Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2025/20: Genehmigung der Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation Nr. 190 über die Beseitigung von Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt und Nr. 191 zur Änderung von Normen infolge der Anerkennung eines sicheren und gesunden Arbeitsumfelds als grundlegendes Prinzip · 32 Seiten

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Seite 18

Übereinkommen Nr. 100 über die Gleichheit des Entgelts männlicher und weiblicher Arbeitskräfte für gleichwertige Arbeit (1951)97

Gemäss dem Bundesgericht enthält dieses Übereinkommen keine direkt anwendbaren Bestimmungen:

«Da die Schweiz zurzeit an diese zwei Übereinkommen Nr. 100 und 111 gebunden ist, kann sich die Frage stellen, welche Verpflichtungen sie durch deren Ratifizierung, gerade auch derjenigen des Übereinkommens Nr. 100, eingegangen ist. Unter Vorbehalt der Ausübung der Kompetenzen der Bundesregierung, insbesondere in Sachen des Umgangs mit dem Bundespersonal, verfügt der Bund über keinen bestimmenden Einfluss auf die Lohnfestlegung. Wenn es um die kantonalen Angestellten oder die Privatwirtschaft geht, obliegt es ihm folglich durch das Übereinkommen einzig, die Anwendung des Grundsatzes der Lohngleichheit zu fördern. Das Übereinkommen kann überdies nicht direkt in das interne Recht eingegliedert und ohne Weiteres vollzogen werden, sodass die Anwendung des Grundsatzes, den es aufstellt, sicherlich eine vorgängige Einführung von Gesetzen oder Ausführungserlassen voraussetzt (vgl. Budiner, Le droit de la femme à l’égalité de salaire et la convention No 100, Paris 1975, S. 57 ff; Valticos, Conventions internationales du travail et droit interne, in: Revue critique de droit international privé, 1955, Nr 2)»98.

Übereinkommen Nr. 111 über die Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf (1958)99

Im Regeste eines Entscheids von 1980 hält das Bundesgericht fest: «Das Übereinkommen Nr. 111 über die Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf enthält keine unmittelbar anwendbare ("self-executing") Regel, welche ein gleiches Pensionierungsalter für Beamte und Beamtinnen verlangt (E.3)»100. Dennoch ist es interessant, die einschlägige Erwägung zu zitieren, da sie einerseits die vom Bundesgericht angewandte Methode verdeutlicht, und da andererseits daraus abgeleitet werden kann, dass das Übereinkommen Nr. 111 gemäss dem Bundesgericht keinerlei direkt anwendbaren Bestimmungen enthält:

«Das Übereinkommen Nr. 111, das für die Schweiz am 13. Juli 1962 in Kraft getreten ist, verpflichtet die Vertragsstaaten gemäss Art. 2 im Wesentlichen, eine innerstaatliche Politik festzulegen und zu verfolgen, die darauf abzielt, mit Methoden, die den innerstaatlichen Verhältnissen und Gepflogenheiten angepasst

97 Für die Schweiz am 25. Oktober 1973 in Kraft getreten, SR 0.822.720.0.

98 BGE 103 Ia 517, E. 4f. Französischer Originaltext: «La Suisse étant actuellement liée par ces deux conventions Nos

100 et 111, on peut se demander quelles sont les obligations qu’elle a juridiquement assumées par leur ratification, notamment par celle de la convention No 100. Sous réserve de l’exercice des compétences appartenant au pouvoir fédéral notamment en matière de fixation des traitements du personnel fédéral, la Confédération n’a pas d’influence déterminante sur la fixation des salaires ; il ne lui est dès lors demandé par la convention, en ce qui concerne les fonctionnaires cantonaux ou l’économie privée, que d’encourager l’application du principe de l’égalité de rémunération. La convention ne peut pour le surplus pas être incorporée directement dans le droit interne et être exécutoire comme telle, de sorte que l’application du principe qu’elle pose requiert certainement la mise en œuvre préalable de lois ou arrêtés d’exécution (cf. Budiner, Le droit de la femme à l’égalité de salaire et la convention No 100, Paris 1975, p. 57 ss ; Valticos, Conventions internationales du travail et droit interne, in Revue critique de droit international privé, 1955, No 2)».

99 Für die Schweiz am 13. Juli 1962in Kraft getreten, SR 0.822.721.1.

100 BGE 106 Ib 182, E. 3.