Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2005/30: Ausführungserlasse zum Transplantationsgesetz · 29 Seiten

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2.1.1.2 Art. 2 Begriffe

In Absatz 1 werden einige Begriffe, die für die Vermeidung der Immunreaktion auf fremde Organe, Gewebe oder Zellen zentral sind, definiert.

Die Gewebemerkmale (Bst. b), die so genannten HLA-Antigene, sind der primäre Auslöser und die Angriffsziele der immunologischen Abwehrreaktion gegen Organe. Bei der Nieren- und Herz-Transplantation ist ein definitiver Einfluss des HLA-Systems auf den Transplantationserfolg belegt.

HLA-Typisierung: Die HLA-A-, -B- und -DR-Antigene können serologisch (Dauer etwa 4-5

h) oder molekulargenetisch (Dauer etwa 3 h) bestimmt werden. Man nennt dies die HLA-Typisierung. Die Bestimmung wird in der Regel auf weissen Blutzellen gemacht, bei Spenderinnen und Spendern auch auf Zellen, die aus Lymphknoten oder der Milz gewonnen werden. Eine möglichst gute Übereinstimmung der Gewebemerkmale gilt insbesondere für Niere, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm. Sie kann nicht angestrebt werden für Lunge, Herz und Leber, da die medizinische Dringlichkeit dieser Fälle und das Fehlen eines künstlichen Organersatzes es nicht gestatten, beliebig lang zu warten, bis ein HLA-kompatibles Organ zur Verfügung steht.

Einfluss der HLA-Kompatibilität bei der Nierentransplantation: Bei der Nieren-Transplantation ist eindeutig nachgewiesen, dass die HLA-Kompatibilität die akute und die chronische Abstossung beeinflusst. Die Stärke des Einflusses ist - je nach Genort - abnehmend von DR zu B und A (Bst. c). Für einen optimalen Transplantationserfolg ist die Kompatibilität für alle 3 Genorte wichtig. Nach 5 Jahren haben Transplantationen mit 0 Mismatches, d.h. 0 unverträglichen HLA-A-, -B- oder -DR-Antigenen, eine rund 10 Prozent höhere Funktionsrate als Transplantationen mit 6 Mismatches, d.h. 6 unverträglichen Antigenen. Bei 2 - 5 Mismatches ist der Unterschied deutlich geringer. Besonders stark ist der HLA-Einfluss bei Retransplantationen und bei Patientinnen und Patienten mit präformierten Anti-HLA-Antikörpern (Bst. a).

HLA-Verträglichkeit bei der Herztransplantation: Neueste Daten belegen, dass Herztransplantationen mit 0 oder 1 Mismatch eine bessere Erfolgsrate haben als Transplantationen mit mehr Mismatches. Nach 3 Jahren haben Transplantationen mit 0 oder 1 Mismatch eine um 12 Prozent höhere Erfolgsrate als Transplantationen mit 3 - 6 Mismatches. Der Organaustausch zur Erreichung einer besseren HLA-Kompatibilität wird wegen des kurzen Konservierungslimits für das Herz (4-5 h) bisher nur wenig praktiziert.

HLA-Verträglichkeit bei anderen Organen: Bei Leber, Herz-Lunge und Lunge gibt es bisher keine gesicherten Angaben über die Rolle der HLA-Kompatibilität. Bei der Leber wurde sogar der umgekehrte Effekt berichtet: Organe ohne HLA-Unverträglichkeit sollen besonders schlecht funktionieren. Bei der Bauchspeicheldrüse wurde eine positive Korrelation festgestellt, aber nicht überzeugend bestätigt.

Absatz 2: Inselzellen sind natürlich keine Organe. Nach Artikel 16 Absatz 2 Buchstabe b TxG kann der Bundesrat die Zuteilungsregeln auch auf Zellen anwendbar erklären. Aus Gründen der redaktionellen Kürze und der Ästhetik soll der Begriff "Organe", der in dieser Verordnung namentlich im Zusammenhang mit Mehrfachtransplantationen verwendet wird, auch für Inselzellen gelten.