.