Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2018/49: Bundesgesetz über die Verbesserung der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenbetreuung · 38 Seiten

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Erläuternder Bericht zum Vorentwurf des Bundesgesetzes über die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit

und Angehörigenbetreuung

1.1.2 Gesundheitspolitische Herausforderungen

Gute Lebensbedingungen und ein gutes Gesundheitssystem ermöglichen der Schweizer Bevölkerung ein langes Leben. Viele Krankheiten, die früher fast immer tödlich verliefen, können heute behandelt werden. Allerdings sind akute Krankheitsphasen oft sehr betreuungs- und pflegeintensiv und nicht immer können Folgeschäden, die zu lebenslangen Beeinträchtigungen führen, vermieden werden.

Kinder mit schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen infolge Krankheit oder Unfall

Dank des medizinisch-therapeutischen Fortschritts werden Kinder mit unheilbaren Krankheiten, die zu früheren Zeiten an ihren Erkrankungen verstorben wären, heutzutage mehrheitlich wieder gesund oder sie erreichen mit teilweise krankheitsbedingten Einschränkungen das Erwachsenenalter. Bei Kindern sind jedoch die akuten Krankheitsphasen sehr betreuungs- und pflegeintensiv, da sie bei jedem Arztbesuch oder Spitalaufenthalt von mindestens einem Elternteil begleitet werden müssen.

Krankheiten und Unfälle, die zu schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen, sind oft mit langen Aufenthalten in Spitälern und/oder mehreren Hospitalisationen verbunden (vgl. Tabelle 1). Für das Jahr 2015 weist die Medizinische Statistik der Krankenhäuser des Bundesamtes für Statistik (BFS) rund 8‘400 Spitalaufenthalte von Kindern und Jugendlichen mit einer Dauer von mehr als einer Woche aus. Knapp 4‘400 Spitalaufenthalte dauerten mehr als zwei Wochen. Rund 60 Prozent aller Spitalaufenthalte von Kindern und Jugendlichen mit einer Dauer von mehr als 14 Tagen betreffen Jugendliche, die 12 Jahre oder älter sind. 7‘700 Kinder und Jugendliche wurden 2015 mehrfach stationär behandelt. Rund 2‘000 davon wurden mindestens dreimal hospitalisiert. Bei 160 Kindern waren im gleichen Jahr mehr als acht Hospitalisationen notwendig.

Tabelle 1 Anzahl Spitalaufenthalte nach Lebensalter und Aufenthaltsdauer im Jahr 2015

Alter 1 bis 2 Tage 3 bis 7 Tage 8 bis 14 Tage 15 und Total mehr Tage

Ab 91 Tage bis 5 Jahre alt 18‘945 7‘936 1‘440 892 29‘213 Ab 6 bis 11 Jahre 10‘688 3‘720 811 713 15‘932 Ab 12 bis 17 Jahre 16‘003 8‘111 1‘826 2‘758 28‘698

Total 45‘636 19‘767 4‘077 4‘363 73‘843

Quelle: Auswertung BFS, Medizinische Statistik der Krankenhäuser. Anzahl Fälle von 3-monatigen bis 17-jährigen Patientinnen und Patienten (erreichtes Alter bei der Hospitalisierung) ohne ambulante Fälle.

Zudem lebt in ca. 9‘200 Familien – meist infolge eines Geburtsgebrechens – ein (schwer) behindertes Kind, das dauerhaft auf Hilfe angewiesen ist.4

Gesundheitsprobleme im Erwachsenenalter

Eine Erhebung aus dem Jahr 2012 zeigt, dass bei Personen im Alter von 50 bis 64 Jahren ein Anteil von ca. 40 Prozent an einer oder mehreren chronischen Krankheiten leidet.5 Dieser Anteil nimmt mit steigendem Alter zu und beträgt bei den über 80-jährigen Personen gut 70 Prozent. Chronische Krankheiten können zwar ärztlich behandelt, aber nicht geheilt werden. Aufgrund der Alterung der Gesellschaft wird die absolute Anzahl Menschen, die an einer oder mehreren chronischen Krankheiten leiden, in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiter zunehmen. Am häufigsten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Krankheiten der Atmungsorgane, Diabetes, Depressionen und muskuloskelettale Erkrankungen. In den späteren Lebensjahren treten zudem nicht selten degenerative Veränderungen des Gehirns wie Demenzerkrankungen auf, die ein selbstständiges Leben stark einschränken können.

4 Bundesamt für Sozialversicherung (BSV). IV-Statistik 2013. Bern, S. 38.

5 Moreau-Gruet Florence. Multimorbidität bei Personen ab 50 Jahren. Obsan Bulletin 4/2013. Neuchâtel, Schweizerisches Gesundheitsobservatorium.