Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2010/146: 09.499 Pa.Iv. UREK-NR. Agrotreibstoffe. Indirekte Auswirkungen berücksichtigen · 39 Seiten
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1.3.1 Internationale Ansätze
Die Bestrebungen, Nachhaltigkeitskriterien für biogene Treibstoffe zu definieren und diese wirkungsvoll anzuwenden, haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Seit wenigen Jahren sind verschiedene private Standards in Erarbeitung, welche sich mit Nachhaltigkeitskriterien für biogene Treibstoffe befassen. Auf internationaler Ebene ist noch kein Standard auszumachen, der sich in naher Zukunft durchsetzen könnte, obwohl einige durchaus vielversprechend sind und es sich lohnt, deren Entwicklung zu verfolgen.
In der Folge werden einige wichtige Initiativen beschrieben, bei denen die Schweiz an der Erarbeitung beteiligt ist. Diese haben gemeinsam, dass es bisher noch nicht gelungen ist, die indirekten Auswirkungen der Produktion von biogenen Treibstoffen befriedigend zu berücksichtigen. Die Liste ist nicht abschliessend (es gibt weitere Standards wie z.B. Verified Sustainable Ethanol, Better Sugarcane Initiative oder das skandinavische Umweltzeichen Nordischer Schwan für Bioethanol).
Runder Tisch zu nachhaltigen biogenen Treibstoffen (Roundtable on Sustainable Biofuels, RSB)
Der RSB ist eine internationale Initiative von Produzenten, Wirtschaft, Wissenschaft und Nichtregierungsorganisationen, die vom Energy Center der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne (EPFL) geleitet wird und zum Ziel hat, einen Nachhaltigkeitsstandard sowie ein Zertifizierungssystem für biogene Treibstoffe zu entwickeln. Ein Label soll bestätigen, dass die zertifizierten biogenen Treibstoffe die Anforderungen des RSB bezüglich Klimaschutz, wirtschaftlicher Entwicklung sowie Energie- und Ernährungssicherheit einhalten und ausserdem ökologische und soziale Kriterien erfüllen.
Der RSB-Standard soll sämtliche Bereiche von der Produktion der Rohstoffe bis zur Verwendung des Treibstoffs abdecken. Es wurden zwölf allgemeine Grundsätze definiert, so etwa im Hinblick auf die Einbindung lokaler Akteure, die Verminderung der Treibhausgasemissionen, die Erhaltung der Ökosysteme und die Ernährungssicherheit. Konkretisiert werden diese Grundsätze durch präzisere Kriterien, deren Einhaltung mittels Konformitätsindikatoren überprüft werden soll. Ziel des RSB ist es, einen Standard zu entwickeln, der mit der Gesetzgebung jedes einzelnen Marktes vereinbar ist. Bei Bedarf könnte demnach eine mit den Erfordernissen der schweizerischen Gesetzgebung kompatible Version des RSB-Standards ausgearbeitet werden.
Das Label, welches die Einhaltung des Standards bestätigt, soll von einer unabhängigen Drittpartei verliehen werden. Der Zertifizierungsprozess soll ein Risikomanagementmodell umfassen, das eine verstärkte Kontrolle risikobehafteter Tätigkeiten ermöglicht und gleichzeitig flexibel ist. Die verschiedenen Rückverfolgungssysteme (getrennte Warenflüsse, Massenbilanz7, etc.) sind definiert und befinden sich in der Testphase.
7 Ein Massenbilanzsystem erlaubt es, Lieferungen von Rohstoffen oder biogenen Treibstoffen mit unterschiedlichen Nachhaltigkeitseigenschaften zu mischen. Die beigemischte Menge an biogenen Treibstoffen, welche die Kriterien erfüllen, muss der Menge entsprechen, die dem Gemisch entnommen werden kann (analog zur Handhabung von Ökostrom); d.h. die