Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2023/16: Änderung der Verordnung des WBF über die Pflichtlagerhaltung von Nahrungs- und Futtermitteln · 39 Seiten
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komplexer und die Risiken vielfältiger wurden. Bei Überlagerung der komplexeren Wertschöpfungsketten mit einer oder mehreren der zahlreichen Risiken ist vermehrt mit negativen Versorgungswirkungen bis hin zu einer schweren Mangellage zu rechnen.
2018 hat die wirtschaftliche Landesversorgung eine neue Strategie zur Sicherstellung der Versorgung mit Nahrungsmitteln10 in schweren Mangellagen verabschiedet. Sie sieht unter anderem vor, dass der Betrachtungszeitraum von drei Monaten auf eine Vegetationsperiode (maximal 12 Monate) ausgeweitet wird. Sollten aufgrund von beispielsweise Trockenheit oder Starkregen Ernten massiv reduziert werden oder gänzlich ausfallen, dann wird diese Zeitspanne bis zur Reife einer neuen Ernte benötigt.
Zudem gilt es die veränderten inländischen Voraussetzungen zu berücksichtigen. Die Erträge wurden dank züchterischem und anbautechnischem Fortschritt gesteigert. Die Bevölkerungszunahme war in den vergangenen Jahrzehnten jedoch stetig und die Nahrungsmittelproduktion erfolgt auf einer sinkenden nutzbaren Fläche. Zwischen 1985 und 2009 gingen rund 85’000 Hektaren an landwirtschaftlicher Nutzfläche und Sömmerungsfläche verloren. Die Schweiz gehört damit zu den europäischen Ländern mit einer der geringsten landwirtschaftlichen Ackerfläche pro Einwohner und einer der höchsten relativen Bevölkerungszunahme.
Über alle Nahrungsmittel beträgt der Selbstversorgungsgrad im Jahr 2020 56 Prozent brutto. Zieht man die importierten Futtermittel ab, so resultiert ein Netto-Selbstversorgungsgrad von durchschnittlich 49 %. Der leichte Rückgang der Vorjahre setzt sich dabei fort. Die rückläufige Tendenz ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die Bevölkerung stärker gewachsen ist als die Nahrungsmittelproduktion. Die ständige Wohnbevölkerung ist in den letzten zwanzig Jahren um rund einen Fünftel gewachsen. Als Folge dieser Bevölkerungszunahme stieg der gesamte Konsum von Nahrungsmitteln kontinuierlich an.11
Gleichzeitig hat sich auch das Verhalten der Unternehmen und Konsumenten über die Zeit verändert. Während früher vor allem Rohwaren in die Schweiz importiert und hier verarbeitet wurden, werden heute Fertigprodukte und zunehmend Halbfabrikate von Lebensmitteln importiert, die in der Schweiz nur noch weiterverarbeitet werden.
Die neue Strategie12 trägt den veränderten Rahmenbedingungen Rechnung. Sie sieht vor, dass in der Vorsorgephase insbesondere Vorgaben für die Lagerhaltung umgesetzt werden. Im Hinblick auf eine allfällige Ausdehnung der Produktion sind zudem für den Krisenfall die benötigten Fruchtfolgeflächen (FFF) und weiteren Produktionsgrundlagen sicherzustellen. Als FFF bezeichnet man das qualitativ bestgeeignete ackerfähige Kulturland.13
10 Strategische Ausrichtung der wirtschaftlichen Landesversorgung, BWL, 2018
11 Agrarbericht 2022 - Selbstversorgungsgrad
12 Strategische Ausrichtung der wirtschaftlichen Landesversorgung, BWL, 2018
13 Sachplan Fruchtfolgeflächen 2020