Das Verfahren vor dem Berner Kindes- und Erwachsenenschutzgericht
- Herausgeber/innen
- Daniel Huerlimann, Marc Thommen
- Reihe
- sui generis 012
- Verlag
- sui generis Verlag
- Sprache
- Deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0 ↗
- DOI
- 10.38107/012
3.2Ausschöpfung des Instanzenzugs
504Die Beschwerde in Zivilsachen ist nach Art. 75 Abs. 1 BGG zulässig gegen Entscheide letzter kantonaler Instanzen. Die Kantone setzen nach Art. 75 Abs. 2 BGG als letzte Instanzen obere Gerichte ein, die unter Vorbehalt der in Buchstaben a–c dieser Bestimmung genannten Fälle686 als Rechtsmittelinstanzen entscheiden. Somit verlangt das Bundesrecht im kantonalen Verfahren einen doppelten Instanzenzug (sog. Prinzip der double instance)687. Gleichzeitig sind rechtsuchende Personen verpflichtet, den kantonalen Instanzenzug zu durchlaufen, bevor sie Beschwerde ans Bundesgericht erheben688. Der Begriff des kantonalen Rechtsmittels umfasst dabei jeden Rechtsbehelf, der einen Anspruch auf einen Entscheid der angerufenen Behörde gibt und geeignet ist, den behaupteten rechtlichen Nachteil zu beseitigen689. Auf direkt gegen Entschiede unterer Instanzen gerichtete Beschwerden tritt das Bundesgericht nicht ein690, 691.
683 Urteil des Bundesgerichts 5A_396/2017 vom 24. Mai 2017 E. 1.
684 Urteile des Bundesgerichts 5A_71/2019 vom 16. Juni 2020 E. 1.2; 5A_345/2019 vom
24. Juli 2019 E. 1.2; 5A_1000/2017 vom 15. Juni 2018 E. 1.1.1.
685 Urteile des Bundesgerichts 5A_87/2019 vom 26. März 2019 E. 1.2; 5A_211/2014 vom
14. Juli 2014 E. 1; 5A_655/2013 vom 29. Oktober 2013 E. 1.1.
686 Hinzu kommt als weitere (wichtige) Ausnahme der Fall, dass das mit einem Rechts-
mittelverfahren befasste obere kantonale Gericht im Rahmen dieses Verfahrens einen Zwischenentscheid (z.B. über den Ausstand eines Mitglieds des oberen Gerichts) fällt (BGE 138 III 41 E. 1.1 S. 42 f.; 137 III 424 E. 2.2 S. 426 f.).
687 BGE 141 III 188 E. 4.1 S. 190; 139 III 252 E. 1.6 S. 255.
688 BGE 139 III 120 E. 3.1.1 S. 122; 138 III 130 E. 2.1 S. 131; 135 III 1 E. 1.2 S. 3.
689 BGE 140 III 289 E. 1.1 S. 290; 139 III 516 E. 1.1 S. 518 f. Erfasst werden auch ausserordent-
liche Rechtsmittel, sofern damit sämtliche vor Bundesgericht zulässigen Rügen erhoben werden können (BGE 133 III 585 E. 3.1 S. 586 f.), sowie die Erläuterung und Berichtigung (Urteile des Bundesgerichts 5D_141/2015 vom 18. Januar 2016 E. 1.2.2; 5D_66/2014 vom 6. Oktober 2014 E. 2.3.2).
690 BGE 141 III 188 E. 4.1; für Ausnahmen vgl. BGE 143 III 290 E. 1.3 S. 294 m.H.
691 Liegt ein Rechtsmittelentscheid vor, ist es sodann aufgrund des Devolutiveffekts —
dieser lässt das Verfahren auf die obere Instanz übergehen (vgl. bereits Kummer [1984], S. 190; s. auch oben Rz. 34 und Rz. 219) — unzulässig, vor Bundesgericht gleich- wohl (auch) den erstinstanzlichen Entscheid anzufechten. Der Entscheid der Erstinstanz wird durch denjenigen der oberen Instanz ersetzt (BGE 134 II 142 E. 1.4 S. 144; Urteil des Bundesgerichts 5A_550/2016 vom 3. Februar 2017 E. 1.3).
— S. 177 —505Aus dem sich dergestalt aus Art. 75 BGG ergebenden Begriff der Letztinstanzlichkeit schliesst das Bundesgericht, dass der kantonale Instanzenzug nicht nur formell durchlaufen werden soll, sondern dass Rügen, die dem Bundesgericht unterbreitet werden, soweit möglich bereits vor der Vorinstanz vorgetragen werden müssen692. Nach diesem Grundsatz der materiellen Erschöpfung des Instanzenzugs693 sind neue rechtliche Vorbringen vor Bundesgericht grundsätzlich unzulässig. Nicht abschliessend geklärt ist allerdings, in welchem Umfang dieser Grundsatz zur Anwendung gelangt. Nach der hier besonders interessierenden Praxis der II. zivilrechtlichen Abteilung694 ist die materielle Erschöpfung des Instanzenzugs jedenfalls dort zu beachten, wo das Bundesgericht das Recht nicht von Amtes wegen anwendet, sondern das strenge Rügeprinzip nach Art. 106 Abs. 2 BGG gilt, also namentlich bei der Rüge der Verletzung von Grundrechten695. Neue rechtliche Vorbringen werden dagegen teilweise zugelassen, wo das Bundesgericht das Recht von Amtes wegen anwendet696 und die rechtsuchende Partei sich im Rahmen des von der Vorinstanz festgestellten Sachverhalts 692 BGE 143 III 290 E. 1.1 S. 292 f.; 134 III 524 E. 1.3 S. 527. Als weitere Grundlage dieser Praxis wird teilweise auch der Grundsatz von Treu und Glauben genannt (BGE 133 III 639 E. 2 S. 640; Urteile des Bundesgerichts 5A_185/2019 vom 26. September 2019 E. 4.1; 5A_466/2019 vom 25. September 2019 E. 2.3). Die Pflicht zum sofortigen Vortragen sämtlicher Rügen trifft wohlgemerkt nicht nur die Partei, die im kantonalen Verfahren Beschwerde erhoben, sondern auch jene, die als Beschwerdegegnerin an diesem Verfahren teilgenommen hat (Urteile des Bundesgerichts 5A_636/2019 vom 11. Oktober 2019 E. 2.4; 5A_176/2019 vom 26. Juni 2019 E. 2.2; 5A_136/2014 vom 5. November 2014 E. 3.3.3). Ein Vorbringen kann allerdings nicht bereits im kantonalen Rechtsmittelverfahren und darf erstmals vor Bundesgericht erhoben werden, wenn das obere kantonale Gericht sich aufgrund von zulässigerweise vorgetragenen Noven erstmals mit einer bestimmten Frage auseinandersetzte (Urteil des Bundesgerichts 5A_808/2018 vom 15. Juli 2019 E. 4.1). Zum Zusammentreffen des Grundsatzes der materiellen Erschöpfung des Instanzenzugs und der Untersuchungsmaxime vgl. Urteil 5A_242/2019 vom 27. September 2019 E. 3.3.
693 Zu diesem Begriff vgl. etwa Urteile des Bundesgerichts 5A_171/2019 vom 17. April 2019
E. 6.2.2; 5A_75/2018 vom 18. Dezember 2018 E. 9.2; 5A_593/2007 vom 15. Mai 2008 E. 4.2.2.
694 Diese Abteilung ist zur Beurteilung von Beschwerden im Bereich des Kindes- und
Erwachsenenschutzes zuständig (Art. 32 Abs. 1 lit. a Ziff. 2 des Bundesgerichtsreglements [BGerR]).
695 Urteile des Bundesgerichts 5A_398/2019 vom 5. September 2019 E. 8.1; 5A_973/2017
vom 4. Juni 2019 E. 6.1.2; 5A_757/2018 vom 20. Mai 2019 E. 5; 5A_30/2019 vom 8. Mai 2019 E. 6.2; 5A_136/2014 vom 5. November 2014 E. 3.3.3. In diesem Sinne bereits BGE 133 III 639 E. 2 S. 640. Kritisch dazu Kneubühler (2019), S. 488 ff. m.H. auf den in eine andere Richtung deutenden BGE 142 I 155 E. 4.4.6 S. 158 f.; ebenso Urteile des Bundesgerichts 1C_135/2019 vom 4. September 2019 E. 2; 2C_49/2019 vom 16. Mai 2019 E. 8.1; 4A_549/2018 vom 4. März 2019 E. 4.3; 1C_265/2017 vom 25. Juni 2018 E. 2.4.
696 D.h. bei der Anwendung von einfachem Bundesgesetzes- und -verordnungsrechts
(vgl. Art. 106 Abs. 1 BGG).
— S. 178 —bewegt697. Auch im Bereich der Rechtsanwendung von Amtes wegen hat die II. zivilrechtliche Abteilung es indes verschiedentlich abgelehnt, neue rechtliche Vorbringen zu hören698. Damit empfiehlt es sich für Rechtsuchende jedenfalls, sämtliche Rechtsrügen so früh als möglich in das Kindes- oder Erwachsenenschutzverfahren einzubringen699.
4.Streitwert
506In vermögensrechtlichen Angelegenheiten hängt die Zulässigkeit der Beschwerde in Zivilsachen vom Erreichen eines bestimmten Streitwerterfordernisses ab700. Eine vermögensrechtliche Angelegenheit liegt dabei vor, wenn mit der Beschwerde letztlich und überwiegend ein wirtschaftlicher Zweck verfolgt wird701. Massnahmen des Kindes- und Erwachsenenschutzes dienen dem Wohl und dem Schutz der betroffenen Person702, womit sie regelmässig keinen derartigen Zweck haben und nicht vermögensrechtlicher Natur sind. Beispielhaft zu nennen sind die Anordnung einer Beistandschaft703 oder der Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts und die Unterbringung eines Kindes704. Auch ein Kindes- oder Erwachsenen- 697 BGE 135 III 49 E. 5.1 S. 52 f.; Urteile des Bundesgerichts 5A_562/2019 vom 9. Oktober 2019 E. 1.3; 5A_1023/2018 vom 8. Juli 2019 E. 2.1; 5A_593/2018 vom 21. September 2018 E. 1.3; 5A_605/2012 vom 5. Juni 2013 E. 3.2.1; 5A_426/2010 vom 8. März 2011 E. 1.4; vgl. auch BGE 142 I 155 E. 4.4.5 S. 157 f.; 136 V 362 E. 4.1 S. 366; 134 III 643 E. 5.3.2 S. 651.
698 Ausdrücklich Urteil des Bundesgerichts 5A_980/2018 vom 5. Juni 2019 E. 1.3; vgl. wei-
ter Urteile des Bundesgerichts 5A_164/2019 vom 20. Mai 2020 E. 3.3.4; 5A_636/2019 vom 11. Oktober 2019 E. 2.4; 5A_176/2019 vom 26. Juni 2019 E. 2.2; 5A_438/2018 vom 30. Oktober 2018 E. 4.4.
699 Im Zweifelsfall sollte in der Beschwerde ans Bundesgericht ausserdem aufgezeigt
werden, dass die entsprechenden Rügen im vorinstanzlichen Verfahren tatsächlich erhoben worden waren, da die materielle Erschöpfung des Instanzenzugs wie jede Eintretensvoraussetzung von der beschwerdeführenden Person darzutun ist (Art. 42 Abs. 2 BGG; Urteile des Bundesgerichts 5A_510/2019 vom 31. Oktober 2019 E. 4.3; 5A_30/2019 vom 8. Mai 2019 E. 6.2; 5A_171/2019 vom 17. April 2019 E. 6.2.2; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 4A_209/2019 vom 8. Oktober 2019 E. 4.2; allgemein zur Begründungspflicht vgl. unten Rz. 518 ff.).
700 Art. 74 Abs. 1 BGG.
701 BGE 144 III 310 E. 1.1 S. 311; 142 III 145 E. 6.1 S. 149; 139 II 404 E. 12.1 S. 448; 135 III 578 E. 6.3
S. 581; 118 II 528 E. 2c S. 531 f.; 116 II 379 E. 2a S. 380.
702 Art. 307 Abs. 1 und Art. 388 Abs. 1 ZGB; BGE 143 III 183 E. 4.2.4 S. 188; Urteile des Bun-
desgerichts 5A_757/2018 vom 20. Mai 2019 E. 4.3.2; 5A_621/2018 vom 11. April 2019 E. 3.1; 5A_469/2018 vom 14. Dezember 2018 E. 2; 5A_65/2017 vom 24. Mai 2017 E. 3.2.
703 Urteile des Bundesgerichts 5A_501/2019 vom 18. Oktober 2019 E. 1.1; 5A_902/2018 vom
14. August 2019 E. 1.1; 5A_1024/2018 vom 12. August 2019 E. 1.1.
704 Urteile des Bundesgerichts 5A_379/2019 vom 26. September 2019 E. 1; 5A_300/2018
vom 28. Mai 2018 E. 1.1.
— S. 179 —schutzverfahren kann aber wirtschaftlichen Zwecken dienen. Dies ist in der Praxis insbesondere im Zusammenhang mit den vermögensrechtlichen Aspekten der Beistandschaft der Fall. So bejahte das Bundesgericht das Vorliegen einer vermögensrechtlichen Angelegenheit etwa bei einem Streit um die Entschädigung der Beistandsperson705 und darüber, durch wen diese Entschädigung zu tragen ist706. Ebenfalls vermögensrechtlicher Natur ist der Konflikt um die Genehmigung der Schlussrechnung nach Art. 425 ZGB707 oder um die Höhe der Beiträge, welche eine verbeiständete Person zur freien Verfügung erhält708. Einen wirtschaftlichen Zweck nahm das Bundesgericht weiter an bei Beschwerden im Zusammenhang mit der Erlaubnis zum Abschluss bestimmter zustimmungsbedürftiger Geschäfte nach Art. 416 Abs. 1 ZGB709 und bei einer Beschwerde gegen die Weisung der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde, das Vermögen der verbeiständete Person auf eine bestimmte Art und Weise anzulegen710. Eine vermögensrechtliche Angelegenheit betraf auch eine Beschwerde gegen den Entscheid über die Kosten einer fürsorgerischen Unterbringung711. Stehen in einem Verfahren sowohl vermögensrechtliche wie auch nicht vermögensrechtliche Fragen in Streit, ist die gesamte Beschwerde ohne Streitwerterfordernis zulässig712.
705 Art. 404 ZGB; vgl. Urteile des Bundesgerichts 5A_503/2016 vom 23. Dezember 2016
E. 1.1; 5A_531/2015 vom 24. November 2015 E. 1; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 5A_924/2019 vom 20. November 2019 E. 1 betreffend die Entschädigung einer Kindesvertretung nach Art. 314abisZGB.
706 Urteil des Bundesgerichts 5A_74/2015 vom 11. August 2015 E. 2.1.
707 Urteile des Bundesgerichts 5A_35/2019 vom 11. November 2019 E. 1.1; 5A_151/2014 vom
4. April 2014 E. 1; 5A_665/2013 vom 23. Juni 2014 E. 1.1; 5A_587/2012 vom 23. November 2012 E. 1.1; 5D_215/2011 vom 12. September 2012 E. 1.
708 Urteil des Bundesgerichts 5A_379/2017 vom 5. Dezember 2017 E. 1.1.
709 Urteile des Bundesgerichts 5A_165/2019 vom 16. August 2019 E. 1.1; 5A_750/2015 vom
4. März 2016 E. 1.1; 5A_311/2015 vom 11. September 2015 E. 1.1; 5A_980/2014 vom 27. August 2015 E. 1.1; 5A_379/2014 vom 4. Juli 2014 E. 1. Als nicht vermögensrechtlich hat das Bundesgericht allerdings den Streit um die Zustimmung zur gerichtlichen Geltendmachung von Pensionskassenansprüchen eingestuft (vgl. Art. 416 Abs. 1 Ziff. 9 ZGB; Urteil des Bundesgerichts 5A_706/2013 vom 5. Dezember 2013 E. 1).
710 Urteil des Bundesgerichts 5A_502/2016 vom 19. Dezember 2016 E. 1.1.
711 Urteil des Bundesgerichts 5A_757/2018 vom 20. Mai 2019 E. 1.
712 Urteile des Bundesgerichts 5A_733/2019 vom 28. Oktober 2019 E. 2; 5A_187/2017 vom
20. Juli 2017 E. 1.1; vgl. auch BGE 137 III 380 E. 1.1 S. 382; Urteile des Bundesgerichts 5A_312/2019 vom 17. Oktober 2019 E. 1.1; 5A_422/2018 vom 26. September 2019 E. 1.3.
— S. 180 —507Liegt eine vermögensrechtliche Angelegenheit vor, ist die Beschwerde in Zivilsachen im Bereich des Kindes- und Erwachsenenschutzes zulässig, sofern der Streitwert mindestens CHF 30’000 beträgt713. Erreicht der Streitwert diesen Betrag nicht, kann dennoch Beschwerde erhoben werden, wenn sich eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung stellt714. Falls weder der Streitwert erreicht wird noch eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung zu beantworten ist, scheidet die Beschwerde in Zivilsachen aus und ist die rechtsuchende Person auf die subsidiäre Verfassungsbeschwerde verwiesen715.
5.Beschwerdebefugnis
508Wie dargelegt, richtet sich die Befugnis für die Beschwerde an das Kindes- und Erwachsenenschutzgericht nach Art. 450 Abs. 2 ZGB716. Für das Verfahren vor dem Bundesgericht ist dagegen allein das Bundesgerichtsgesetz massgebend und nicht das Zivilgesetzbuch717. Die Beschwerdelegitimation bestimmt sich nach Art. 76 Abs. 1 BGG718. Demnach ist zur Beschwerde in Zivilsachen berechtigt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen oder keine Möglichkeit zur Teilnahme erhalten hat (lit. a) sowie durch den angefochtenen Entscheid besonders berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung hat (lit. b). Dabei ist es im Zweifelsfall Sache der beschwerdeführenden Person, ihre Beschwerdeberechtigung dazulegen719.
509Keine spezifischen Probleme ergeben sich im Bereich des Kindes- und Erwachsenenschutzes bezüglich der ersten dieser Voraussetzungen, der Teilnahme am vorinstanzlichen Verfahren720. Wer sich zu Unrecht als vom — S. 181 —kantonalen Verfahren ausgeschlossen erachtet, muss insbesondere nachweisen, dass ihm eine Teilnahme trotz sorgfältiger Wahrung seiner Interessen nicht möglich war721. Zu erwähnen ist, dass der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde als verfügender Behörde im kantonalen Verfahren keine Parteistellung zukommt, weshalb sie nicht im Sinne von Art. 76 Abs. 1 lit. a BGG an diesem Verfahren teilnimmt und vor Bundesgericht nicht zur Beschwerde legitimiert ist722. Das schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung oder Änderung des an-510 gefochtenen Entscheids, welches Art. 76 Abs. 1 lit. b BGG weiter voraussetzt723, besteht im praktischen Nutzen an der Gutheissung der Beschwerde, welcher es der beschwerdeführenden Person ermöglicht, einen Nachteil wirtschaftlicher, ideeller, materieller oder anderweitiger Natur, den der angefochtene Entscheid mit sich brächte, zu vermeiden724. Im vorliegenden Kontext ist insbesondere an die Aufhebung der ursprünglich angeordneten Massnahme, etwa einer Beistandschaft, zu denken725. Das schutzwürdige Interesse muss aktuell und praktisch, mithin im Zeitpunkt des bundesgerichtlichen Urteils noch vorhanden sein. Das Bundesgericht soll nicht bloss theoretische Fragen entscheiden726. Liegt im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung ein schutzwürdiges Interesse vor, fällt es aber nachträglich weg, ist 721 Urteil des Bundesgerichts 5A_342/2018 vom 25. September 2018 E. 2; allgemein vgl.
713Art. 74 Abs. 1 lit. b BGG; zur Berechnung des Streitwerts vgl. Art. 51 ff. BGG. Rechtsbegehren, die eine Geldsumme zum Gegenstand haben, sind dabei entsprechend den allgemeinen Erfordernissen im Regelfall zu beziffern, das Bundesgericht ansonsten auf die Beschwerde nicht eintritt (BGE 143 III 111 E. 1.2 S. 112; 134 III 235 E. 2 S. 236).
714Art. 74 Abs. 2 lit. a BGG; zum Begriff der Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung vgl. BGE 144 III 164 E. 1 S. 165; 141 III 159 E. 1.2 (einleitend) S. 161.
715Art. 113 ff. BGG; vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_2/2019 vom 1. Juli 2019 E. 1.2 und 1.3. Zur subsidiären Verfassungsbeschwerde vgl. unten Rz. 534 ff.
716Oben Rz.152 ff.; zur fürsorgerischen Unterbringung vgl. oben Rz. 340 ff.
717Urteile des Bundesgerichts 5A_711/2019 vom 23. September 2019 E. 1; 5A_600/2017 vom 17. August 2017 E. 1; 5A_522/2016 vom 14. März 2017 E. 2.2.2.
718Urteile des Bundesgerichts 5A_687/2020 vom 26. Mai 2020 E. 2.1; 5A_542/2019 vom 30. Juli 2019 E. 3.1; 5A_18/2019 vom 6. Juni 2019 E. 3.1.
719BGE 138 III 537 E. 1.2 (einleitend) S. 539; 133 II 353 E. 1 S. 356.
720Zum Fall, dass ein Kind während des Unterhaltsprozesses volljährig wird, vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_817/2016 vom 1. Mai 2017 E. 1.1; hier lässt das Bundesgericht es genügen, dass das Kind sich im vorinstanzlichen Verfahren dem Standpunkt des Elternteils angeschlossen hat.
BGE 135 I 187 E. 1.3 S. 189 f.; 135 II 172 E. 2.2.1 S. 175 f.; 133 II 181 E. 3.2.1 S. 187 f.; Urteil des Bundesgerichts 5A_349/2018 vom 18. Juni 2018 E. 3.
722 BGE 141 III 353 E. 4 S. 354 f.
723 Zur weiteren Voraussetzung der besonderen Berührtheit durch den angefochtenen
Entscheid und zu ihrem Verhältnis zum schutzwürdigen Interesse vgl. Klett (2018), N. 4a zu Art. 76 BGG.
724 Statt vieler BGE 143 III 578 E. 3.2.2.2 S. 587 f. Zum Feststellungsinteresse BGE 141 II 113
E. 1.7 S. 123; 136 III 102 E. 3.1 S. 103; 135 III 378 E. 2.2 S. 380; für den Bereich des Kindes- und Erwachsenenschutzes ergeben sich insoweit keine Besonderheiten (vgl. Urteile des Bundesgerichts 5A_826/2018 vom 25. Februar 2019 E. 1.6; 5A_825/2017 vom 1. November 2017 E. 1.4).
725 Hier wirkt sich — wie für die nachträgliche Verwaltungsrechtspflege üblich; beim
Erwachsenenschutz und Kindesschutz im engeren Sinne handelt es sich materiell um öffentliches Recht (oben, Rz. 499) — die Betroffenheit in der Sache auf das Beschwerderecht und damit die Prozessvoraussetzungen aus. Dies im Gegensatz zum klassischen Zivilprozess (und auch der ursprünglichen Verwaltungsrechtspflege), wo zwischen Sachlegitimation und Rechtsmittellegitimation zu differenzieren ist (vgl. Gygi (1983), S. 149 f.; Urteile des Bundesgerichts 5A_104/2019 vom 13. Dezember 2019 E. 1.1; 5A_89/2011 vom 1. September 2011 E. 2.1; 5P.331/2002 vom 12. Dezember 2002 E. 1.2.2).
726 Statt vieler BGE 140 III 92 E. 1.1 S. 93 f.; 135 III 513 E. 7.2 S. 525. Ausnahmsweise verzichtet
das Bundesgericht auf das Erfordernis eines aktuellen und praktischen Interesses, wenn die gerügte Rechtsverletzung sich jederzeit wiederholen könnte und eine rechtzeitige Überprüfung im Einzelfall kaum je möglich wäre (sog. virtuelles Interesse; hinten Rz. 540, Fn. 907.
— S. 182 —der Rechtsstreit als gegenstandslos geworden abzuschreiben727. Mangelt es dagegen bereits bei Einreichung der Beschwerde an einem schutzwürdigen Interesse, tritt das Bundesgericht nicht auf diese ein728. 511 Die Beschwerdeberechtigung nach Art. 76 Abs. 1 lit. b BGG setzt ein eigenes schutzwürdiges Interesse der beschwerdeführenden Person an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids voraus. Mit der Beschwerde in Zivilsachen können nicht die Interessen Dritter geltend gemacht werden729. Die der betroffenen Person nahestehenden Personen, welche nicht eigene Interessen, sondern jene der betroffenen Person wahrnehmen730, können daher zwar nach Art. 450 Abs. 2 Ziff. 2 ZGB Beschwerde bei der kantonalen Beschwerdeinstanz einreichen, sind vor Bundesgericht jedoch nicht beschwerdeberechtigt731. Der Umstand allein, dass sie im kantonalen Verfahren als Partei aufgetreten sind, legitimiert sie nicht zur Beschwerde in Zivilsachen732. Aus diesem Grund hat das Bundesgericht beispielsweise die Beschwerdelegitimation der Eltern, Geschwister oder Kinder einer von einer fürsorgerischen Unterbringung betroffenen Person verneint733. Ebenso trat es auf Beschwerden von Eltern, Geschwistern oder Kindern nicht ein, die sich (allein) dagegen zur Wehr setzten, dass ihren Verwandten ein Beistand bestellt wurde734. Nicht zur Beschwerde berechtigt sind weiter die Eltern, die den Streit um die Absetzung des Beistands der 727 Art. 71 BGG i.V.m. Art. 72 BZP; Art. 32 Abs. 2 BGG.
728 BGE 136 III 497 E. 2.1 S. 500.
729 Urteile des Bundesgerichts 5A_542/2019 vom 30. Juli 2019 E. 3.1; 5A_911/2015 vom 21. Ja-
nuar 2016 E. 3.1; 5A_892/2017 vom 23. August 2018 E. 4.3; vgl. auch BGE 141 II 307 E. 6.2. Entsprechend der allgemeinen Grundsätze liegt es wiederum an der beschwerdeführenden Person darzulegen, dass sie vor Bundesgericht ein eigenes schutzwürdiges Interesse geltend macht (Urteil des Bundesgerichts 5A_18/2019 vom 6. Juni 2019 E. 3.2).
730 Oben Rz. 165.
731 Urteil des Bundesgerichts 5A_345/2015 vom 3. Juni 2015 E. 1.2.2.
732 Urteile des Bundesgerichts 5A_687/2019 vom 26. Mai 2020 E. 2.2; 5A_310/2015 vom
20. April 2015 E. 2; 5A_238/2015 vom 16. April 2015 E. 2.
733 Urteile des Bundesgerichts 5A_542/2019 vom 30. Juli 2019 E. 3; 5A_310/2015 vom 20. Ap-
ril 2015 E. 2; 5A_238/2015 vom 16. April 2015 E. 2.
734 Urteile des Bundesgerichts 5A_252/2018 vom 20. März 2018 E. 3; 5A_1012/2017 vom
25. Juni 2018 E. 4; 5A_911/2015 vom 21. Januar 2016 E. 3; 5A_345/2015 vom 3. Juni 2015 E. 1.2.2; 5A_236/2015 vom 8. Mai 2015 E. 1.3. Anzumerken bleibt, dass es sich dabei jeweils um volljährige Betroffene handelte. Unproblematisch ist es demgegenüber, wenn die sorgeberechtigten Eltern für ihre minderjährigen Kinder Beschwerde erheben (wobei dem Kind Parteistellung zukommt; Urteile des Bundesgerichts 5A_371/2019 vom 24. Juli 2019 E. 1.1; 5A_765/2016 vom 18. Juli 2017 E. 1; 5A_156/2016 vom 12. Mai 2017 E. 1; 5A_404/2015 vom 27. Juni 2016 E. 1; zur Beschwerde eines nicht sorgeberechtigten Vaters vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_459/2016 vom 21. September 2016 E. 1.2.2).
— S. 183 —Tochter vor das Bundesgericht tragen wollen735 und die sich gegen die Zustimmung der Behörde zum Abschluss eines Heimvertrags für die Tochter wehren736. Unzulässig war weiter die Beschwerde einer zur Mitbeiständin des Vaters ernannten Tochter, die sich mit dem Argument gegen die Ernennung einer weiteren Beistandsperson wehrte, dadurch werde der Wille des Vaters missachtet und dessen Vermögen unnötig belastet737. Keine Beschwerdelegitimation kommt sodann dem Sohn zu, der sich gegen die Feststellung der Wirksamkeit des Vorsorgeauftrags des Vaters und der Eignung des Vorsorgebeauftragten wehrt738. Ein schutzwürdiges Interesse an der Beschwerdeführung in der Sache wird auch nicht dadurch begründet, dass der nahestehenden Person die Prozesskosten des kantonalen Verfahrens auferlegt wurden739. Denn die Belastung mit den Kosten schafft keine Möglichkeit, indirekt über den Kostenentscheid eine Überprüfung des Entscheids in der Hauptsache zu erlangen740. Dagegen ist ein Sohn dazu berechtigt, die Einweisung seiner Mutter in ein Alters- und Pflegeheim anzufechten, wenn ihm dadurch das Recht abgesprochen wird, diese persönlich zu betreuen741. Ebenfalls zur Beschwerde in Zivilsachen legitimiert ist der Beistand, der durch die angefochtene Massnahme in seinem Aufgabenbereich betroffen wird und dem gegebenenfalls Verantwortlichkeitsansprüche drohen742.
6.Beschwerdefrist
512Bezüglich der Beschwerdefrist kennt das Bundesgerichtsgesetz im Bereich des Kindes- und Erwachsenenschutzes keine Besonderheiten: Die Beschwerde ist innert 30 Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des angefochtenen — S. 184 —Entscheids einzureichen743. Die Frist beginnt an dem auf die Eröffnung des kantonalen Entscheids folgenden Tag zu laufen744, 745. Fällt der letzte Tag der Frist auf einen Samstag, einen Sonntag oder einen vom Bundesrecht oder vom kantonalen Recht746 anerkannten Feiertag, so endet sie am nächstfolgenden Werktag747. Ausser in Verfahren betreffend aufschiebende Wirkung und andere vorsorgliche Massnahmen748 steht die Frist sodann vom siebenten Tag vor Ostern749 bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar still750. Dies bedeutet, dass die Frist, die bereits zu laufen begonnen hat, in diesen Zeiträumen ruht und erst nach dem Ende dieser Gerichtsferien weiterläuft und die Frist, die noch nicht ausgelöst wurde, erst nach den Gerichtsferien zu laufen beginnt751. Um die Beschwerdefrist zu 743 Art. 100 Abs. 1 BGG; Urteile des Bundesgerichts 5A_668/2019 vom 28. Januar 2020 E. 2.1; 5A_593/2010 vom 29. September 2010 E. 1.1. Dies gilt auch dort, wo das kantonale Recht die Möglichkeit vorsieht, einen Entscheid vorab nur im Dispositiv zu eröffnen (vgl. dazu Art. 112 Abs. 2 BGG). Diesfalls muss die betroffene Person erst einen begründeten Entscheid verlangen, den sie dann innerhalb der Frist von Art. 100 Abs. 1 BGG anfechten kann (Urteil des Bundesgerichts 5A_228/2019 vom 28. März 2019 E. 2). Zum Fall der nachträglichen Berichtigung des kantonalen Entscheids siehe Urteil des Bundesgerichts 5A_943/2015 vom 10. März 2016 E. 1.1. Verspätet sind Rügen, die nicht in der (rechtzeitig eingereichten) Beschwerde, sondern erst im Laufe des nachfolgenden Schriftenwechsels vorgebracht werden (BGE 143 II 283 E. 1.2.3; Urteile des Bundesgerichts 5A_585/2019 vom 3. September 2019 E. 2; 5A_626/2018 vom 3. April 2019 E. 3.2, nicht publ. in: BGE 145 III 423; 5A_255/2017 vom 18. Mai 2017 E. 1.4, nicht publ. in: BGE 143 III 337; 5A_297/2016 vom 2. Mai 2017 E. 1.2, nicht publ. in: BGE 143 III 233).
735Urteil des Bundesgerichts 5A_295/2015 vom 29. Juni 2015 E. 1.2.3.1; siehe auch das Urteil des Bundesgerichts 5A_687/2019 vom 26. Mai 2020 betreffend einen Sohn, der die Absetzung des Beistands der Mutter erreichen wollte. Das Bundesgericht hielt insbesondere fest, auch die Stellung als Erbe ermächtige den Sohn nicht zur Beschwerde in Zivilsachen (E. 2.5).
736Urteil des Bundesgerichts 5A_892/2017 vom 23. August 2018 E. 4.
737Urteil des Bundesgerichts 5A_787/2015 vom 3. März 2016 E. 1.2.2.
738Urteil des Bundesgerichts 5A_559/2016 vom 1. März 2017 E. 2.
739Urteil des Bundesgerichts 5A_18/2019 vom 6. Juni 2019 E. 3.2.
740Beschwerde kann aber gegen die Kostenauferlegung als solche erhoben werden. Zulässig ist dabei einzig das Vorbringen, die Kostenverlegung sei aus einem anderen Grund als dem blossen Umstand des Unterliegens in der Hauptsache aufzuheben oder zu ändern (Urteil des Bundesgerichts 4A_364/2014 vom 18. September 2014 E. 1.2.2).
741Urteil des Bundesgerichts 5A_338/2015 vom 1. Juli 2015 E. 1.1.
742Urteil des Bundesgerichts 5A_502/2016 vom 19. Dezember 2016 E. 1.2.
744 Art. 44 Abs. 1 BGG; Urteile des Bundesgerichts 5A_251/2019 vom 26. März 2019 E. 1;
5A_823/2018 vom 4. Oktober 2018 E. 1. Kann das Urteil der betroffenen Person nicht übergeben werden, gilt es am siebenten Tag nach dem ersten erfolglosen Zustellungs- versuch als zugestellt (Art. 44 Abs. 2 BGG; Urteile des Bundesgerichts 5A_850/2018 vom 19. November 2018 E. 1; 5A_599/2018 vom 24. Juli 2018 E. 1; 5A_1052/2017 vom 10. Januar 2018 E. 1).
745 Dabei gilt der Grundsatz, dass einer Partei aus der mangelhaften Eröffnung eines Ent-
scheids keine Nachteile erwachsen dürfen (Art. 49 BGG und dazu BGE 135 III 374 E. 1.2 S. 376 f.; Urteile des Bundesgerichts 4A_475/2018 vom 12. Dezember 2019 E. 5.1; vgl. auch BGE 138 I 49 E. 8.3.2 S. 53 f.; Urteil des Bundesgerichts 5A_1017/2018 vom 1. April 2019 E. 1.2.2.1).
746 Massgebend ist das Recht des Kantons, in dem die Partei oder ihre Vertreterin bzw.
ihr Vertreter Wohnsitz oder Sitz hat (Art. 45 Abs. 2 BGG).
747 Art. 45 Abs. 1 BGG; Urteile des Bundesgerichts 5A_957/2018 vom 22. November 2018
E. 1; 5A_438/2018 vom 30. Oktober 2018 E. 1.1.
748 Art. 46 Abs. 2 BGG; BGE 139 III 78 E. 4.4.5 S. 82; Urteile des Bundesgerichts 5A_668/2019
vom 28. Januar 2020 E. 2.2; 5A_379/2017 vom 5. Dezember 2017 E. 1.4.
749 Wobei mit Ostern (nur) der Ostersonntag gemeint ist (BGE 139 V 490 E. 2.2).
750 Art. 46 Abs. 1 lit. a — c BGG; Urteile des Bundesgerichts 5A_87/2019 vom 26. März 2019
E. 1.2; 5A_757/2018 vom 20. Mai 2019 E. 1; 5A_403/2018 vom 23. Oktober 2018 E. 1.
751 Güngerich (2015), N. 2 zu Art. 46 BGG; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts 5A_384/2010
vom 19. Mai 2010; 5A_634/2008 vom 9. Februar 2009 E. 1, nicht publ. in: BGE 135 III 324.
— S. 185 —wahren, muss die Beschwerde spätestens am letzten Tag der Frist beim Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben werden752. Möglich ist auch die elektronische Einreichung der Beschwerde753. Die Frist gilt ebenfalls als gewahrt, wenn die Eingabe rechtzeitig bei einer Vorinstanz des Bundesgerichts, also insbesondere dem Kindes- und Erwachsenenschutzgericht, oder einer unzuständigen eidgenössischen oder kantonalen Behörde eingereicht wird. Diese sind verpflichtet, die Eingabe unverzüglich dem Bundesgericht zu übermitteln754. Eine Erstreckung der Beschwerdefrist ist nicht möglich755, wohl aber deren Wiederherstellung bei unverschuldeter Unmöglichkeit fristgerechten Handelns756.
752Art. 48 Abs. 1 BGG; für Einzelheiten vgl. oben Rz. 170 f. und weiter etwa BGE 142 V 389 E. 2; Urteile des Bundesgerichts 5A_972/2018 vom 5. Februar 2019 E. 4.1; 8C_696/2018 vom 7. November 2018 E. 3.3; 6B_512/2017 vom 12. Februar 2018 E. 1; zu Art. 143 Abs. 1 ZPO vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_503/2019 vom 30. Dezember 2019 E. 4.
753Art. 48 Abs. 2 BGG und dazu Urteile des Bundesgerichts 5A_625/2019 vom 22. Juli 2020 E .1.3; 4A_628/2018 vom 19. Juni 2019 E. 2.4; 6B_424/2017 vom 7. Juli 2017 E. 4; 8C_327/2016 vom 31. Mai 2016 E. 6.
754Art. 48 Abs. 3 BGG und dazu BGE 140 III 636 E. 3.2 und 3.5. Vorbehalten bleiben indes Fälle des Rechtsmissbrauchs (Urteil des Bundesgerichts 2C_462/2014 vom 24. November 2014 E. 3).
755Art. 47 Abs. 1 BGG; Urteil des Bundesgerichts 5A_770/2019 vom 2. Oktober 2019 E. 1; 5A_1039/2018 vom 28. Dezember 2018 E. 1; 5A_823/2018 vom 4. Oktober 2018 E. 2.
756Art. 50 Abs. 1 BGG; Urteil des Bundesgerichts 5A_850/2018 vom 19. November 2018 E. 2; 5A_612/2018 vom 27. August 2018 E. 2; 5G_2/2017 vom 18. Juli 2017 E. 2.